Das Blutgericht Fortsetzung

Nun denke man sich diese Not
Und Elend dieser Armen,
Zu Hause oft kein Bissen Brot.
Ist das nicht zum Erbarmen?

Erbarmen ha! Ein schön Gefühl,
Euch Kannibalen fremde,
Ein jedes kennt schon euer Ziel,`s ist der Armen Haut und Hemde.

O euer Geld und euer Gut
das wird dereinst vergehen
Wie Butter an der Sonne Glut.
Wie wird`s dann um euch stehen?

Wenn ihr dereinst nach dieser Zeit,
Nach eurem Freudenleben
Dort, dort in jener Ewigkeit
Sollt Rechenschaft abgeben.

Doch ha ! Sie glauben keinen Gott
Und weder Höll`noch Himmel,
Religion ist nur ihr Spott,
Hält sich ans Weltgetümmel.

Ihr fangt stets an zu jeder Zeit
Den Lohn herabzubringen,
Und andre Schurken sind bereit
Eurem Beispiel nachzuringen.

Von euch wird für ein Lumpengeld
Die Ware hingeschmissen,
Was euch dann zum Gewinne fällt,
Wird Armen abgerissen

Sind ja noch welche, die der Schmerz
Der Armen laut beweget,
In deren Busen noch ein Herz
Voll Mitgefühl schläget.

Die müssen von der Zeit gedrängt,
Auch in das Gleis einlenken
Und eurem Beispiel eingedenk,
Sich in jedem Lohn einschränken.

Ich frage, wem ist´s wohl bekann,
Wer sah vor zwanzig Jahren
Den übermütigen Fabrikant
In Staatskarossen fahren?

Wer traf wohl da Hauslehrer an
Bei einem Fabrikanten,
In Livreeen Kutscher angethan,Domestiken, Gouvernanten?

Dieses " Das Blutgericht " betitelte Weberlied schildert voll Ingrimm die
fürchterliche Not und geißelt die Härte der Fabrikanten; es übte eine um so
größere Wirkung aus, als es nach einer ganz volkstümlichen Melodie: " Es liegt
ein Schloß in Österreich " gesungen wurde.
Wir teilen es unter Weglassung der Strophen, welche die Namen der Fabrikanten
enthalten, hier mit." Auszug aus dem Artikel" Es handelt sich um die Orte
Langenbielau und Peterswaldau wo am 3. Juni 1844 ein Haufe Weber unter Absingen
des Blutgerichtes vor Zwanzigers Fabrik in Peterswaldau vorbeizog, heute würde
man sagen demonstrierten.

MfG
Walter Noebe
http://www.wnoebe.de