Domnifikat

Guten Morgen,

ich fand diesen Artikel in der Neustadter Zeitung von 1842 und suche die Bedeutung mehrerer Wörter:

"Am 23. laufenden Jahres [1842] wurde dem Schneidergesellen Georg Heinrich Martin aus Ansbach in der Nähe von Neustadt, angeblich durch einen ihm unbekannten jungen Menschen mit welchem er zwei tagelang reiste, und der sich für einen Schreiber aus St. Wendel ausgab, ein mit einem Seehundsfelle überzogenes Felleisen listigerweise entwendet, welches nach der Angabe von Martin folgende Effekten enthalten hat:

  1. Drei neue Hemden, das eine von Mousellin mit einer Chemisette, die andern zwei von hänfenem Buche, alle drei unten am Schlitze mit „M.“ roth gezeichnet.
  2. Ein dunkelblau tuchener Oberrock mit übersponnenen seidenen Knöpfen und schwarzen Aufschlägen an den Aermeln.
  3. Ein Paar gelbliche sommerzeugene Hosen mit weißen beinen Knöpfen.
  4. 1 Paar weiße wollene und 1 Paar naturgraue leinene Strümpfe, beide ebenfalls mit dem rothen Zeichen „M.“ versehen.
  5. Ein blaues leinenes und ein roth und schwarz=getupftes baumwollenes Sacktuch.
  6. Ein gelbes wollenes und ein schwarz seidenes Halstuch.
  7. Ein Paar neu vorgeschuhte Halbstiefel.
  8. Eine Scheere.
  9. Eine schwarzfaffianene Brieftasche, worin eine Landkarte von Deutschland und fünf neue Guldenstücke mit der Frankfurter Prägung sich befinden.
  10. Eine schwarze Weste von Halbtuch mit blauen Knöpfen.
  11. Eine mousellinene Chemisette mit dem Buchstaben „M.“ roth gezeichnet, und endlich
  12. Der Lehrbrief des Domnifikaten.
    Zu bemerken ist, daß der Unbekannte mit Hinterlassung eines dunkelgrünen mit blauem Seidenzeug gefütterten Rocks, eines rothen Sacktuches mit einem Gemälde in der Mitte, und eines goldenen Ringes, welche Gegenstände höchstwahrscheinlich ebenfalls gestohlen sind, durchgegangen ist.
    Bei Ausschreibung des Gegenwärtigen ergeht an Jedermann die Aufforderung, allenfallsige Spuren, welche zu Entdeckung des Diebes oder zur Ausmittelung der gestohlenen Gegenstände führen dürften, entweder bei der betreffenden Heimathsbehörde oder hierorts schleunigst zur Anzeige zu bringen.
    Frankenthal, den 13. Oktober 1842.
    Bei Verhinderung des K. Untersuchungsrichters,
    Der Ergänzungsrichter,
    Fitz"

Die Schreibweise wird Internet durch andere Transkriptionen bestätigt, aber niemand gibt eine Erklärung.

Bei „schwarzfaffianene“ könnte es sich bei dem „f“ auch jeweils oder ab und zu um ein „s“ handeln, aber auch dazu gibt es keine Treffer. Es scheint wohl um eine Farbe zu gehen.

Der „Domnifikat“ ist wohl entweder der Anzeigende oder der Bestohlene.

Lieber Herr Geiger !

Saffian ist eine Ledersorte, siehe Saffian – Wikipedia

Damnifikat könnte man villeicht als Übeltäter übersetzen.

Mit freundlichen Grüßen, Friedrich R. Wollmershäuser

Hallo,

der Domnifikat ist wohl der Bestohlene. Z. B. hier steht: Der Domnifikat beschreibt die Räuber folgendermaßen

Intelligenzblatt der Königlichen Regierung von Oberbayern: 1848 - Oberbayern (Regierungsbezirk) - Google Books<

Wahrscheinlich müsste es richtig Damnifikat heißen: Damnifikat. Geschädigter, Beschädigter, Verlustträger.

Die Brieftasche war vielleicht aus diesem Leder und schwarz: Saffianleder, ist ein aus Ziegenfellen hergestelltes, sehr feines, glänzendes und festes Leder mit naturbelassenen Narben.

Gruß
Bernd (Engelhorn)

Zefix, das o issn a. Da kann ich suchen. Danke,.
Roland Geiger

Hallo, Bernd,

herzlichen Dank für die Hilfe. Das „o“ muß wirklich ein „a“ sein.

Frau Dr. Stitz schreibt: „Salve, „damnificare“ (damnum + facere) bedeutet „schädigen“, ein „damnificatus“ ist also ein Geschädigter.“

Saffianleder paßt sehr gut - ich war nicht auf „s“ und „f“ gefaßt. Immer blöd, wenn man keine Richtung hat, in der man suchen könnte.

Danke

Roland Geiger

Oberdischingen, 13. Mai 2024

Sehr geehrte Listengemeinde !

Herr Engelhorn hat recht: Der Damnifikat (auch Damnifikant) ist der Geschädigte. Auf die Übersetzung mit Übeltäter war ich wohl durch eine Verwechslung mit Malefikant gekommen.

Siehe Friedrich Wilhelm Looff, Allgemeines Fremdwörterbuch (2. Aufl. Langensalza 1876) Seite 194 links unten.

Mit freundlichen Grüßen, Friedrich R. Wollmerhäuser