Der Umzug, der sein musste

Originally published at: Der Umzug, der sein musste • Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)

Wie CompGen mit einem Kraftakt seine digitale Heimat rettete – und warum der Verein jetzt auf Spenden angewiesen ist

Eine Kündigungsfrist von sieben Monaten, gut ein Dutzend digitale Dienste und zwei Vereinsmitglieder, die praktisch ein Jahr lang ihre Freizeit dafür geopfert haben: So lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen, was der Verein für Computergenealogie (CompGen) in den vergangenen zwölf Monaten durchgestanden hat. Betroffen waren viele Bereiche, auf die täglich tausende Familienforscherinnen und -forscher zugreifen: die Mailinglisten, Discourse, genealogische Datenbanken wie GEDBAS und GenWiki, dazu die internen Dateispeicher und für unsere Softwareentwicklung wichtige Dienste. Alle mussten in kürzester Zeit auf eine neue technische Grundlage gestellt werden. Inzwischen ist der Umzug abgeschlossen. Doch er war teuer, und die Arbeit ist noch nicht zu Ende.

Der Auslöser: eine Kündigung mit Ansage

Anfang Dezember 2025 kündigte der Bremer Anbieter Briteline das Hosting der vereinseigenen Server – von unserer Gründergeneration in den Nullerjahren u. a. Mars, Neptun und Uranus getauft – zum 30. Juni 2026. Unser Vertrag mit Briteline war günstig, aber diese Form von Server-Hosting, also quasi Untermiete mit eigenen Geräten in einem Rechenzentrum ohne Support, hat sich überlebt. Über die langjährige enge Zusammenarbeit mit Briteline hat der CompGen-Blog erst kürzlich in einem eigenen Rückblick berichtet. Schon seit Mitte 2024 war den Verantwortlichen klar, dass die über Jahre gewachsene, zunehmend unübersichtliche Serverlandschaft irgendwann konsolidiert werden musste – schon weil wir sie nicht mit den wenigen Freiwilligen betreuen können. Angepackt wurde im August 2025 zunächst der Umzug der Mailinglisten auf ein aktuelles Mailman-System.

Ein Jahr im Ausnahmezustand

Am Ende fiel die Entscheidung schnell: Alle Dienste sollten zur Genossenschaft Hostsharing umziehen, die für CompGen bereits seit Jahren die Webseite sowie die Discourse-Software betreut. Was folgte, war ein Marathon mit mindestens wöchentlichen Arbeitstreffen. Im Winter zogen unter anderem der Mail-Server und weitere Kernsysteme um, im Frühjahr 2026 folgten die genealogische Datenbank GEDBAS und sämtliche virtuellen Server, bis im Juni schließlich auch der zentrale Datenspeicher seinen neuen Platz fand. Die Hauptlast trugen dabei auf Seiten des Vereins zwei Aktive: Robert Päßler, der 2. Vorsitzende und IT-Verantwortliche, sowie Bernhard Mosolf, IT-Sekretariat.

Eine vereinfachte Chronologie der Tätigkeiten:

  • November 2025
    • Einrichtung der erforderlichen Zugänge
    • Technische Betrachtung der umzuziehenden virtuellen Maschinen
    • Erstellung einer Übersicht der zu migrierenden Systeme
    • Migration ausgewählter Mailinglisten
  • Dezember 2025
    • Erkundungen und Dokumentation der Systeme
    • Analyse kritischer Systeme, wie NAS
    • Umzug von Mastodon
    • Umzug des Mail-Servers
  • Januar 2026
    • Vorstellung der Strategie des vollständigen Umzuges, der durch die Kündigung von Briteline kurzfristig notwendig geworden war
    • Einarbeitung in das Admin-Portal von Hostsharing, etwa zur Einrichtung von Subdomains oder E-Mail-Adressen
    • Umzug von Matomo
    • Umzug von GitLab
    • Umzug von LimeSurvey
    • Abstimmungen mit WeChange zum Umzug des LDAP-Systems
  • Februar 2026
    • Anbindung von GitRaw und GitLab Runner
    • Analyse des Spam-Aufkommens
    • Untersuchung der Benutzerverwaltung des Forums
    • Vorbereitungen des HDD-Speichers
    • Bereitstellung eines Server für das GenWiki
    • Umzug von Wekan
    • Sicherung aller virtuellen Maschinen
  • März 2026
    • Umzug der Etherpads
    • Umzug von GEDBAS
    • Umzug aller virtueller Maschinen
  • April 2026
    • Umzug des LDAP-Systems
    • Umzug des “files”-Servers
  • Mai 2026
    • Umzug des “web”-Servers
  • Juni 2026
    • Umzug des NAS
    • Sicherung der übrigen Daten

