Domslau 1666

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3. Domslau
Bei der Anwesenheit des hochwOrdigsten Kerrn Joannis aus Leuderode, wie dur
c h den K a nt or v,o m h L Kr e u z i n V rat i s I a v a i m J a h re 1 65 6
ein neuer Pf a rrer e i'ng'esetztJ.wQrde:n;i;~,t,wenl),.;;~uch die
Ratsherren V( Vratislava das Pat~6natsrecht fOrsic~hatten,~uf diese die Stadt
aufschaut, ist n6ch He~ausITahme d~sjGru~dstUcks d~~ Kantors vom
hl. Kreuz eine Kirche' geweiht wordenc~u E.hren des hl. JOhannis
des Täufers, und der Jahrestag~der We~hewird_durch 'einen Festtag
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gefeiert. Sie ist ganz-aus ZjegelwerK;;.~i$owOhl~das Ziegeldach,
das Gewölbe als auc~ derrEst~ic~, d~s~leichen~der hohe Turm,
der keine Spitze hat, :er ,ist mit Schindeln gedeckt, ständig wird er
wiederhergestellt (restauriert), in ih~ sind drei Glocken und eine unschädlich
gemachte Uhr vorhanden. Es ist zweimal ehemals ein­sichtig gewesen, daß die
Ratsherren von Vratislava das Baumaterial fOr das Dach zugesagt haben. In der
Kirche sind drei Altäre
alle beschädigt. In dem größeren ist ein TOrlein zugefOgt, auf dem Altar
wird die Statue'der Gottesmutter gezeigt. Auf der Evangelien­seite innerhalb
des Mauerwerks ist die Stelle des Tabernakels geschOtzt durch eine Faschine
sorgfältig herausgearbeitet. In der Mitte der Kirche steht ein kleines
hölzernes Taufbecken. Im Schrank der Sakristei werden drei schöne Meßgewänder 'mit
einem weißen
'Chorhemd fOr den hochwOrdigsten Herrn von Leuderode aufbewahrt.
Testamentarisch wurde auch ein schöner,großer, silberner, rein vergoldeter Kelch
vermacht, in welchem das Ehrenzeichen (Kreuz) zerstört ist, ebenso das römische
Meßbuch. Der Pfarrer hat in
seInen BOchern festgehalte~n, cfaß die Kirche von Domslau im Jahre
1540 einen silbernen vergoldeten Kelch mit Patene besaß, dazu noch zwei
silberne mit Patenen zwei silberne Kreuze und einige Meß­gewänder, zu welchem
Zweck diese gebraucht wurden, ist nicht bekann1 Pfarrer dieser und der
Kirche von Tintz ist Joannes Muskala aus Wansovien gewesen, 57 Jahre alt, 26 Jahre
Priester, frOher ist er verheiratet gewesen. Zwei Jahre ist er Vika~ in
Wansovien gewesen, und Pfarrer in Hennersdorf und Thomaskirch 14 Jahre. Die Kirche
in Tintz wird als Filialkirche gehalten und immer der Kirche verbun( hielten
die Domslauer Prediger der Kirche. Der Pfarrer scheint mOde und matt im
Anregen zu sein, ebenfalls in den Rechten der Kirche
und im Pastorenamt, die' e rw i e der e r 1 a n g e, n müßte. Er hat keine,
Kirchenfelder, außer einen Garten, der sehr auffallend mit dem Haus des
Pastors und der Scheune und den Ställen in die Augen ,fällt. Er hat gepac~tet
einen Morgen, der st~fi auf die Kirche bezieht. (In Tin tz hat tee r 2Hu f e n,'
L q ~ d h "'(~; ;.; ". .'., .
Einen Sonntag feierLer degGöttesdJenstJn,Dpmslau, in polnisch
p red i g t er, ein e n a nd e ren G Q1; t es die in;,t. fe i er t e r a be
r i n Tin t z ,
er wird in deutsch' gehalten. (Deutsc,Q' ,'- in ar ren). .
