Flucht

Mein Vater ging erst 1946 auf die Flucht, er wohnte zu der Zeit in Ottendorf Kreis Bunzlau, und sie fluechteten 1945 erst in die Tchechei, kamen dann wieder nach Hause, und lebten unter russischer Besatzung fuer ca 1 Jahr, ehe sie Pfingsten 1946 von den Englaendern per plombiertem Zug "ausgefahren" wurden. Der eine Rucksack, der als Gepaeck erlaubt war, wurde in der Naehe der Grenze ( bei Goerlitz) verbrannt, ehe sie in den Zug steigen durften, ohne zu wissen, wo er sie hinbringen wuerde. Ein Teil der Dorfbevoelkerung war auf einem frueheren Zug in die spaetere DDR gefahren, dieser Zug mit meinem Vater drin landete in Niedersachsen.
In dem einem jahr der Besatzung musste die Dorfbevoelkerung sich um die russischen Besatzer kuemmern, fuer sie kochen, ihre eigenen Haeuser wieder fuer die Besatzung herrichten, usw.
Viele haben sicherlich aehnliche Geschichten zu erzaehlen, aber die "Flucht" oder Ausweisung zog sich ueber einen ziemlichen Zeitpunkt hin.
Gruss
ALmuth

Hallo Almuth,
ich bin auch 1946 per G�terzug aus Schlesien Richtung englische Zone
transportiert worden. Vorangegangen war ein Fu�marsch von W�stewaltersdorf
nach Waldenburg, bis auf die Haut durchn�sst, da die Schule in
Waldenburg-Altwasser total �berf�llt ware und wir Stunden auf dem Schulhof,
bei str�mendem Regen, warten mussten. Das dadurch teilweise unbrauchbare Hab
und Gut wurde, vor der Verladung, noch kontrolliert und willk�rlich davon
konfisziert. So haben u.a. unsere Fotoalben den Besitzer gewechselt.
Das war keine "Flucht" mehr sondern die schon organisierte, mit den anderen
Siegerm�chten abgestimmte "ethnische S�uberung" (wie man heute dazu sagen
w�rde). Jede Besatzungszone war bestrebt, m�glichst wenig Vertriebene
aufzunehmen. Es fehlte ja an allem. Wir waren also nirgends willkommen.
Manche Deutsche wollten sp�ter dann aus Schlesien weg, die Polen (nicht mehr
die Russen) lie�en sie aber nicht weg, da sie Bergleute, Techniker usw.
waren. Mein Gro�vater (Webmeister in der Fabrik im Ort) durfte erst 1952
ausreisen.
Geflohen waren wir auch am 7.Mai 1945, vor den Russen ins Gebirge. Das hat
aber meine Mutter trotzdem nicht vor den Vergewaltigungsorgien bewahrt. In
der Deutsche Wehrmacht stand auf Vergewaltigung die Todesstrafe, die auch
vollstreckt wurde.
�brigens sind wir damals in Magdeburg aus dem G�terzug ausgestiegen, als
diese M�glichkeit bekannt gegeben wurde. Die Eltern meiner Mutter waren in
Sachsen. So sind wir "Ossis" geworden. Alle andren Verwandten und auch der
gr��te Teil der Einwohner unseres Ortes sind in und um Bremen und in Siegen
gelandet.
Gru� Wolfgang