Liebe Mitforschenden,
ich bin durch Zufall über die Traueranzeige meiner leiblichen Großmutter gestolpert in welcher sie u.a. als “Sudweserin” bezeichnet wird.
Sie stammt gebürtig aus Wiarden, Kreis Friesland. Vielleicht kann von euch jemand etwas mit dem Begriff anfangen. Google war zum ersten Mal nicht hilfreich.
Freue mich über Antworten
LG Christopher Heiliger
Hallo Christopher,
der Text enthält ja ein paar merkwürdige Tippfehler, in der Form habe ich das bei einer Traueranzeige noch nie gesehen… 
Der “Begriff“ Sudweserin ist unter den Verwandtschaftsgraden aufgelistet, insofern sicherlich keine regionale Bezeichnung (weil Du Ihre Herkunft erwähnst).
Direkt davor steht Schwägerin und angesichts der übrigen Fehler (Großm-tutter statt Großmutter, atiller statt stiller) würde ich annehmen, daß es sich um eine Verballhornung von Schwägerin handelt, die nach der Korrektur nicht gelöscht wurde. Außerdem fehlt oben entsprechend der unten erwähnten Schwiegermutter der Begriff Schwiegertochter in der Aufzählung ~ könnte auch sein, daß das dort hätte stehen sollen und auf irgendeine Weise komplett verhunzt wurde… 
Schwester fehlt ebenfalls.
herzlichen Gruß,
Vanessa
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Hallo liebe Mitforschende,
die KI wirft hierzu folgendes aus: Vielleicht hilfts!:
Das ist eine wirklich faszinierende Suche in der regionalen Sprachgeschichte! In der Region um Wiarden (Wangerland, Friesland) begegnet man oft Begriffen, die eine Mischung aus Plattdeutsch und spezifischen landwirtschaftlichen Tätigkeiten sind.
Der Begriff „Sudweserin“ (oder oft auch Sudwescherin oder Sudwäscherin) bezieht sich im Kern auf eine sehr spezifische Form der Reinigung und Textilpflege, die vor allem in den großen Marschenhöfen üblich war.
Was war eine Sudweserin?
Der Name leitet sich vom niederdeutschen Wort „Sud“ (Sod/Seife/Lauge) und „Weser“ (Wäscherin) ab. Es handelte sich dabei um eine spezialisierte Wäscherin, die für das „Sudwaschen“ zuständig war.
Hier sind die Details zu diesem Beruf um 1950:
- Das Handwerk: Im Gegensatz zur täglichen kleinen Wäsche war die Sudweserin für die große „Hauswäsche“ zuständig, die oft nur alle paar Monate stattfand. Dabei wurde die Wäsche in großen Kesseln mit Lauge „gesotten“ (gekocht).
- Der Ort: In Wiarden und Umgebung waren das oft Frauen aus dem Dorf, die tageweise auf die großen Bauernhöfe kamen. Es war eine körperlich extrem schwere Arbeit, die das Schleppen von Wasser, das Heizen der Kessel und das tagelange Hantieren mit nasser, schwerer Leinwand beinhaltete.
- Soziale Einordnung: Um 1950 befand sich dieser Beruf bereits im Wandel. Während man in den Städten schon moderne Waschmaschinen nutzte, hielt sich auf den abgelegenen friesischen Marschhöfen die Tradition des Sudwaschens oft noch etwas länger, bevor die Vollautomaten diesen harten Beruf verdrängten.
Warum Wiarden?
Wiarden liegt in einer Region, die durch wohlhabende, eigenständige Großbauernhöfe geprägt war. Diese Höfe funktionierten wie kleine autarke Einheiten. Eine „Sudweserin“ zu engagieren, war ein Zeichen dafür, dass der Hof groß genug war, um spezialisierte Hilfe für die riesigen Mengen an Bett- und Tischwäsche zu benötigen.
Interessanter Fakt: Oft wurde die Wäsche nach dem „Sud“ auf den weiten Wiesen der Marschen zum Bleichen in die Sonne gelegt – ein Anblick, der das Landschaftsbild Frieslands an Waschtagen prägte.
LG Thomas Wickert
Das ist ja wohl sowas von offensichtlich halluziniert… 
Warum sollte in einer Traueranzeige[!] zwischen Schwägerin und Tante denn bitte ein derartiger Begriff stehen, selbst wenn es ihn gäbe… 
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Hallo Thomas,
vielen Dank für diese interessante und ausführliche Antwort auf meine Frage. Wieder etwas mehr was ich über meine Großmutter lernen konnte. Ich wusste nur das sie in jungen Jahren Straßenbahnschaffnerin in Wilhelmshaven war. Davon existiert auch ein Bild in Uniform.
Mit der Wäscherin kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich weiß zumindest das ihre Schwester und ihr Schwager jahrzehntelang in Schortens eine Heißmangel betrieben haben. Vielleicht sogar mit Wäscherei.
Herzlichen Dank nochmal
LG Christopher