Vor der römischen Invasion im ersten Jahrhundert n. Chr. könnte die Gesellschaft in Britannien stark matriarchal geprägt gewesen sein. Diese Annahme basiert auf DNA-Untersuchungen von Gräbern der Arras-Kultur im Nordosten Englands, die von einem Team um den Genetiker David Reich durchgeführt wurden. Archäologin Rachel Pope bezeichnet die Studie als revolutionär und erwartet eine grundlegende Veränderung der Sichtweise auf die Eisenzeit. Bisher liegt die Studie als Preprint vor, unabhängige wissenschaftliche Gutachten stehen noch aus.
Zentrale Erkenntnisse der Studie:
Matrilokalität:
Die Untersuchung von über 500 Individuen aus der Arras-Kultur (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) zeigte, dass Männer häufig auswärts Kinder zeugten, während Frauen in ihrem Geburtsort blieben. Dies wird als matrilokale Struktur bezeichnet, was aber nicht zwangsläufig eine weibliche Herrschaft bedeutet.
Mütterliche Abstammung und Organisation:
Es gibt Hinweise auf eine Organisation rund um die mütterliche Abstammungslinie.
Zwölf untersuchte Frauen hatten Kinder mit mehr als einem Mann, was auf seriell monogame oder polyandrische Lebensweisen in einer weiblich dominierten Struktur hindeuten könnte.
Nachkommen aus derselben mütterlichen Linie zeugten keine Kinder untereinander. Dies deutet auf die Weitergabe detaillierten Abstammungswissens über die weibliche Linie hin.
Die Forscher schließen daraus, dass die mütterliche Abstammung in der Arras-Kultur ein leitendes Organisationsprinzip war, das möglicherweise auch für andere britannische Gemeinschaften der Eisenzeit galt.
Historischer Kontext:
Obwohl historische Texte mächtige Frauen wie Boudicca erwähnen, setzte sich im 20. Jahrhundert die Ansicht patriarchalisch geprägter Gemeinschaften durch.
Die Arras-Kultur ist bekannt für Bestattungen, die teilweise Streitwagen einschlossen.
Sources:
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