Salü,
voriges Jahr hielt ich einen Vortrag in Schloß Dhaun mit dem Titel "Irrwege
der Genealogie". Im Anschluß daran kam eine Zuhörerin zu mir und meinte,
"Irrwege" sei wohl nicht ganz der passende Titel, "Schleichwege" wär wohl besser.
Was "Irrwege" sind, habe ich mittlerweile auch erfahren, als ich begann, im
nachstehend genannten Buch zu lesen, das ich Ihnen daher nicht vorenthalten
will.
"Das Reichssippenamt. Eine Institution nationalsozialistischer Rassenpolitik
Diana Schulle
ISBN 3-89722-672-3
380 Seiten, Erscheinungsjahr: 2001
Preis: 40.50 Eur
Zusammenfassung:
Kaum eine rassenpolitisch tätige Organisation fand bislang bei der
Erforschung des Nationalsozialismus so wenig Aufmerksamkeit wie das "Reichssippenamt".
Ältere erinnern sich, dass es einen "Ahnenpass" gab, in dem man seine
"arische Herkunft" bestätigt bekam, wenn man die entsprechenden Unterlagen
vorgelegt hatte. Doch was tun, wenn man diese Unterlagen und Urkunden nicht hatte?
Wer war dafür zuständig? Erstmals wird in diesem Buch näher untersucht, welchen
Beitrag Standesbeamte und Genealogen zur Rassenpolitik der
Nationalsozialisten und damit zur Massenvernichtung der Juden geleistet haben.
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Biologisierung der Genealogie, Archiv für berufsständische Rassenstatistik,
Die NS-Auskunft bei der Reichsleitung der NSDAP, Der Sachverständige für
Rassenforschung beim Reichsministerium, Die Reichsstelle für Sippenforschung,
Zusammenarbeit mit Sippenforschern, Kirchenbehörden und Standesbeamten, Das
Reichssippenamt
"
Ich bin noch nicht über die erste Hälfte hinaus, aber mich hats schon ein
paar mal ganz bös gekruselt. Wenn ich mir vorstelle, wofür bei uns damals der
gute Herr Nossem, seines Zeichens Lehrer auf einem örtlichen Gymnasium, mit
seinen Schülern genealogische Daten gesammelt haben mag, dann kommt mir
nachträglich noch das Schaudern. Vor allem, wenn ich bedenke, daß ich die
Datensammlung schon des öftern zu meinen Recherchen zu Rate gezogen habe.
Die andere Frage ist natürlich: Soll ich deshalb die Daten ignorieren, weil
sie ggf. für einen finsteren Zweck "mißbraucht" worden waren oder ggf. dazu
hätten mißbraucht werden können?
Mit freundlichen Grüßen
Roland Geiger, St. Wendel