Hallo,
weiß vielleicht jemand ob und wo es Abbildungen von der um 1790 erbauten evangelischen Kirche Christburg gibt. Existiert die Kirche noch? Desweiteren suche ich jegliche Informationen über einen ehemaligen ev. Friedhof (Begräbnisplatz), der sich im westlich nur wenige Kilometer entferneten Tiefensee befunden hat. Was befindet sich dort heute?
Ich kann zwar kein Polnisch, aber mit Open-Street-Map ist es wohl relativ einfach, beide Fragen zu überprüfen.
Der Friedhof heißt heute wohl cmentarz ewangelicki und befindet sich (wie schon immer?) an der Straße „Juliusza Slowackiego“, welche nach Morainen führt.
Die Kirche steht in einem großen Park und dürfte heute Kosciol pw. Trojcy Przenajswietszej heißen. Die straße heißt Kirchenstraße (poln. Koscielna).
Über Google street view sieht man, dass der Friedhof offensichtlich aufgelassen ist und heute nur noch ein Park ist. Die Kirche ist nach wie vor eine Kirche und hat einen viereckigen Kirchturm, steht in Ost-West-Richtung, der Turm im Westen.
Es sind wohl über das Ortsarchiv noch weitere Infos und auch Fotos zu finden.
Ich hoffe, es hilft ein wenig.
Einen schönen Abend wünscht nebst allzeit viel Forschererfolg
Ich denke das Sie wahrscheinlich ein anderes Tiefensee meinen. „Mein“ Tiefensee liegt etwa 7 km südwestlich der Stadt Christburg in Westpreussen, heißt inzwischen Tywezy. Direkt nördlich davon befindet sich der kleine Ort Blonacken, heute pl. Blunaki. Ich denke das optisch heute dort an den Friedhof in Tiefensee nichts mehr erinnert! Ein Hinweischild hat es vor einigen Jahren an der Straße allerdings noch gegeben. Wenn es dort früher steinerne Denkmale gegeben hat, dann sind diese wahrscheinlich auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr auffindbar.
Vielleicht kann jemand der Listenteilnehmer berichten wie dort in der ländlichen Region inzwischen mit den alten Friedhöfen umgegangen wird. Als ich 1984 auf dem alten damals Dschungel artig überwucherten ev. Dorfkirchhof in Stalle (Stalewo ) gewesen war, lagen zahlreiche alte Steine unleserlich auf die Inschriftenseite gestürzt auf dem Boden. Heute kaum zu glauben, man hat mir damals das Fotografieren der Steine dort nicht erlaubt.
Entschuldigung, aber es ist doch mehr als unwahrscheinlich.,dass ein Friedhof 7 km von der Kirche entfernt liegt.
Woher stammt denn Ihre Kenntnis, dass der Friedhof der evangelischen Kirche in Christburg in Tiefensee gelegen haben soll?
Und genau daher weise ich auf meine obigen Ausführungen. Denn nur wenige hundert Meter neben der evangelischen Kirche von Christburg liegt deren ehemaliger Friedhof. Ich bitte nochmal meinen obigen Ausführungen zu sichten, auch mit Google Maps zu überprüfen.
Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Wochenende
freue mich das Ihnen die Sache noch Gedanken bereitet, zeigt es doch das Sie die Sache mit sehr viel Akribie angehen. Ich gehe nicht davon aus das der ev. Friedhof von Christburg in Tiefensee gewesen war, sondern das es in Tiefensee auch einen ev. Friedhof gegeben hat.
Verschiedentlich wird in alter Literatur, die ich Ihnen bei Gelegenheit selbstverständlich gerne nennen werde, von einer ehemals in Tiefensee existierenden Kirche geschrieben. Wenn Sie das Messtischblatt von Tiefesee betrachten, dann erkennen Sie das sich in der Dorfmitte zwischen zwei parallel verlaufenden Straßen ein Dorfanger befand. Darauf wird sich eine (kleine?) Kirche oder Kapelle, sowie auch der Friedhof befunden haben. Wenn die bei Google Stree View die Straße von Christburg in Richtung Tiefensee verfolgen, stoßen Sie im Ort Tiefensee neben der Straße ebenfalls auf ein Hinweisschild Friedhof. Übriegns ist es keineswegs unüblich das kleinere Wohnplätze zwar einen Friedhof, aber keine eigene Kirche besitzen.
