Die aktuelle Untersuchung von alter DNA, kombiniert mit Isotopenanalysen und archäologischen Funden, liefert neue Erkenntnisse über die Herkunft der Langobarden und die Bevölkerungsentwicklung in Pannonien (dem heutigen Österreich und Ungarn) um das 5. und 6. Jahrhundert n. Chr.
Bevölkerungsentwicklung in Pannonien
Die Analysen widerlegen die Annahme einer vollständigen Verdrängung der ansässigen römischen Bevölkerung nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches.Stattdessen kam es zu einer Vermischung zwischen der bereits ansässigen Bevölkerung und Zuwanderern aus dem Norden.Im 5. Jahrhundert war die Region eher dünn besiedelt, mit einem kleineren Teil der Nachkommen der römerzeitlichen Bevölkerung.Neben Menschen mit genetischen Spuren vom Balkan und Mittelmeerraum waren auch bereits Menschen nördlich der Donau präsent, die sich mit anderen Bewohnern vermischt hatten.Um das Jahr 500 n. Chr. verstärkte sich der Zuzug aus dem Norden merklich, was mit dem historisch bezeugten Einzug der Langobarden zusammenhängt, die in Pannonien ein Königreich aufbauten.Dies führte zu einer substanziellen Veränderung in der poströmischen Zeit.
Soziale Struktur und Abhängigkeitsverhältnisse
Die Kombination genetischer und archäologischer Befunde zeigt die Etablierung einer neuen Gesellschaftsstruktur.Es entwickelten sich mächtige Gruppen, die ihre soziale und wirtschaftliche Stellung über Verwandtschaftsverhältnisse weitergaben.Diese Gruppen wurden zusammen mit Menschen aus der einheimischen Bevölkerung, den „Pannoniern“, bestattet.Die Pannonier lebten offenbar in einem Abhängigkeitsverhältnis und erledigten viele Arbeiten in der Siedlung.Allmählich vermischten sich die beiden Gruppen miteinander.Die Herkunft der Menschen in der Region blieb insgesamt recht vielfältig.
Herkunft der Langobarden
Die Analyse der alten DNA liefert neue Hinweise auf die Herkunft der Langobarden.Im Erbgut fand sich eine beträchtliche „skandinavische Komponente“, die auch in Norddeutschland in dieser Zeit bezeugt ist.Dies stützt die Vermutung, dass viele der Einwanderer aus dem Norden skandinavische Vorfahren hatten, was frühere historische Quellen, die oft als Legende abgetan wurden, untermauert.Es kann nicht gesagt werden, dass „die Langobarden“ pauschal aus Skandinavien kamen, aber ein signifikanter Teil von ihnen hatte offenbar skandinavische Vorfahren.
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