Bingel in „Richelschwang bey Nürnberg“

Hallo zusammen,

ich bin im Kirchenbuch der Altstädter Gemeinde von Kassel (Hessen) auf den Sterbeeintrag von Johannes Bingel vom 20. August 1672 gestoßen:

Johannes Bingel von Richelschwang bey Nürnberg alt 77. iahr.
http://www.archion.de/p/06f5089954/

Kirchenbuch_KS-Altstadt_1623-1684_Bild1358-Ausschnitt Richelschwang Bingel.pdf (183,7 KB)
Kirchenbuch_KS-Altstadt_1623-1684_Bild1358 Richelschwang Bingel.pdf (625,0 KB)

Ich vermute, dass es sich hierbei um Reichenschwand handelt.
http://vb.uni-wuerzburg.de/ub/52rp323a_137873007/pages/52rp323a4_137874234/239.html

Das Kirchenbuch von Reichenschwand beginnt allerdings erst 1636. Im Register finde ich keinen ähnlichen Nachnamen. Gibt es evtl. noch frühere Namenslisten, damit ich feststellen könnte, ob es der richtige Ort ist? Lohnt es sich, das Buch von Wilhelm Schwemmer “Alt-Reichenschwand” dafür über die Fernleihe zu bestellen?
Ich kenne mich in der Gegend überhaupt nicht aus. Mein Fokus liegt bisher auf Nordhessen und angrenzenden Gebieten.

Nach dem Sterbeeintrag wäre Johannes Bingel ca. 1595 geboren worden. In der Kasseler Altstadt lässt er ab 1639 bis ca. 1657 mehrere Kinder taufen. Von Beruf soll er Fuhrmann sein. Die Paten geben keine weitere Auskunft über die Herkunft. Eine Heirat oder einen (Sterbe-)Eintrag seiner Frau habe ich bisher in der Kasseler Altstadt nicht gefunden. Ich kann ihm auch keine Einbürgerung im Kasseler Bürgerbuch 1520-1699 zuordnen (nur als Abschrift veröffentlich, Originale vernichtet).

Ich freue mich über jeden Hinweis.

Viele Grüße
Stefanie (Flohr)

Hallo zusammen,

ich habe jetzt über die Fernleihe das Buch Alt-Reichenschwand von Wilhelm Schwemmer erhalten. Für meine Fragestellung hat es mir nicht weitergeholfen. Für die Zeit um den Dreissigjährigen Krieg gibt nur einzelne Namensnennungen. Ob es trotzdem Musterungslisten oder Huldigungsregister geben könnte (die ich aus Nordhessen kenne), ergibt sich für mich nicht. Der Autor hat seinen Fokus eher auf der Grundherrschaft und damit verbundenen Personen. Bei den Lehrern wird zwar erwähnt, dass „deren Reihe seitdem [1650] lückenlos überliefert ist“, es wird aber nur ein Name herausgegriffen (S. 38).
Zumindest geht aus dem Buch hervor, dass Reichenschwand 1632 in großen Teilen zerstört wurde. „Nur die Kirche, das Schulhaus und ein Bauernhaus sollen der Zerstörung entgangen sein“ (S. 17). Das könnte Grund genug gewesen sein, den Ort zu verlassen, wie auch immer der Weg meines Vorfahren dann nach Kassel führte.

Wer in jüngerer Zeit in Reichenschwand sucht, kann in dem Buch vielleicht fündig werden. So gibt es z. B. als Beilage 3 eine Gegenüberstellung der Besitzfassion von 1808 mit den Hausbesitzern von 1977, außerdem einen Auszug aus dem Steuerregister von 1794 (S. 45). Das Personenregister scheint nicht alle im Buch genannten Personen umfasst. Evtl. sind es nur die Reichenschwander oder Personen von besonderer Bedeutung. So werden die beiden Maurermeister Hans Daumer und Andreas Waßmann, die sich 1714 um den Einbau eines Tores in die einstige Friedhofsmauer kümmerten, nicht im Register genannt (S. 31).

Ich warte noch auf zwei Kopiebestellungen aus der „Heimat“, bei denen es aber vermutlich eher um die Kirchengeschichte gehen wird (Historie im Reichenschwander Kirchturmknopf, Friedrich Maison, 1994; Kirchenjubiläum in Reichenschwand, August Sieghardt, 1954). Die Erfolgsaussichten sind gering, aber es bleibt spannend.

Viele Grüße
Stefanie