In einer eMail vom 12.06.01 16:40:53 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit schreibt
Andreas.Smarzly@add.sgdnord.rlp.de:
weiß vielleicht jemand welche Herren (Grundherren / Adlige) vor dem Jahr
1818 in Bolkenhein-Landshut saßen ?
Hallo Andreas,
Zu Landeshut:
Seit ~1220 gab es östlich der Stadt (Burgberg) eine Höhenburg, die von Hz.
Heinrich I. v.Schlesien zur Grenzsicherung gegen Böhmen angelegt worden war.
Die Stadt selbst wurde (ebenfalls zur Grenzsicherung -> Name) von Hz. Bolko
I. zwischen 1289 und 1292 gegründet. Es gab offenbar keine slawische
Vorgängersiedlung. 1334 Bestätigung der Stadtrechte durch Hz. Bolko II.
v.Schweidnitz. 1527 erwarb die Stadt die Erbvogtei, die seit 1477 in der Hand
des Kl. Grüssau gelegen hatte. L. blieb seitdem Immediatsstadt.
Zu Bolkenhain:
Burg (Bolkoburg) und Stadt traten zu Beginn der deutschrechtlichen Besiedlung
die Nachfolge der benachbarten Kastellaneiburg Schweinhaus an. Belegt ist die
Existenz der Stadt seit 1276, die der Burg seit 1277. Teile der
Stadtpfarrkirche sprechen für eine Gründung vor 1241. B. gehörte zunächst zum
Hzt. Liegnitz und fiel bei dessen Aufteilung 1278 an Hz. Bolko I. von
Jauer-Löwenberg, der Burg und Stadt ausbauen ließ und letzterer seinen Namen
übertrug. Seit dem 18./19. Jh. führt auch die Burg seinen Namen. Sein Enkel,
Hz. Bolko II. v.Schweidnitz, vererbte das Hzt. Schweidnitz-Jauer an seine
Nichte Anna, Gemahlin Kaiser Karls IV., durch die das Hzt. 1392 direkt an
Böhmen kam. Bis dahin wurde das Burglehen B. von den Burggrafen (u.a. bis
1371 Hans v.Logau, danach Gotsche II. Schoff auf Kynast) verwaltet, seit dem
Anschluss an Böhmen von Landeshauptleuten, z.T. böhmischen Adligen, die es
auch als Pfand erwerben konnten. Im 15. Jh. (Hussitenkriege) war die Burg
zeitweilig in der Hand von Raubrittern bzw. ihnen ergebenen Personen, u.a.
des Hain v.Tschirn vor 1439 bis nach 1459, der zunächst Freund, dann Feind
der Hussiten war. 1444 stürmten böhmische Söldner die Stadt und steckten sie
in Brand. 1463 nahm der (hussitische) böhmische König Georg v.Podiebrad B.
ein und setzte Hans v.Tschirn als Burggrafen ein, bis sie 1468 von den
Schweidnitzern und Breslauern übernommen wurde. Unter Kg. Matthias Corvinus
von Ungarn waren der ungarische Magnat Stephan v.Zapolya (1475 bis vor 1484)
und Georg v.Stein Pfandinhaber von B. Von 1494 bis um 1540 gehörte das
Burglehen der Familie v.Tschirnhaus, anschließend (1532 bis 1570) der
verwandten Familie v.Salza (als Erstem Jakob v.Salza, Bischof v.Breslau, +
1543). Unter Matthias v.Logau (1570-91) wurde der Besitz B. 1591 in ein
Erbgut umgewandelt, das 1598 durch Jakob v.Zedlitz auf Nimmersath erworben
wurde und bis 1700 im Besitz seiner Familie blieb. 1700 musste das Burglehen
mit fünf Orten wegen Verschuldung der Erben des letzten Besitzers, Gotthard
Albrecht v.Zedlitz (1690), an das Kloster Grüssau verpachtet, 1703 sogar
verkauft werden. Seitdem verfiel die Bolkoburg und wurde nach der
Säkularisation 1810 vollends zur Ruine, nachdem sie in den Besitz des
preußischen Staates gelangt war.
(leicht geändert aus "Handbuch der historischen Stätten, Schlesien",
Kröner-Verlag 1977)
Grüße aus Hilden,
Günther Böhm