Ich könnte mir gut vorstellen das Polnische Ärchäologen an dem Platz in den vergangenen Jahren bereits Untersuchungen vorgenommen haben.
Als vorerst nur eine meiner Quellen sei genannt:
KB Christburg ev., (Taufen, Heiraten, Tote) 1671 - 1837, Seite 316, Nr. 29
Den 29. April ist Martin Fleischhauer Bauer aus Tiefensee 65 Jahre alt, so altershalber gestorben, daselbst begraben worden.
Wo genau sehen sie via streetview einen Hinweis auf den Friedhof?
Es gibt diese kleine Gedenkstätte am Dorf Eingang von Christburg kommend aber mehr finde ich nicht.
Die Karten im Kartenforum sind nicht besonders klar ob es an der von Ihnen beschriebenen Stelle wirklich ein Friedhof war.
Es gibt noch ein polnisches Forum wo über einen Friedhof spekuliert wird aber nicht abschließend geklärt ob es den wirklich gab.
zunächst habe ich ein wohl recht neues, sehr schönes Drohnen-Video eines Krzysztof Skotnicki gefunden. Alles recht friedlich. Das fragliche Gelände ca. bei 2:14 und 3:06 min gut erkennbar. Das Video ist leicht zu finden.
Tywezy, Poland - by drone .
Gibt es denn ältere Karten als von 1895 (3 Friedhofskreuze)?
Eine Idee wäre, kostenpflichtig über das Grundbuch zu gehen. Die genaue Grundstücksbezeichnung ist eigentlich kein Problem. Die Grundstückshistorie könnte Auskunft über die Eigentums- bzw. Nutzungsverhätnisse geben.
Hallo Bodo,
vielen Dank! Werde mir das Video im Laufe des Nachmittags ansehen.
Zu den ev. Friedhöfen in und bei Christburg.
1892 gab es in Christburg 3 Begräbnisplätze in ev. Eigentum.
Der alte Friedhof am Pröckelwitzer Weg, Entstehungzeit unbekannt
Der Bergfriedhof am Ende der Stanauer Straße, 1831 entstanden.
Der neue Friedhof am Stanauer Bergwege, ab 1887
Ländliche evangelische Begräbnisplätze waren 1792(?) noch vorhanden in:
Baumgart
Czewskawolla
Tiefensee
Ankemitt, zuständig für Ankemitt, Kuxen, Lautensee, Litesken und Polixen.
Alle anderen ländlichen Ortschaften bestatteten ihr Toten auf den ev. Friedhöfen in / bei Christburg.
Am 18. September wird die Ehefrau von Martin Fleisch(h)auer, Elisabteth (Eva?) Jochimorona im Alter von 63 Jahren bestattet. (Ihre Herkunft ist nach wie vor unbekannt?)
Eintrag im ev. KB Christburg 1773, Seite 313, Nr. 36
Den 18. September hat Martin Fleischauer, ein Bauer aus Tiefensee, seine 63 Jahr alt und an der Wassersucht gestorbene Ehegattin in Tiefensee begraben lassen.
Die Drohnenaufnahmen sind super! Die bei 3.06 zu sehenden Bilder am südlichen Ende des Dorfangers zwischen den beiden parallel verlaufenen Straßen hatte ich als damaligen Begräbnisplatz auch ausgemacht. Toll!e Aufnahmen die meine Vermutung bestätigen! Vielleicht gibt es sogar noch Fotos von alten dort aufgefundenen Grabsteinen!
Tiefensee, schon 1354 Tiefensee, im 15. Jahrhundert Tiffensee und Tyffensee, 1659 Tywezy, 1764 Tywezy.
Das Dorf war 1354 auf Culm. Recht fundirt (Urkunde d. d. 1354 am Tage St. Georgi im Königsb. St.-Arch. Handfesten buch No. 10. 11).
