Caupo und Tabernator

Lieber Horst!

Bei dieser semantischen Frage habe ich den Online- Georges konsultiert. Der Georges ist sowas wie ein Standardwörterbuch für die Latinisten:

caupo (cōpo), ōnis, m., I) = κάπηλος (Gloss.), der Schenkwirt (der auch beherbergt und über die Straße verkauft)
Die weibliche Form davon kann übrigens copa und caupona sein.

Da "tabernator" nicht im Georges gefunden wird, müssen wir davon ausgehen, dass es ein nachklassisches Wort ist.

In Universität Hamburg, Glossar zur Geschichte der mittelalterlichen Stadt, steht:
"Dorfkrugwirt (Fretzdorf, O-Prignitz, in: Ldb. Brdbg. 1375, S. 47: Item
tabernator ibidem dat annuatim de taberna 2 lapides cepi...[und
passim]); vgl.: kretczmer, tavernarius (lat.), weerdt, wird." (gefunden auf forum.genealogy.net)

Einfach mal googeln, hilft oft :wink:

Viele Grüße aus Köln

Sarah Vielberth

"No trees were harmed in the sending of this message, but a large number of electrons were terribly inconvenienced."

Zu früh am Morgen - ich hab das Wichtigste vergessen:
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Caupo einer, der hauptsächlich seinem Beruf als Gasthauswirt nachgeht und Fremde beherbergt, während der Tabernator eher am Mittag seine Kneipe für die Gäste öffnet, eben eine Taverne, und sonst auch noch einem Zweitberuf nachgeht, zum Beispiel ein kleines Feld besitzt oder so.
Das wäre jetzt meine Art der Differenzierung.

Viele Grüße nochmals!
Sarah (Vielberth)

Hallo!
Als Ergänzung zum Georges noch der Hinweis auf dieses
(neulateinische!) Standardwerk:
http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/kirsch.html
mfg
JS

Lieber Horst!

Bei dieser semantischen Frage habe ich den Online- Georges konsultiert. Der Georges ist sowas wie ein Standardwörterbuch für die Latinisten:

caupo (cōpo), ōnis, m., I) = κάπηλος (Gloss.), der Schenkwirt (der auch beherbergt und über die Straße verkauft)
Die weibliche Form davon kann übrigens copa und caupona sein.

Da "tabernator" nicht im Georges gefunden wird, müssen wir davon ausgehen, dass es ein nachklassisches Wort ist.

In Universität Hamburg, Glossar zur Geschichte der mittelalterlichen Stadt, steht:
"Dorfkrugwirt (Fretzdorf, O-Prignitz, in: Ldb. Brdbg. 1375, S. 47: Item
tabernator ibidem dat annuatim de taberna 2 lapides cepi...[und
passim]); vgl.: kretczmer, tavernarius (lat.), weerdt, wird." (gefunden auf forum.genealogy.net)

Einfach mal googeln, hilft oft :wink:

Viele Grüße aus Köln

Sarah Vielberth

"No trees were harmed in the sending of this message, but a large number of electrons were terribly inconvenienced."

Hallo an alle Helfenden,

Vielen Dank für Eure Unterstützung.
Aufgrund der Antworten habe ich nun noch mal intensiv die mir unverständlichen Einträge durchgelesen.

1) Ich hatte einen Tippfehler in meiner Frage bzgl. VN MIRIAM. Es hätte MARIAM heißen müssen. Damit ist Maria gemeint. Zu damaliger Zeit bekamen in diesem kathol.KB alle Täuflinge ein-m an den Namen gehängt.
z.B. Andre-am; Mathi-am; Eva-m; Maria-m.

2) natürlich hatte ich im Vorfeld Auskunft im web nach den lateinischen Ausdrücken für caupo u tabernator gesucht. Nur heutiges Schullatein hilft da für die Zeit um 1730 nicht weiter. Zumal da man dort bis 1870 polnisches-katholisches-Latein schrieb. Nicht mit Schullatein zu vergleichen.
bzgl. der Gastwirte existieren lt. Einträgen 5 Identitäten und 2 dazugehörende Gattinnen in 20 Jahren. Ein Dorf mit 20-30 Erwachsenen hatte um 1730 herum wohl kaum die Notwendigkeit eines Restaurants, eines Kiosk und vielleicht noch eines Caterers für die Pausenversorgung der Tagelöhner auf dem Feld.
So muß nun der caupo u tabernator sich anders differenzieren.
Habe ein Organigramm aller 9 Einträge gemacht und durch Auswertung der beteiligten Taufzeugen erkannt, daß es sich IMMER um die gleiche! Fam. handelte. Wie ich schon häufig im Kreis Gwbg gelesen habe, gab es auch hier für die FN einen alias.
Der FN PIERDZIWOL mutierte zum GWAZDZIK. Nun ergab sich plötzlich auch eine Logik. Im Grunde handelt es sich immer um Vater und Sohn (deren FN mutierten) als Schankwirte. Hinzu kam noch ein Schwager/Cousin o. Schwiegersohn.
Und ebenso willkürlich wurde dann auch zwischen tabernator u caupo gewechselt. Auch in den 2 anderen Dörfern des KB ist es so.

Vater GWAZDZIK wurde später dann Scholz. Seiner Gattin wurde in einer Taufbezeugung z.B.der FN KAISERIN verliehen.

z.B. im ev.KB wurde hinter den FN der Scholzen-Gattin "wilde Gans" geschrieben.
Auch in anderen Gegenden habe ich schon ähnliche Hinterlassenschften der Pfarrer gelesen.

Somit hat durch viel wochenend-Arbeit mein Problem eine logische Lösung gefunden. Die Mutation von PIERDZIWOL--->GWAZDZIK-->zum NELKE wird dann ja wohl nur noch Prof. Udolph erklären können.

Vielen Dank noch mal für Eure Beiträge.

VG
Horst Nelke

----- Original Nachricht ----

Somit hat durch viel wochenend-Arbeit mein Problem eine logische Lösung gefunden. Die Mutation von PIERDZIWOL--->GWAZDZIK-->zum NELKE wird dann ja wohl nur noch Prof. Udolph erklären können.

Also zumindest für letzteres braucht man Herr Udolph nicht zwingend.
Polnisch gwoździk heißt auf Deutsch Nelke.
mfg
JS

Hallo Horst,

für PIERDZIWOL--->GWAZDZIK braucht man wohl auch keinen Professor.
Du selbst hattest ja geschrieben, dass es sich um Alias-Namen handelt.
Viele Schwiegersöhne nahmen früher, wenn sie die Stelle des Schwiegervaers
übernahmen, auch den Nachnamen des Schwiegervaters (siehe Hofname etc.) an.

VG
Thomas