Briteline – und wir waren plötzlich online

Originally published at: https://www.compgen.de/2026/07/briteline-und-wir-waren-ploetzlich-online/

Wir erzählen hier etwas zur Geschichte des Vereins für Computergenealogie (CompGen): der Kooperation mit Briteline. Denn die gemeinsame Ära mit unserem Internet-Service-Provider – und Sponsor – Bremen Briteline GmbH war kürzlich zu Ende und wir wollen Danke! sagen. Briteline hat uns damals geholfen, plötzlich online zu sein. Ein Anlass daran zu erinnern, wie unsere ersten Schritte ins Internet waren.

Die Zeit vor Briteline

Zum Ende des Jahrtausends machte das Internet noch Geräusche, Modems handelten ihren Handshake aus. Boris Becker sagte in der Fernsehwerbung, er wäre „schon drin“.

Die genealogische Mail-Box COMP-GEN.BOX lief ab 1990 auf einem Rechner in der Privatwohnung von Dieter Zwinger in Darmstadt und war als „Node“-Knotenpunkt in das Fido-Netz eingebunden, ohne angeschlossene „Points“. Ab 1995 war sie als „Erste DAGV‑CD“ verfügbar, 1996 folgte eine aktualisierte zweite Auflage, und mit der dritten und vierten Ausgabe (1997 und 1999) wuchs der Umfang bereits auf zwei CDs. Nach einem Platten-Crash entschied man sich, weder einen neuen Rechner anzuschaffen noch die Mailbox weiter zu betreiben, da sich die Entwicklung zunehmend in Richtung WorldWideWeb verlagerte; als letzter Stand erschien schließlich im Jahr 2000 als „Fünfte DAGV‑CD“.

Diese Zeit war geprägt von intensiven Diskussionen im Verein: Während ein Teil früh auf das Internet setzen wollte, hielten andere das für eine vorübergehende Mode und wollten der Mailbox treu bleiben. Nachdem die Entscheidung gefallen war brauchten wir ein Rechenzentrum mit Internetzugang, in dem wir einen Computer unterstellen konnten, kurz: Wir brauchten „Colocation (Serverhousing)“. So kamen wir an Briteline.

Briteline wird unser Provider

Dipl.- Inform. Björn Brünjes, Geschäftsführer von Briteline, erinnert sich:

“Die Bremen Briteline Projekte GmbH wurde 1998 als Landeseigene Gesellschaft mit dem Ziel Datenkommunikation in Form des Bremer Landesbreitbandnetzes in Bremen zu pushen, gegründet. Da ganze Projekt hatte mangels politischen Interesses nur 2 ½ Jahre Bestand. Die Bremen Briteline hatte sich dann „selbständig“ gemacht. In der Zeit hatte ich Klaus-Peter Wessel (verstorben 2021) mit „seinem“ Genealogen-Projekt kennengelernt. Ich hatte mit dem Projekt so gar nichts am Hut, aber Klaus-Peter hatte – super freundlich und beharrlich – immer wieder nachgefragt, bis ich dann nachgeben habe und er konnte bei uns seinen Server ohne Kosten unterstellen und der Server hatte dann auch gleich schnelles Internet. Das Alles ist aber auch schon über 25 Jahre her und meine Erinnerungen sind hier auch schon sehr begrenzt.

Unser Mitarbeiter Gerald Imboden, hatte sich dem Projekt dann technisch von Anfang an bis zu seiner Rente im Mai dieses Jahres angenommen und hatte immer engen Kontakt zum Verein für Computergenealogie. Zwischendurch fiel dann mal auf, dass der Server immer größer wurde und natürlich nun langsam merklich mehr Strom verbrauchte, da gab es dann aber über die Zeit eine finanzielle Regelung.”

Der besagte Herr Imboden wurde zu unserer ersten Ansprechperson. Wir konnten ihn bei allen Fragen kontaktieren, er schaute auch immer von sich aus, wo der Schuh drückte.

