Erinnerung an jüdisches Leben in Görlitz

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Ein besonderes grenzüberschreitendes Projekt erinnert an das jüdische Leben in Görlitz und dem benachbarten polnischen Zgorzelec. Die beiden Städte bilden diesseits und jenseits der Lausitzer Neiße einen gemeinsamen historischen und kulturellen Raum. Die in Görlitz lebende Amerikanerin Lauren Leiderman hat nach den weltweit verstreut lebenden Nachkommen ehemaliger jüdischer Einwohner von Görlitz recherchiert und Kontakte geknüpft. Durch diese Initiative kommen manche von ihnen nun wieder in die Stadt. Sie besuchen die früheren Wohn- oder Geschäftshäusern und erforschen die Geschichte ihrer Familien, verlegen Stolpersteine, nehmen an Gedenkwochen teil. In dem MDR-Film „Wir sind hier! Auf den Spuren der jüdischen Einwohner von Görlitz“ wird dies sehr eindrucksvoll und emotional dokumentiert.


Zeitzeugen und Jugendliche gemeinsam für Erinnerung an jüdisches Leben in Görlitz

Daneben initiiert Lauren Leiderman Zusammentreffen mit Jugendlichen, z. B. aus Dresden und der polnischen Nachbarstadt im Projekt „Mitzwah“, bei dem noch sichtbare Zeichen für jüdisches Leben in der Stadt erkundet werden. So besuchen sie z.B. das leer stehende Gebäude des ehemaligen Kaufhauses der jüdischen Familie Totschek und recherchieren deren Geschichte. Sie suchen auf dem jüdischen Friedhof nach den Grabsteinen einzelner Familien und besuchen in Polen die Gedenkstätte des ehemaligen Arbeitslagers Tormersdorf, von wo jüdische Menschen nach Theresienstadt oder anderen Vernichtungslager deportiert wurden.

In einem Video-Chat sprechen sie mit einer Nachkommin der Familie Löwy in Australien und hören von ihr die Geschichte der Trennung von ihren Eltern. Auf dem jüdischen Friedhof übernehmen die Jugendlichen die Pflege der Gräber – anstelle der Angehörigen, die nicht mehr leben oder im Ausland wohnen. Diese religiöse Pflicht ist eine wahre „Mitzwah“ – eine gute Tat. Zum Abschluss des Projekts leiten sie am Freitagabend gemeinsam den Sabbat ein – und erfahren dabei etwas über jüdische Kultur.

Am Ende des Films steht die persönliche Begegnung der Jugendlichen mit der aus Florida angereisten 80jährigen Judy Hannes-Mendelssohn im Zentrum, mit der sie zwei Monate zuvor bereits per Online-Verbindung in Kontakt gekommen waren. Die Erzählungen der Hinterbliebenen zeigen bei den Jugendlichen tiefe Wirkung.

Die Initiatorin Lauren Leiderman

Die Amerikanerin Lauren Leiderman lebt in Görlitz. Ihr jüdischer Mann zog aus beruflichen Gründen in die Stadt an der polnischen Grenze. Sie selbst konvertierte zum Judentum und fand hier ihre geistige Heimat. Aus Interesse an der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Görlitz, forschte sie in Archiven nach den Familien und nahm Kontakt zu Nachkommen auf, die im Ausland leben. In Bildungsprojekten engagiert sie sich für die grenzüberschreitende Erinnerungsarbeit mit Schülergruppen.

Seit 2021 kommen jedes Jahr immer mehr Nachkommen von ehemaligen Görlitzer Juden zu den Jüdischen Erinnerungswochen. Dabei werden auch Stolpersteine verlegt; das sind bewegende Momente für die Familienangehörigen. Im Juni 2026 kamen 130 Menschen als aller Welt zu den Jüdischen Erinnerungswochen.
Die Aktivitäten werden u.a. in den kurzen MDR-Filmen „Glaubwürdig: Lauren Leiderman“ und „Treffen von Nachfahren von Görlitzer Juden“ dokumentiert.
Die von Lauren Leiderman vorbereitete Ausstellung zum Jüdischen Leben in Görlitz läuft noch bis zum 25. Oktober 2026 in der Synagoge Görlitz.

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