Die Folgen eines KANWISCHER Zufallsfundes

Hallo,
die Herkunft meiner Großmutter väterlicherseits und ihrer Vorfahren, den KANWISCHERs, ist wohl recht vollständig von Neu Tomischel (Glinau / Sontopp) über Pabianice / Lodz, Raum Tomaszów Maz. bis Grossräschen bzw. Senftenberg nachgezeichnet.
Doch schaue ich immer wieder, wenn beim „Herumstreunen“ in benachbarten Gebieten der Name Kanwischer fällt, ob sich eine mögliche Verbindung zu meiner Linie finden lässt.
Soviel zur Motivation des jetzigen Themas.

Anfang des Jahres lief in der AGoFF Liste eine Vorfahrentafel aus einem Westpreussen Fundus durch, die unter anderem einen Christian Kannwischer und Ehefrau Luise Geisler aufführt.
Ich erhielt aus AGoFF Kreisen den Hinweis auf die „Einwohnermelderegister der Gemeinde Mycielin“
„11/1/0/2.12/933 Mycielin Księga ludności gminy Mycielin“ und die „Zivilstandsregister Stawiszyn“, beide online im polnischen Archiv verfügbar.
Das Melderegister aus dem Jahr 1965 (Scan# 85) führt tatsächlich für Haus #30 den Kristian Kanwischer, ein Kaplan o.ä. samt Ehefrau Louise (dort Ludwika) und fünf Kindern mit Geburtsdaten auf (und es sind - dort - die einzigen Kanwischer).

Ein schneller Blick in das „OFB Stawiszyn“ war zunächst erfolglos, aber mir fehlt schlicht die genauere Ortskenntnis, um zu erkennen, welche Ortschaften, Kolonien etc. mit „Stawiszyn“ erfasst sind.

Durch den „Anschub“ von der AGoFF Seite war es nicht schwierig, in den Einträgen der
„11/754/0 Akta stanu cywilnego Parafii Ewangelicko-Augsburskiej w Stawiszynie (1809-1922)“
die Hochzeit der beiden zu finden:

1853 #23, Mycielin
Kristian KANWISCHER, 21 J., Religionslehrer, Kolonie Mycielin, geboren in der Kol. Zamety,
seine Eltern waren Friedrich und Ehefrau Luise, geborene Neumann aus der Kol. Zamety,
die Braut war Luise GEISLER, 17 J., aus der Kolonie Piskory,

Von fünf Kindern, geboren ab 1855 bis 1864, die auf der Meldekarte aufgeführt sind, lassen sich vier in den Kirchenbüchern nachweisen, die Tochter Karoline ist mit dem Geburtsdatum 13. Dez.1857 nicht zu finden,
(eine Karoline vom 5./17. Dez. 1857 ist die Tochter von Edward Karwiese und Dorothea geb. Lausch oder
früher im gleichen Jahr #79 die Tochter von David Karwise/Kanwise und Karoline geb. Lange).

Ich halte es für möglich, dass im Haushalt des Kantors auch verwaiste Kinder aus der erweiterten Familie gelebt haben könnten.

Kristian Kanwischers Eltern, den Friedrich Kanwischer und seine Frau Luise geb. Neumann, fand ich nach systematischem Durchsuchen der Heiratsregister zurück im Jahre 1827:

1827 #15,
Friedrich KANWISCHER, 20 J, geboren in der Kol. Zamenty, Gemeinde Drieszbin,
seine Eltern waren Johann Woyciech Kanwischer und Ehefrau Anna Maria Barminski aus der gleichen Kolonie,
die Braut war Anna Elisabeth NAYMANN / Neumann, 19 J. aus der gleichen Kolonie.

Hier kommt ein Problem auf:
die Braut ist hier mit den Vornamen Anna Elisabeth verzeichnet, bei allen nachfolgenden Geburtseinträgen,
ich habe insgesamt 10 Geburtseinträge von 1829 bis einschl. 1850 gefunden, wird die Mutter mit Luise angegeben! (ich habe aus Zeitgründen die Geburtseinträge nur bis einschl.1850 ausgewertet).
Denkbar wäre ein früher Sterbefall der Mutter und die rasche Ehe mit einer Schwester, aber hier für fehlt ein weiterer Heiratseintrag.