Und so stellt es sich dar: Der erste Vertrag war ein Sponsoring.

Mit Zunahme der Maschinen wurde dann daraus ein Dienstleistungsvertrag.

Dazu erinnert sich Jesper Zedlitz:

“Einer der ersten eigenen mit dem Internet verbundenen Server hieß Galaxy. Als klar war, dass ein Server nicht reichen wird, war uns der Name etwas zu groß. Daher bekam der nächste gekaufte Server den Namen Jupiter. Zu dem gesellte sich bald Saturn dazu. Damit haben wir mehrere Jahre gearbeitet. Als dauerhaft laufendes Eingangstor (Loadbalance) kam dann Vesta dazu, damit wir im internen Bereich schalten und walten konnten, ohne dass es nach außen Auswirkungen hatte. Jupiter und Saturn wurden später durch Uranus, Neptun und Mars ergänzt und letztlich ersetzt.”

Wir hatten in Bremen also fünf eigene Maschinen stehen (drei Server, ein Storage und ein kleinerer Loadbalancer), die über ein eigenes physisches Netz miteinander verbunden waren. In dieses konnte man sich auch per VPN einwählen. Wir nutzten also eine eigene Server-Infrastruktur in einem externen Rechenzentrum.

Dies bot eine sichere Infrastruktur und hohe Verfügbarkeit, verursachte jedoch hohe Kosten für Hardware und Betrieb. Wartung, Updates und IT-Sicherheit mussten in der Regel selbst übernommen werden. Zudem war die Flexibilität begrenzt, da zusätzliche Kapazitäten neue Hardware und mehr Platz erforderten. Im Vergleich zur Cloud ließen sich Ressourcen daher nur langsam anpassen. Und bei jedem Schaden an der Hardware musste ein Vereinsmitglied vor Ort in Bremen ran.

Die Grenzen wurden erreicht – und sichtbar

Damals gab es einige Ereignisse, an die sich die Älteren vielleicht noch erinnern. Nutzt gerne die Kommentarfunktion in Discourse, um solche Geschichten weiter zu erzählen!

Der weitere Ausbau machte es notwendig, dass zunehmend verschiedenste Anbieter für neue Projekte hinzugezogen wurden. Unsere WordPress-Instanz (www.compgen.de) ist ein solches Beispiel. Über die Zeit zersplitterte sich unsere IT mehr und mehr. Wir bekamen ein Forum geschenkt und bauten andere Dienste auf. Ein Blick hinter die Kulissen und ein Einblick in unser IT-Ressort verdeutlichen diese Entwicklung.

Wir mussten alles neu denken, alles. Aber auch alles „as a Service”? Was wird da gehen, was nicht? Darunter eben SaaS, PaaS und auch Cloud Computing, und dabei auch immer die Kosten im Auge behalten. Aber es ging nicht anders: Wir mussten unsere IT auf stärkere Beine stellen, wir mussten die IT professionalisieren.

Beim Auszug aus Bremen wurde es sehr eng

Lange geplant, wurde im Jahr 2025 mit dem „Mailman“ der „Auszug” aus Bremen geprobt. Seit Beginn dieses Jahres wurden dann mehr und mehr Dienste und Anwendungen in die Cloud überführt. Dieses Projekt konnte im Juni 2026 abgeschlossen werden nachdem alle Daten und jede Anwendung in der Cloud gesichert sind. Ende des Monats wurden die Server bei Briteline heruntergefahren und auch ausgebaut. Die Hardware, längst abgeschrieben, wurde gesichert und eingelagert.

Bye-bye, Briteline, wir haben Euch sehr viel zu danken.

Allen Mitarbeitern von Briteline viel Glück auf euren weiteren Wegen! (… mitunter sieht man sich ja zweimal im Leben.)