Der Schreiber Balthasar Langer S<;>rge au's Nissens hat ein Häuschen
,mit Gärtchen, unt! ere,rhä11t,. fÜr sein;e .S~hreibarbel,t aus einzelnen
Dörfern ein Brot, kleine Neujahrs,ge:Sf,hen,ke ;~nd Osterlämmer mit
herausgeschnittenen Resten. . '

Dombsel (17. Nov.)
Ein Bezirk ist von dem Herrn Collmann und seiner angetrauten Herrin von den
Katholiken und den nicht in der Irrlehre Verstorbenen in der neuen Stadt
geschenkt worden dem Hospital des Heiligen Bernardin in Wratislava. Seine
R~tsherren sind Beamte aus Wratislava. Er hat eine Pfarrkircheuriter dem Recht des
hochwürdig4 Herrn Kantors der vereinigten Kirche vom hl. Kreuz zu Wratislava
unter dem Namen von der HI. Kreuzerhöhung. Sie ist überallgemauer" gewölbt,
wiederhergestellt. Der Altar hat drei Prunkstücke,
in der Mitte befindet sich als höchste Zierde das Sakraments&shy;häuschen.
Ein Schatz der Kirche ist die Statue des hl. Johannes Nepomuk, von dem neuen
Pastor beso~gt.
Der Pastor an der Kirche ist Johannes Georgius Wind, gebürtig aus
Wratislava, sein Lebensalte~ ist 40 Jahre, vollkommen in den Wissenschaften seines
Vaterlandes, ordentlich in seinem Priester&shy;amt, Hilfsgeistlicher drei Jahre
lang, Pastor acht Jahre, von Eifet und Sorge für die Seelen, von Glanz für das
Haus Gottes und sein eigenes, lobenswert wegen seiner Gastfreundschaft und
seines bescheidenen Lebenswandels, gottbegeisterte Gestaltung des
Gottesdienstes in der Zeit der gewöhnlichen Sonntage und aller Festtage in dieser Kirche
versieht er, das Heilige behütet er,
in deutsGh ruft er herbei und lehrt er, durch seinen Kapaln in
.der polnischen Mundart. In der Handhabung des Sakramente ist
er gewissenhaft.
Kaplan ist Georgius Ignatilfs Koschny, Lehrer aus Oppeln,
26 Jahre alt, außer Wohnung und Essen, das er anständig bekommt, erhält er
als Ehrenseold 50 Taler.
Organist ist Antonius Perlitzki, gebürtig aus Sosnischovo, 46 Jahre alt;
Schöffe, er dient der Kirche 19 Jahre.
Pfarrkinder bei dieser und der engverbundenen Kirche in Tintz sind ungefähr
1750, unter diesen befinden sich 432 Katholiken. meistens von den
Dienstboten. Alle, sowohl Katholiken,wie auch Lutheraner tragen Sorge, sich in diesem
Kirchenspiel zusammenzufinden und
Ihre Nachkommen (Kinder) taufen zu lassen.

17. September (1677)
Diese Kirche soll zu Ehren der Erhöhung des hl. Kreuzes
errichtet worden sein, und von der hl. Hedwig reich ausge&shy;
schmückt worden sein. Sie hat vorher unter katholischer Leitung geill~ und
nach Rum. Schottag, dem K~fitor der Kirche vorn hl. Kreuz in Vratislava und
dem plötzlichen Weggang des Pastors haben die Dominikaner sie in Besitz
genommen, und 120 Jahre haben sie
ihre falschen Glaubenssätze dem umherirrenden Volke von der Kanzel
gepredigt, aber ihnen ist sie in der gesamten Reformation ent&shy;rissen worden und
den katholischen Pfarrkindern zurückgegeben
worden. Zeichen der Weihe sind sicherlich sichtbar geworden, aber durch die
Irrgläubigen sind sie mit Kalk übertüncht worden.
In dieser Kirche sind drei Altäre- An der höchsten Stelle
steht der alte Hochaltar, der größte Teil ist mit beiden Flügeln vergoldet,
sorgfältig ausgearbeitet durch eine sehr schöne Schnitzereiarbeit, dessen
Hauptstatue die Jungfrau Maria ist,
die auf ihrem rechten Arm das Jesuskind trägt, über dessen Kopf zwei Engel
eine Krone halten; auf Seiten der Jungfrau auf beiden Seiten die Statuen des
hl. Johannes des Täufers und der hl. Katharina.