Eine weitere Unklarheit ist der Geburtsname der Mutter von Friedrich Kanwischer:
hier Barminski, 1828 bei der Geburt vom Sohn August Warminski, 1836 bei der Heirat des Sohnes Kristian hieß sie Barminski, 1838 beim Tode ihres Mannes (hier Georg) wieder Warminski und 1841 bei der Heirat des Sohnes Gottfried wieder Barminski, aber in allen hier genannten Fällen wurde als Vater Jan Wojciech, Jan, George oder Jan Jerzey eingetragen.
Einen Sterbeeintrag konnte ich bisher nicht finden, lt. OFB starb sie im Juni 1852 in der Kolonie Zamety.

Im Zeitraum bis 1866 sind weitere Heiratsfälle sowohl von Georg/Woyciech oo Marianne Kanwischer Kindern als auch von Friedrich oo Luise Kannwischer Kindern in den Büchern.
Mangels Russisch-Kenntnissen endete die Reise für mich mit dem Jahr 1868 und eigentlich suche ich doch den Weg in die Vergangenheit vor 1800…

Über alles betrachtet, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass im betrachteten Zeitraum mit einer Ausnahme alle KANWISCHER in der Kolonie Zamenty von Georg Kanwischer und seiner Frau Marianne Barminski/Warminski abstammen.
Die erwähnte Ausnahme ist die Heirat 1859 #23 des Gottlieb Kanwischers, 60 J. und verwitwet, aus der Kolonie Alexandrów, geboren in Neu Tomysl.

Über weitere Tipps würde ich mich freuen.

Viele Grüße
Manfred

Hallo Manfred,

die Suche OFB Stawiszyn war deshalb erfolglos, weil ich nur die Kirchenbücher ab 1874 zur Verfügung hatte. Inzwischen sind auch die Bücher ab 1809 online und ich bin bei 1854 angelangt. Den Namen habe ich in Kannwischer formalisiert. In Zagórów taucht auch die Schreibweise Kannenwischer auf. Es gibt die Vermutung, dass der Name aus Schlesien stammt. Ein Kannwischer (Kannenkraut/Zinnkraut= Schachtelhalm) wurde zum Polieren von Zinngefäßen benutzt und soll eine scherzhafte Bezeichnung für einen kleinwüchsigen Menschen sein. Vor einiger Zeit fand ich andere Interpretation. Danach soll es sich um eine eingedeutschte Variante der slawischen Berufsbezeichnung „konvisarz“ (Zinngießer) handeln. So ließe sich die Schreibweise mit einem N erklären.

Luise wird oft als Abkürzung für Elisabeth benutzt, obwohl es sich um die weibliche Form von Ludwig ( Louis - Louise) handelt. Ludwiga und Ludwika machen die Verwirrung komplett.

Der Name Barminski taucht immer wieder auch als Warminski auf. Im Russischen wird zwar der Buchstabe B als W ausgesprochen, aber Warminski erscheint vor der russischen Zeit.

Da mein Stammbaumprogramm mit familysearch verknüpft ist, lade ich die von mir erfassten Daten kontinuierlich dort hoch.

Johann Georg Kannwischer findest Du hier: https://www.familysearch.org/de/tree/person/details/G8LF-CXY

Da die ersten Kirchenbücher von Stawiszyn vermutlich zerstört sind, werden wir den Ursprung der Familie wahrscheinlich nicht herausfinden können.

Grüße aus Solingen

Edelgard

Hallo Manfred,

laut Heiratseintrag war die Ehefrau katholisch. Ich vermute also, dass du ihren Sterbeeintrag in einem kath. KB findest.

kath. KB Kosmów, Nr. 13/1804, Film 2003389, Bild 112

In Kosmów sind auch noch Taufeinträge zum Namen Kanwischer zu finden.