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Ein sehr schöner Beitrag, IT-Geschichte pur so ein bisschen :slight_smile:

VG Steffi

Eine Übersicht über die aktuellen Angebote und Dienste bietet der Artikel „Genealogienetz“. Zuletzt liefen in Bremen dann noch Infrastrukturdienste und einige weitere in dieser Liste nicht erwähnte Hosting-Angebote.

Ich finde es super was das Migrationsteam da geschafft und termingerecht abgeliefert hat.

Hermann

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CompGen hatte schon lange vor Briteline eine Internet-Geschichte. Briteline war schon unsere Professionalisierung.

Damals waren wir neben genealogy.net noch unter genealogy.com zu erreichen. Die Server standen in den USA, einem per Bürgernetz angebundenen Keller und in einer medizinischen Fakultät einer Universität in Deutschland. Die Domain genealogy.com wurden von ihrem Besitzer (der nicht der Verein war) an ein amerikanisches Unternehmen verkaufen - zu einem damals unerhört hohen Preis. Das war noch vor der Dot-Com-Blase. Die Domain genealogy.net wurde an den Verein übertragen mit der vertraglichen Regelung, dass bei einem Verkauf der Domain 100.000 DM an den ursprünglichen Inhaber zu zahlen sind.

Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems wurden die Inhalte zwischen den drei Servern abgeglichen. So konnte man von überall schnell an die Inhalte heran. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es in der Schweiz zumindest noch eine Kopie der Seiten unterhalb von /CH/.

Irgendwo stand auch noch eine SGI Indigo für den Verein. Darauf habe ich damals während meines Studiums von den Terminals im Keller des Rechenzentrum der Uni Kiel FOKO und GEDBAS betrieben.

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Fred Rump berichtet hier davon

Zu erinnern ist zum Beispiel an den Plattencrash vom 11.04.2009. Die Mailiglisten funktionierten nicht mehr und leider konnten auch nicht alle Archive hundertprozentig wieder hergestellt werden.

Nachdem in mühevoller Arbeit alles so weit hergestellt war, dass vieles wieder in gewohnten Bahnen lief, informierte Klaus-Peter Wessel in einer Mail vom 27.05.2009;23:53 unter dem Betreff [compgend-L] Mailingliste tut wieder - genealogy.net läuft fast wieder normal:

Leider hatte genealogy.net am Ostersamstag morgens kurz hintereinander
zwei Plattenausfälle im RAID-System (Festplattensystem). Der Ausfall
einer Platte hätte in unserer Konfiguration normalerweise keine Probleme
gemacht (wenn diese hätte rechtzeitig ausgetauscht werden können),
aber zwei Platten innerhalb einer Stunde war dann der Unfall, mit dem
niemand rechnen konnte.

Natürlich passieren solche Dinge dann auch immer noch an einem
Feiertagswochenende, wenn niemand erreichbar ist.

Und gemäß Murphy's Gesetzen klappt in so einem Fall natürlich auch das
Einspielen der Datensicherung nicht bzw. sie hat nicht so stattgefunden
wie das geplant war.

Zwei Wochen war himmliche Ruhe, nun kann's wieder losgehen mit dem
genealogischen E-Mailen.

Die genealogischen Datenbanken wie FOKO, GedBas, GOV, Adressbücher,
Online-OFBs, Mitglieder-Datenbanken, etc. sind nicht von irgendwelchen
Datenausfällen betroffen; ausgefallen sind "nur" die Webanwendungen (Frontends)
der Datenbanken. Beim GenWiki sind wir noch dabei, viele zehntausende
von Grafikdateien zu restaurieren.
Wir haben diesen GAU natürlich auch zum Anlass genommen, noch einmal
weitergehende Massnahmen für Ausfallsicherheit anzugehen. Diese sind
noch nicht umgesetzt, aber wir werden in den nächsten Wochen folgende
Massnahmen umsetzen:

1.) die Backup-Strategie erweitern und alle Daten zusätzlich als 2. Sicherung
auf einem externen Plattensystem sichern.