Was der Umzug wirklich gekostet hat

Zwischen September 2025 und August 2026 fielen außerdem bei den Profis von Hostsharing rund 400 Arbeitsstunden allein für den Umzug an. Dieser hat den Verein demnach rund 64.000 Euro gekostet. Künftig sollen die laufenden Kosten bei etwa 1.500 Euro monatlich beziehungsweise 18.000 Euro im Jahr liegen. Zum Vergleich: Bei Briteline betrugen die jährlichen Betriebskosten rund 10.000 Euro, allerdings ganz ohne Support und ohne die Sicherheit, die der Verein jetzt gewonnen hat.

Teuer, aber überfällig

Dass die Reorganisation ins Geld ging, hatte einen einfachen Grund: Die Arbeitsgruppe musste sich das nötige Wissen über die gewachsene, komplexe Systemlandschaft erst Schritt für Schritt erarbeiten. Der Aufwand hat sich gelohnt, auch wenn andere wichtige Vorhaben wie die Überarbeitung des GenWiki deshalb 2026 zurückgestellt werden mussten: Dienste, die früher von Ehrenamtlichen nebenbei am Laufen gehalten wurden, werden jetzt professionell gewartet. CompGen betreibt seine Angebote nicht mehr auf eigener, alternder Hardware, und der Verein verfügt endlich auch über ein lange gewünschtes Konzept für den Ernstfall – ein sogenanntes Desaster-Recovery-Konzept, das im Falle eines technischen Totalausfalls schnelle Wiederherstellung ermöglicht.

Die Arbeit ist nicht vorbei – und hier kommen Sie ins Spiel

So erfreulich der neue, stabile Zustand ist: Die Liste der zu erledigenden Aufgaben bleibt lang. Die bei Hostsharing gespeicherten Daten gilt es noch zu bereinigen, damit länger ungenutzte Datenbestände oder Doubletten nicht unnötig einem Backup unterliegen. Der Zugang zu den Datenbeständen muss besser organisiert werden, außerdem warten veraltete Dienste wie GitLab auf ihre Aktualisierung. Ferner sollen IONOS und Strato abgelöst und somit zwei weitere getrennte Administrationsbereiche beseitigt werden. Schließlich steht die engere Verzahnung mit dem zum Jahresende 2026 online gehenden Genealogienetz-Portal an. All das braucht nicht nur Zeit, sondern auch die weitere Unterstützung externer Partner wie Hostsharing – und damit Geld, das im Haushalt der kommenden Jahre erst noch eingeplant werden muss.

Genau deshalb bittet CompGen jetzt um Ihre Unterstützung. Der Verein stellt seine umfangreichen genealogischen Datenbanken, sein Wiki und sein Discourse allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung. Finanziert wird all das ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wer die technische Stabilität, die in diesem Jahr so hart erarbeitet wurde, langfristig sichern möchte, kann dies mit einer Spende tun. Möglich ist das bequem per SEPA-Lastschrift, per Kreditkarte oder per Überweisung auf das Vereinskonto. Da CompGen als gemeinnützig anerkannt ist, lässt sich jede Spende steuerlich geltend machen.

Jeder Beitrag hilft mit, auch jene Dienste zukunftssicher zu machen, die bislang noch nicht regelmäßig gepflegt werden können – damit die digitale Heimat der deutschen Familienforschung auch in den kommenden Jahren zuverlässig online bleibt.

Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)

Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)

CompGen – offen, vernetzt, geschichtsbegeistert!
WordPress im Fediverse – Bloggen ohne Grenzen – Reichweite ohne Ende!

2.424 Beiträge
348 Folgende

Folge Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)



Mein Profil

Gib mein Profil in das Suchfeld deiner bevorzugten Open-Social-App oder -Plattform ein.

Mein Fediverse-Handle


Kopieren

Dein Profil

Oder wenn du dein eigenes Profil kennst, können wir damit loslegen!

Warum muss ich mein Profil eingeben?

Diese Website ist Teil des ⁂ Open Social Web, einem Netzwerk miteinander verbundener sozialer Plattformen (wie beispielsweise Mastodon, Pixelfed, Friendica und andere). Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Medien befindet sich dein Profil auf einer Plattform deiner Wahl, und du kannst mit Menschen auf verschiedenen Plattformen interagieren.

Wenn du dein Profil eingibst, können wir an dein Profil senden, wo du diese Aktion abschließen kannst.


Dein Fediverse-Profil


Folgen
Wird geladen …

License ImageRepublish

3 „Gefällt mir“