Im benachbarten Kirchspiel Prazuchy gibt es noch eine große Häufung von Einträgen zum Namen Kanwischer. Dort solltest du mal nachschauen.

Da wäre z.B. dieses Ehepaar:

Christoph Kanwiszer, *err. 1745, +17.07.1831 in Stary Ceków (Nr. 26/1831)
oo
Regina Teubner, *err. 1743, +06.03.1845 in Stary Ceków (Nr. 16/1845)

1845 leben noch diese Kinder:
Christian
Samuel?
Gottlieb
Anna Rosina
Dorothea Elisabeth

Leider hat es der Pfarrer in Prazuchy nicht für notwendig empfunden Geburtsorte und dergleichen zu vermerken…

Das könnten vom Alter her doch die Eltern von Johann Georg Kanwischer (oo Anna Maria Warminski) sein.

Viele Grüße
Kai

Hallo Edelgard, hallo Kai,
vielen Dank euch beiden!

Damit ist eine weitere Frage beantwortet, die nach der Quelle zur Heirat 1804 zwischen Georg Kanwischer und Marianne Warmiski/a, wie im OFB eingetragen.
Ich hatte gerade eine Suche bei Szukajwarchiwach.gov.pl nach Urkunden zu Kosmów begonnen …

Das errechnete Alter des Bräutigams mit 1776 im katholischen Eintrag passt recht gut zur Altersangabe im Sterbeeintrag und ich werde mich gleich mal auf die Suche nach dem Sterbeeintrag seiner Frau machen.

Prazuchy hatte ich bereits vor Jahren durchgesehen und wenn ich mich recht erinnere, waren die recht zahlreichen Kanwischer durchweg im gleichen Zeitraum 1830/40+ wie die nachgewiesenen Vorfahren meiner Großmutter zwischen Pawlikowize / Mühle Biesaga und Tomaszów Maz., also Gottfried / Ludwig / Julius.
Heute interessiert mich natürlich auch, welche von denen in Prazuchy sich bis Neu Tomysl zurück verfolgen lassen.

@Edelgard_Strobel1

Die erste Erklärung zur Herkunft des Namens, das Polieren der Zinngefäße war mir auch untergekommen, aber die zweite Erklärung mit der slawischen Bezeichnung der Zinngießer ist mir neu und gefällt mir ausnehmend gut und es passt dazu auch zu einigen polnischen „Verballhorungen“ des Namens wie z.B. Konfisz oder Konviz u.ä.
Ich verstehe Deinen Verweis auf den Link zu familysearch.org so, dass dort die aktuellste Entwicklung zu finden ist und das OFB nicht zwingend auf dem gleichen Stand ist, richtig?

Zum Verbleib des 1832 geborenen Kristian Kannwischer, Kaplan in Mycielin, kann ich den „20.3.1898 in Gabruwka“ beisteuern, seine Ehefrau soll 1899 ebenda verstorben sein, Quelle ist die besagte Vorfahrentafel aus einem Westpreussen Fundus. Es gibt auch einen Hinweis auf den 1. Sohn August und eine Tochter Ottilie aus seiner Ehe.
Da die Tafel im geschlossenen AGoFF Forum umlief, will ich erst einmal dort nachfragen, inwiefern möglicherweise die gesamte Tafel als solche hier verwendet werden könnte.

Viele Grüße an euch beide
Manfred

Hallo Manfred,

ja, die Daten auf familysearch sind die aktuellsten. Das OFB wird erst
aktualisiert, wenn ich alle Jahre erfasst habe, und das kann noch
dauern, weil das Archiv in Kalisch weitere Jahrgänge ins Netz gestellt
hat. Ich habe sogar die Geburtsurkunde meiner Mutter von 1921 gefunden!

Das Sterbeurkunde von Anna Maria Warminska, verh. Kannwischer findest Du
in kathol. Dzierzbin:

https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/skan/-/skan/b6bc746d1eb8378d497dac445312295db941f31d927e2f52f731fd4be3bd4275

Eltern waren Johann Warminski und Marianne „Fugowny“ = vermutl. Fuge

Grüße

Edelgard