Nach hinten des Altares innerhalb der Mauer wird in einern silbernen und
vergoldetem Kelch ganz bedeckt einer Krippe
ähnlich das Allerheiligste aufbewahrt. Oberhalb des rechten
, Altarflügels steht ein alter-Altar vollkommen vergoldet
. 'mit Schnitzwerk auf den Flügeln, durch die der Altar selbst geschlossen
werden kann. Oberhalb des linken Altares, aber weniger wer>tvoll in deI"
Mrtt'e e:rner Statue der hl. Jung1'rau, größtenteils die zwölf Apostel bunt gemalt.
Der Pfarrer dieser Kirche ist der Priester Herr Matthäus
Ignatius Clement, 30 Jahre ist sein Alter, aber schon 8 Jahre Priester,
gebürtig aus Wansovien, beides,Theologie und Jura
hat er 4 Jahre in Krakau mit dem Licentiatus (Lehrgenehmigung)
Grad studiert, und er ist eben dort 4 Jahre Professor für Philosophie
gewesen, vorgesehen für den Titel nach dem Tode
des hochwürdigen Herrn und des Herrn Sebastian, Bischof von Wratislava, und
von eben demselben eingekleidet.
Als dieser nach Cravovia gekommen ist, ist er bald in dieses Pastorenamt
befördert worden, in dem er fast 5 Jahre verblieben ist. Er taufte in deutscher-
und in polnischer Sprache für die
gleichen Personen. In diesem Bezirk trägt er die heilige Speise
zu den Armen des Volkes, jedoch nicht an die anderen Bezirke.
Er predigte an einzelnen Sonntagen in polnisch in Dornslau,
aber auch an einzelnen Tagen in deutsch in Klein-Tintz.

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Zur Domislauer Kirche gehören folgende Bezirke:
Knignitz unter der Leitung der hochwürdigsten und frommen Abtissin zur hl.
Klara in Vratislava. - Tschauchelwitz, das zum ehrwürdigen Kapitel der
Bischofskirche in ~ratislava gehört, -Gallwitz, das der vornehme Herr Georgius
Cromaier besitzt,
- Koberwitz, das der vornehme Herr Godefried Eck besitzt,
- Peltschwitz,dessen Besitzer der vornehme Herr Götz, Ratsherr von
Vratislava ist, - Guckelwitz, unter dem vornehmen Herrn Agricola, - Kr.olkwitz, das
der angesehene ,Herr Baron von
Frackstein besitzt, - Magnitz, das zum 'vornehmen Herrn Henricus von
ReicheI, Rastsherr von Vratislava, schaut, zu ihm auch schaut Zaumgarten, -
Hadanchen, das der vornehme Herr Conradus von Sternberg besitzt,- Klein-Sirnig, das
zum ehrwürdigen Domkapitel von Vratislava gehört,- Neun, dessen Herr der
vornehme Herr von Lilgenau ist, -Ober-Schlanz, das der vornehme Herr
von Glix besitzt, - Nieder-Schlanz, dessen Besitzer der vornehme
Baron von Sauermann aus Gniechwitz ist, ebenso gehört ihm t
H~berstru, - Grünhüpbel, das zum vornehmen Herrn Ernest von
Lincke in Bettlern schaut.
Organist wurde genannt Balthasar Langer aus Nissens von Neu-Sorge stammend,
48 Jahre alt, Deutsch/Pole,' mehr aber Deutscher, der hier der Kirche 11
Jahre dient. ~r unterrichtet die Jünglinge bis 24, zu anderer Zeit macht er das
Seinige, wie er muß.
Die Domslauer Pfarrkinder in Knignitz, Tschauchelwitz,
Gallwitz sind mehr polnisch, unter die-anderen gemischt,
meistens Irrgläubige. Alle sorgen hier dafür, getauft zu werden, und alle
feiern wir nur immer das Wort des Herrn. Ausgenommen werden müssen die
Domslauer, die sehr gleichgültig sind,
törichte Irrgl~Jbige, nicht hochachtend die Feste.