2.) einen weiteren Server in Betrieb nehmen, der an einem anderen
physikalischen Standort steht und dort eine dritte Sicherung aufbauen.

3.) das Sysadmin-Team möglichst noch um 2-3 Leute erweitern, damit auch
Wochend- und Urlaub besser aufgefangen werden kann.

Weitere Ideen sind in der Überlegung und wir werden Euch hiervon
unterrichten, sobald diese umgesetzt werden.

Wir danken Euch für Euer Verständnis!

Danke für die Erinnerung an den „Ostercrash“.

Dabei wäre der „Ostercrash“ leicht vermeidbar gewesen. Wir hatten nämlich bereits ein externes Plattensystem in Bremen stehen. Es hatte jemand gesagt, er wäre bei Briteline gewesen und hätte das System angeschlossen. War er aber nie, wie sich später herausstellte. Somit liefen die Datensicherungen nicht wie geplant auf das externe Systeme sondern weiterhin auf die internen Festplatten, die dann Ostern 2009 ausfielen.

Helga ist dann sogar noch mit den defekten Platten zu einem Spezialunternehmen für Datenrettung nach Berlin gefahren. Die konnten aber auch nichts mehr machen. Ich habe dann einen großen Teil der Dateien in der erwähnten mühevollen Arbeit retten können.

Wer gerne über die Anfänge lesen möchte, hier ist ein Artikel in der alten Computergenealogie
Vor dem Umzug zu Briteline liefen unsere Aktivitäten über Gießen und Kerpen.
Wir waren also nicht “plötzlich” online, sondern schon seit 1995.

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Danke für den Hinweis.

Arthur, hier gebe ich gerne mal den Krümelkacker.

Die Aktivitäten zuvor beruhten doch auf Store & Forward, unter verschiedensten Betreibern, aber immerhin. Es waren keine Echtzeitdienste. Die Nutzung fremder Ressourcen wie Zugänge zu Universitäten wurden in der Regel unter Umgehung der Nutzungsbedingungen möglich. Einen eigenen Server, der online erreichbar war, den gab es erst unter dem Dach von Briteline.

Was sagst Du?

Mit Briteline hatten wir einen Breitbandzugang über das Bremer Landesnetz, das hat damals Klaus-Peter Wessel über Vitamin B eingefädelt. Vorher gab es genealogy.com bei den Eheleuten Lloyd in USA, gespiegelt nach Giessen auf www.med.uni-giessen.de/geneal (ich war damals Uni Mitarbeiter und Server Admin) und auf Rainer Herrmanns UNIX-Server, den er bei sich im Keller stehen hatte und für den er eine relative teure Standleitung bezahlte.

Nachdem die Lloyds ausgestiegen waren, lag die Last in Gießen und Kerpen. Unser Ziel war immer gewesen, die Inhalte kostenlos und werbefrei zur Verfügung zu stellen (nur unter der Prämisse durfte ich den Gießener Webserver für diese Zwecke verwenden). Die Mailinglistenwurden von Kerpen aus verteilt. Der Kerpener Server wurde auf Dauer zu teuer (privat von Rainer bezahlt), Rainer hat dann einen Bürgernetz-Verein in Kerpen gegründet, der die Kosten übernehmen sollte. Dies fiel in die frühe Zeit nach dem Vorstandswechsel.

Der Umzug zu Briteline änderte für die User “draußen” zunächst nur die Geschwindigkeit, intern hatten wir einen kostenlosen (gesponserten) Zugang und konnten schalten und walten. Das hat natürlich die Finanzierung erheblich erleichtert.

Rainer ist inzwischen verstorben.

Das Internet-Archive hat genealogy.com bzw. .net ab November 1996 archiviert Es lohnt sich mal über die Wayback-Machine ein wenig zu stöbern.

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