Eine Skelettuntersuchung in der Nähe von Stonehenge enthüllte, dass die dort beigesetzte Person, die lange als männlicher „Schamane“ galt, tatsächlich eine Frau war. Diese Korrektur wurde durch die Analyse alter DNA ermöglicht.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden
DNA-Analyse: Proben aus Schädelknochen, einem Zahn und einem Zehenknochen wurden vom Francis Crick Institute in London analysiert. Die Ergebnisse zeigten zwei X-Chromosomen, was eindeutig auf eine weibliche Person hinweist. Diese Ergebnisse wurden durch separate Tests bestätigt.
Technologische Fortschritte: Die Fortschritte in der Analyse alter DNA in den letzten zwei Jahrzehnten ermöglichen die Beantwortung zuvor unlösbarer Fragen.
Ausstellung: Diese Erkenntnisse sind Teil der Ausstellung „We Go Way Back“, der ersten britischen Ausstellung zu alter DNA.
Historische Annahmen und Korrekturen
Frühere Annahmen: Im Jahr 1801 schloss der Altertumsforscher William Cunnington aufgrund der Knochengröße und der Beigaben (Äxte und Werkzeuge) auf einen „kräftigen Mann“. Diese Annahme blieb über zwei Jahrhunderte bestehen.
Einfluss von Vorurteilen: Althistorikerin Mary Beard weist darauf hin, dass Geschlechtszuweisungen bei alten Skeletten oft auf eigenen Annahmen basieren (z.B. Schwert = männlich, Halskette = weiblich). Alte DNA ermöglicht die Korrektur solcher Annahmen.
Die Rolle der Frau und ihre Beigaben
Goldschmiedekunst: Die Frau war eine versierte Goldschmiedin. Zu ihren Beigaben gehörten eine Streitaxt, Schälchen aus versteinerten Schwämmen (zum Mischen von Klebstoffen) und ein Probierstein zur Goldprüfung. Feine Goldspuren auf einigen Steinen deuten auf die Verwendung von Gold hin.
Werkzeuge: Umgearbeitete Äxte dienten als Hämmer und Glätter zum Polieren von Gold. Die Werkzeuge zeigen Spuren echten Gebrauchs und waren nicht rein zeremoniell. Die Frau überzog wahrscheinlich Gegenstände aus Holz oder Kupfer mit dünnen Blattauflagen aus Gold.
Sozialer Rang: Die Kenntnisse in der Goldbearbeitung waren um 1800 v. Chr. selten und verliehen ihren Trägern Rang. Die Frau starb mit über 45 Jahren, war für die Bronzezeit mit ca. 1,65 m ungewöhnlich groß und kräftig gebaut. Verschleißspuren am rechten Handgelenk deuten auf jahrzehntelange einhändige Werkzeugführung hin.
Mögliche rituelle Rolle: Ein Umhang mit durchbohrten Tierknochen und eine Tasche mit Wildschweinhauern könnten auf rituelle Auftritte hindeuten. Es wird spekuliert, ob die Frau eine vermittelnde Rolle zwischen Handwerk und einer geistlichen Sphäre innehatte.
Ein zweiter Körper im Grabhügel
Über der Frau wurde ein zweiter, sitzender Körper mit poliertem Schmuck aus Jett beigesetzt. Dieser Person galt lange als „Ehefrau“ des vermeintlichen Mannes, ihre Gebeine sind jedoch verschollen.
Bedeutung des Fundes
Der Fund stört die bisherige Vorstellung einer strikten Geschlechterordnung in der Frühbronzezeit. Die angesehene Metallarbeiterin, möglicherweise mit Zugang zum Übernatürlichen, zeigt, dass solche Rollen nicht ausschließlich Männern vorbehalten waren.
Der Grabhügel lag erhöht über einem Flusstal, das nach Stonehenge führt. Forschende vermuten, dass Händler über solche Wege seltene Rohstoffe zum Ringheiligtum brachten.
Sources:
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