Fotografieren in den Archiven

Guten Abend zusammen,

auf Arbeit kam die Frage auf, ob Nutzer Archivalien fotografierne dürfen
oder ob die Mitarbeiter scannen sollen.

Wie sind Eure Erfahrungen? Bei welchen Archiven darf man inzwischen
selber fotografieren (vor der Pandemie). Mir sind bekannt:

Die Landesarchive in BaWü (Stuttgart, Sigmaringen & Co.), Staatsarchiv
Thurgau (Schweiz), Staatsarchiv Augsburg.

Viele Grüße,
Daniel

Hallo Daniel,

im StA Stgt bestand ja schon vor Ausbruch der Seuche die Erlaubnis zum
Fotografieren, was bedeutet, ich kann ohne Gebühren fotografieren,
während die nach wie vor mögliche Nutzung des Bookeye Scanners nach
Anzahl der Scans abgerechnet wird. Seitdem wir pandemisch unterwegs
sind, ist der Scanner zur Selbstbedienung im Lesesaal abgeschaltet, da
die täglich mehrmals erforderliche Desinfektion beim Benutzerwechsel
nicht geleistet werden kann.

Selbstverständlich ist es auch weiterhin möglich, einen Bestellschein
mit Scanwünschen auszufüllen, die dann nach ein paar Tagen per
Downloadlink abgerufen werden können. Wenn ich mich richtig erinnere,
werden identische Gebühren wie bei den Selbstbedienungsscans verlangt.

Noch vor der Seuche war ich im Stadtarchiv Waldsee, also 2019, und
mangels eines vernünftigen Scanners durfte ich meine paar Fotos
anfertigen, die für mich von Belang waren. Zufällig am selben Tage hat
der Archivar, Herr Wild die Lieferung eines Multifuktionsgerätes
erhalten. Innerlich hat er wohl geflucht, weil das Ding A4 war und nicht
A3 wie er es wohl bestellt hatte. Allerdings war mein Besuch in Waldsee
der Anlass für meinen Artikel im letzten CIRCULAR, da ich mit den
Ergebnissen meines Mobiltelefons nicht zufrieden sein konnte. Ob jetzt
ein passender Scanner im Archiv steht und Fotografieren weiterhin
erlaubt ist, kann ich nicht beurteilen.

Im Diözesanarchiv in Rottenburg steht wenn ich mich richtig erinnere
seit 2019 ein Arbeitsplatz mit Microfiche-Scanner zur Verfügung. Man
kann sich damit einzelne Kirchenbuchseiten über einen PC auf einen A4
Laserdrucker ausdrucken. Pro Seite sind € 0,50 fällig. Allerdings ist
dieses Gerät beliebt und wird am Tag nur einer Person zugeteilt, da auch
dort die mehrfache tägliche Desinfektion nicht leistbar ist.
Letztendlich bedeutet das, dass für einen Termin im Archiv mehr
Vorlaufzeit erforderlich ist, als vor der Pandemie. Fotos sind nach wie
vor nicht erlaubt. Theoretisch ist es möglich mit dem Microfiche-Scanner
auch Digitalisate zu erzeugen. Das geht allerdings nicht in
Selbstbedienung, sondern das erledigt das Archivpersonal per Bestellung.
Der Rest geht per Downloadlink.

Erschöpfende Auskunft ob dieser erweiterten Auskunft? Ich hoffe, du bist
angemessen erschöpft.
Gruß Micha

Hallo Daniel,

aktuell komm ich nicht mehr so viel rum wie früher.

Schon vor Jahren hat mich Frau Falck, Stadtarchiv RV, aufgefordert, zu fotografieren.

Das müsse unter die Leute. In 20, 30 Jahren könne es keine/r mehr lesen oder verstehen (alte deutsche Sprache oder Latein).

Da war ich baff. Und sie hat Recht. Denn weder die Archive noch die dort Arbeitenden sichern ihre Existenz mit restriktiven Vorgaben.

Im Gegenteil. Mehr Offenheit könnte mehr Nachfrage und dadurch auch breitere öffentl. Unterstützung schaffen.

Viel Grüeß

Franz

Gemeindearchiv Michelwinnaaaaaden.

Ungestörtes Abfotografieren aller Unterlagen.

Hauptstaatsarchiv Hannover

Nach dem Einsehen füllt man einen Zettel/Begleitschein aus. Trägt die Archivalie zu dem Lesesaal-Betreuer. Der schaut es sich kurz an und macht ein Kürzel auf den Begleitschein. Man geht wieder zurück und darf auf seinem Lesesaal-tisch (der Betreuer sieht einen) die Dokumente abfotografieren. Danach gehen Sie wieder auf den Archivwagen zurück in die Regale.

Kleine Anmerkung: in den Büchern war ein Ausleih/Anforderungsliste eingelegt. Manchmal erschreckend, wenn das Buch zuletzt vor 40 Jahren von jemanden eingesehen wurde und man sich selbst der dritte in der Liste war. Wenn dann also nicht nachvollziehbar wäre, wer diese eine Seite fotografiert und veröffentlicht hat - dann weiß ich nicht…

Stadtarchiv Ratzeburg (Lauenburg)

Kurzes nachfragen - prüfen der Archivalien (der Stadtarchivar hatte sie mir ja vorher ausgehändigt) - und ich durfte Fotografieren.

VG; Silvia