Lieber Thomas,
Deine zweite Frage kann man pauschal mit Nein beantworten. Reinhard hatte
die Jahreszahl 1387 genannt, und generell setzt die Ansetzung der
Dreschg�rtnerstellen nicht die deutsche Kolonisation der jeweiligen Region
voraus.
Auf die erste Frage kann man so pauschal nur antworten, dass die
Kolonisation 1163 begann (1175 Stiftung Kloster Leubus, ab 1201
entscheidende F�rderung der Einwanderung deutscher Siedler durch Heinrich I.
von Schlesien) und sich in verschiedenen Sch�ben immer fortsetzte, bis sie
etwa Ende des 14. Jahrhunderts zu einem vorl�ufigen Stillstand kam. Durch
die Hussitenkriege 1419-1436 und durch wirtschaftliche Probleme kam es dann
zu einem Siedlungsr�ckgang.
Man muss aber nach den einzelnen Regionen Niederschlesiens differenzieren,
wenn man den Zeitpunkt der l�ndlichen deutschen Besiedlung festlegen will.
W�hrend die St�dte auch im �stlichen Niederschlesien alle schon von der
mittelalterlichen Kolonisation erfasst worden waren, wurden die D�rfer
�stlich von Oels vielfach erst sp�ter deutsch besiedelt. In der uns
interessierenden Region Neumittelwalde setzte der entscheidende
Siedlungsschub erst im achtzehnten Jahrhundert ein. F�r diese Region muss
man Deine Frage so beantworten, dass eine verst�rkte Ansiedlung von Sachsen,
Hessen, W�rttembergern und Tschechen durch Friedrich den Gro�en schon ab
1742 erfolgte. �ber diese Siedlung m�ssten im Archiv mehrere Mails z.B. von
G�nter B�hm aus Hilden, aber auch von mir zu finden sein. Hier aber noch
einige Zitate dazu:
"[...] Neumittelwalde [kam] mit dem Herzogtum Oels an die s�ddeutschen
W�rttemberger, unter denen der letzte m�nnliche Erbe, Karl Christian
Erdmann, f�r die Herrschaft von gr��ter Bedeutung wurde. Er trat sein Erbe
1744 an und folgte als Zeitgenosse Friedrichs des Gro�en den
wirtschaftlichen Pl�nen des k�niglichen Volkswirts, als er auf seinen G�tern
mehrere neue Siedlungen oder Kolonien anlegte. In seiner Zeit wurde auch die
herzogliche Verwaltung der Oels-Braunschweigischen G�ter so von den
merkantilistischen Vorstellungen vom Nutzen einer Bev�lkerungsvermehrung
erfasst, dass sie in der zweiten H�lfte des 18. Jahrhunderts den
friderizianischen Siedlungsgedanken aufnahm und vier neue D�rfer begr�ndete:
Erdmannsberg, Friederikenau, Mariendorf und Wielgy mit zusammen 72 G�rtner-
und 4 H�uslerstellen."
