Familie Muhle / Junker Köntje

Hallo Andreas!

Zur Klärung der Bedeutung der Namen auf -ie können Sie die Ausarbeitung von
Wilhelm Ramsauer "Familien-, Flur- und Ortsnamen" heranziehen, der sich mit
unserer Region beschäftigte. Danach handelt es sich um Patronyme, die von einem
Vornamen abgeleitet sind. Im Oldenburger Münsterland herrscht die
westfälische Tradition der -ing-Endung, in Richtung Wildeshausen und Delmenhorst als
-ig und im Ammerland als -ie geschrieben. Das wusste man wohl zur Zeit der
Entstehung der Sage nicht mehr, weshalb man diese Namen durch einen gemeinsamen
Vorfahr zu deuten versuchte, der auf Grund des großen Besizes dann ein Junker
gewesen sein müsste. Ein Junker namens Köntje hat es aber nie gegeben, denn
dieser Name ist eben ein bürgerlicher Name, wie oben bereits beschrieben. Da
es aber ein Patronym ist, vermute ich, dass die Grundlage ein Vorfahr namens
Konrad war. Dieser Vorname kam unter Anderem auch bei der Familie von Bremen
vor, deren Nebenlinie von Porsenberg auch in Gristede begütert war. Allerdings
wäre es reine Spekulation, wollte man die Familie Köntje auf einen
bestimmten Konrad zurückführen können, da bürgerliche Familie damals recht selten in
den Urkunden erwähnt wurden, da sie ja nicht handelnde Personen waren, sondern
häufig in der Leibeigenschaft lebten.
Dass alle Höfe in Gristede mal Besitz eines einzigen Adeligen war, der sie
dann an seine nichtehelichen Söhne verteilte, gehört nur in den Bereich der
Sage. Wenn man der Oldenburger Urkundenbücher durchsieht, dann findet man immer
wieder Besitz in Gristede, der verschiedenen adeligen Familien gehört. Diesen
Besitz müssten diese adeligen Familien dann ja von den nichtehelichen Söhnen
erhalten haben. Das müsste dann aber in uralten Zeiten gewesen sein, denn
die adeligen Familien treten das ganze Mittelalter auf, die o.g. bürgerlichen
Namen aber erst seit dem Spätmittelalter. Und dass im Hochmittelalter bereits
Besitz in bürgerlichen Händen war, kann man ausschließen, denn Landbesitz war
das Vorrecht des Adels. Bürgerliche waren meist Leibeigene oder saßen als
eine Art von Pächter auf dem den Adeligen gehörenden Besitz, den sie in deren
Namen bebauten.
Dass Adelige nicht eheliche Söhne aus ihrem Besitz versorgten ist
unzweifelhaft. Dass aber ein Adeliger ohne standesgemäße Nachkommen seinen ganzen
Besitz an solche Nachkommen ausgab ist augeschlossen. Es gab immer standesgemäße
Verwandte, die erbten. Falls solche mal tatsächlich nicht vorhanden waren,
viel der Besitz an den Lehnsherrn zurück, denn der größte Teil des adeligen
Besitzes war ja ein Lehen des höheren Adels, z.B. der Grafen von Oldenburg.
Wirklichen Eigenbesitz hatten nur wenige Adelige. Er stammte, so weit ich es im
Moment beurteilen kann, aus Verschwägerungen des niederen Adels mit dem höheren
Adel, also meistens aus Heiratsgut on hochadeligen Töchtern, die
niederadelige Ehemänner heirateten. Der tatsächliche Eigenbesitz viel dann an diese
Familien bzw. bei deren Aussterben an deren Nachkommen zurück. Sollten diese
nicht zu ermitteln sein, war der oberste, im Auftrag des deutschen Kaisers
regierende Verwaltungsbeamte, in den sächsischen Gebieten also der Herzog von
Sachsen, derjenige, der diese Güter beanspruchen konnte.
Dass die Gristeder Hausleute großen Besitz in Gemengelage haben, ist klar,
da sie über die Jahrhunderte regelmäßig unter einander geheiratet haben und
damit immer wieder Besitz von einer Familie zur anderen und damit von einem Hof
zum nächsten wechselte. Dass ist in den meisten Dörfern so gewesen bis man in
unserem Jahrhundert die bekannten Flurbereinigungen durchführte. Daraus
lassen sich aber nicht die Verhältnisse vor einigen Jahrhunderten klären. Die
Anzahl von Hausmannhöfen war abhängig von der Flurgröße eines Ortes. Dass man
alle Einwohner eines Dorfes auf einen gemeinsamen Vorfahr zurückführen kann,
wie es die o.g. Sage versucht, ist mir bisher noch nicht untergekommen und
dürfte auch nicht zu klären sein, weil man keinerlei Informationen aus den
frühesten Zeiten hat, in denen diese Orte erstmalig besiedelt wurden. Vielleicht
lassen sich später mal Erkenntnisse aus Gentests gewinnen, aber das steht zur
Zeit noch in den Sternen. Zu erwarten ist das eher in Orten, die von einem
Kolonisator neu angelegt wurden, wie zum Beispiel in den Bruchländereien an der
Weser. Aber wahrscheinlich ist auch das nicht.
Die von Ihnen genannte Sage ist eben das, was der Name sagt, nämlich eine
Sage. Womöglich hat sie einen wahren Kern, aber wie dieser aussieht, da zu
liegen mir keinerlei Informationen vor, da mir die Entstehungsgeschichte von
Gristede unbekannt ist. Da aber Gristede im Ammerland liegt, ist zu vermuten,
dass der Ursprung des Ortes auf die Grafen von Oldenburg oder eine ihrer
lehnsabhängigen Adelsfamilien zurückzuführen ist, auf Grund der örtlichen Nähe
möglicherweise der Familie von Elmendorf.
Zur Familie Frölje habe ich als ältesten Nachweis auch nur die von Ihnen
gemachte Angabe aus dem Fräulein-Schatz-Register von 1613.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte!

Ebenfalls wünsche ich Ihnen ruhige und besinnliche Feiertage!

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Jüchter, Hannover