Der Name kommt wohl von dem Felde Globin, auf welchem es angelegt ist (Globin ~ Glembin von gleboki tief)-
1437 hatte Tiefensee 38 Hufen, davon Niclos v. Coyten 7 und der Schulze 3 besass. Zinsen thaten 29 Hufen, von denen 4 wüst lagen. Der Krug zinste von 2 Hufen je eine Mark; die eine der beiden Jag jedoch wüst. Es wird bemerkt, dass künftig vom Uebermaass sollen 4 Mark gezinst werden.
1643 zählte man 13 Bauern. Vor dem Kriege waren auch 3 Gärtner gewesen. Jetzt war nur einer da ; der ging nach Neuhof und drasch auf den 11. Scheffel. Die Käthen der beiden andern Gärtner hatte der Starost abbrechen und beim Bierbrauen verbrennen lassen. Ein Krug war auch da, mit einem Garten vor dem Preussenkruge. Die Bauern klagten den Johannes v. Felden - Zakrzewski, Bannerführer der Woywodschaft Marienburg, Besitzer von Linken, an, dass er ihnen ein Stück Acker und 2 Hufen Wald zwischen ihrem und seinem Grunde, welcher Ort „Cozinca" genannt werde, wider rechtlich fortgenommen.
Es befand sich auch ein Lehmannsgut in Tiefensee. 1725 war dasselbe in Händen der Familie Wybicki.
1453 wird bei Tiefensee das Gut Dywons (Dybens, Dybes) genannt, das später nach Waplitz fiel.
Aus folgendem poln. Dokument (BESCHLUSS NR. XXX/459/2022
DES GEMEINDERATES IN DZIERZGON) habe ich mit DeepL eine Passage übersetzt.
In der Gemeinde gibt es 10 Friedhöfe, darunter 5 evangelische Friedhöfe (Ankamaty, Bągart, Budzisz, Tywęzy, Żuławka Sztumska), ein jüdischer Friedhof (Stanowo), 2 Friedhöfe ehemaliger Gutsbesitzer Gutsbesitzer (Jeziorno, Stanowo) und zwei kirchliche Friedhöfe (Jasna, Żuławka Sztumska). Alle sind seit 1945 geschlossen.
Für Tiefensee sind ja mindestens bis 1874 Beerdigungen nachweisbar. Grabsteine vermutlich nicht mehr da. Im Prinzip ist die Sache aber klar.
Versucht werden könnte eine Kontaktaufnahme zum Ersteller des Videos.
Danke für das Dokument! Geklärt ist jetzt jedenfalls das es in Tiefensee (Tywezy) einen ev. Friedhof, und nach meiner Erkenntnis auch einmal eine kleine Kirche gegeben hat, auch wenn die dazu notwendigen Kirchenbücher im 7 km östlich gelegenen Christburg geführt wurden. Dem polnischen Dokument nach gibt es denn ja den Friedhof in Tywezy immer noch, auch wenn dieser seit 1945 geschlossen ist.
Ich denke das evtl. vorhanden gewesene Grabsteine wie anderswo auch, vor allem in Zeiten knappen Baumaterials eine weitere sinnvolle Verwendung gefunden haben!
Im Sommer 1984 war ich bei einem Besuch in Westpreussen u.a. auf dem damals komplett zugewachsenen Friedhof von Stalle (Stalewo). Zu der Zeit lagen dort zahlreiche auf die Schriftseite umgestürzte Grabsteine von früheren Deutschen Bewohnern . Weiß vielleicht jemand wie es heute dort aussieht! Leider war das Fotografieren von Brücken, Bahnanlagen und öffentlichen Gebäuden, Friedhöfen (?) zu der Zeit nicht erlaubt, das hatte mir jedenfalls mein damaliger vielleicht etwas überängstlicher Begleiter und eine freundliche im ehemaligen Schulhaus am Friedhof wohnende Einwohnerin erklärt. Schaut man sich heute dagegen die Drohnenaufnahmen und Google Street View im Internet an, wähnt man sich fast im Paradies.