(aus dem Heftchen: Aus der Entwicklung von Neumittelwalde von Herbert
Schlenger, S. 9)
"Und trotzdem ist die Welle, die mit dem Anbruch der preu�ischen Zeit 1740
�ber Schlesien brauste, nicht achtlos an Neumittelwalde vor�bergerauscht. Im
Gegenteil, ein lebendes Denkmal hat sich der K�nig in den Weinbergen, die im
S�den und Norden die Stadt �berragen, gesetzt. Sie wurden f�r Neumittelwalde
das Symbol der friderizianischen Zeit und ihres Staates. Neue B�rger aus
S�ddeutschland wanderten in gr��erer Zahl zu, und das, was der Stadt
vielleicht im Mittelalter noch nicht in diesem Ma�e verg�nnt war, wird ihr
nun zuteil: Sie kann als rechte ostdeutsche Grenzstadt F�den famili�rer
Bande kn�pfen zu den altdeutschen Siedlungsgebieten westlich der Elbe und
s�dlich des Mains. [...] Am 3. Januar 1743 schloss er [Johann Jakob Lutz]
als B�rgermeister unter dem Beistand von Johann Gottfried Schreiner mit dem
Grundherrn von Ober- und Nieder Ossen, Karl Wilhelm von Koschembar, einen
pers�nlichen Kaufvertrag �ber ein an der Kraschener Grenze stehendes Haus
samt dem zwischen dem sog. Karls- und K�tzelberg gelegenen Acker ab, der
Lutz und seinen Erben f�r 130 Reichstaler �berlassen wird.[...] Die Reben
wurden gepflanzt, und bereits am 25. Oktober 1745 konnte mit Glockengel�ut
und frohem Lied die erste feierliche Weinlese gehalten werden. [...] Unter
den bis zu diesem Jahre [Gr�ndung eines Zusammenschlusses der Weinbauern
1755] neu zugewanderten Weing�rtnern finden sich Namen alteingesessener
Stadtb�rger, wie Weiniger, Krau�, Dittrich, Maurer, Frey, die aus der Gegend
von Ottmarsheim, Northeim, Liebenstein und L�blingen im heutigen W�rttemberg
gekommen sind."
(aus dem Heftchen: Aus der Entwicklung von Neumittelwalde von Herbert
Schlenger, S. 21)
"Gleichzeitig mit den schw�bischen Kolonisten in Neumittelwalde entstanden
in seiner weiteren Umgebung durch die Initiative der Gutsherren und
gef�rdert durch staatliche Beihilfe zahlreiche Kolonien, wie Charlottenfeld,
Wegersdorf, K�nigswille u.a. Sie alle waren schon an ihrer Namensgebung,
aber auch in ihrer Anlage als Gr�ndungen des 18. Jahrhunderts zu erkennen."
(aus dem Heftchen: Aus der Entwicklung von Neumittelwalde von Herbert
Schlenger, S. 24)
"Um eine Zunahme der Bev�lkerung, eine Vermehrung der Eink�nfte und Dienste
zu bewirken, verlangte der K�nig, dass gr��ere G�ter und Vorwerke zerst�ckt
und mit Wirten eingent�mlich oder erbpachtig besetzt w�rden, wie er in
diesem Sinne bereits selbst w�hrend der Sequestration der Standesherrschaft
mit seinem Beispiel vorangegangen war, indem er die Kammerg�ter Tschermin
und M�rzdorf zerst�cken und an Kolonisten hatte austun lassen. [...] [Die
Beh�rden ermunterten] immer und immer wieder die Grundherrschaften zur
Anlage neuer Kolonien und zahlten sogar f�r jede Stelle, die neu errichtet
und mit dem erforderlichen Lande versehen war, eine Beihilfe von 150
Reichstalern. So entstand im Kreise damals eine ganze Anzahl von Kolonien,
die meist nach ihren Anlegern oder deren Familienangeh�rigen benannt
wurden."
(aus: Geschichte der freien Standesherrschaft, der Stadt und des
landr�tlichen Kreises Gro� Wartenberg von Joseph Franzkowski)
Friedrich der Gro�e hat sich bem�ht, niemals Menschen anzusiedeln, die aus
anderen preussischen Gebieten kamen, z.B. aus Brandenburg oder Pommern, da
es sein Ziel war, �berall gleicherma�en die Bev�lkerungsentwicklung zu
f�rdern. Deshalb kamen au�er Zuwanderern aus Mittel- und Westdeutschland,
die Eisenh�tten- und Glash�ttenarbeiter- sowie Holzf�llersiedlungen
anlegten, vor allem Protestanten aus �sterreichisch-Schlesien und aus
B�hmen. Diese Siedlungen wurden bereits in den 40er Jahren angelegt.
Ganz anders ist es mit der Siedlung im angrenzenden Posen in den Kreisen
Adelnau und Ostrowo, die so richtig erst um 1770 einsetzt.
Viele Gr��e von Peter Ebenfeld