AW: Namensänderung

Hallo Astrid,

"Die haben das wohl früher gemacht, um von Schlesien rüber in den Westen zu
können."

Da musste ja wohl die Namensänderung nach 1945 in Schlesien stattgefunden
haben, denn vor 1945 war es den Schlesiern nicht verboten "in den Westen"
(damit meinstdu wohl Provinzen wie das Rheinland, Westfalen oder Baden ?)
"rüber zu können". Schlesien war ein Teil von Deutschland (Deutsches Reich)
in dem zumindest seit 1870/71 es keine innerstaatlichen Grenzen für die
deutschen Bürger (auch die Schlesier waren solche) gab.
Also musste die Namensänderung nach 1945 stattgefunden haben === in
Schlesien unter ponischer Besatzung, während der Vertreibungen...... ?

Ich glaube du merkst schon, dass Dir dein Schwiegervater Unsinn erzählt hat.

Aber jetzt mal im Ernst:
Namensänderungen in einen "deutscheren Namen" fanden nach meinen Recherchen
vor allem in Oberschlesien (Niederschlesien womöglich auch--> kenne ich mich
aber nicht so aus) immer wieder statt. Es war früher so, dass ein
polnischer/slawischer Name oder auch die Benutzung der wasserpolnischen
Sprache in preußischen Oberschlesien nicht die Nationalität der Bürger
zeigte sondern die soziale Stellung kennzeichnete. Die Häusler, Gärtner,
Bauern aud dem Dorf oder auch die Fabrikarbeiter aus der Vorstadt störte
oder behinderte es kaum, Wasserpolnisch in Alltagsgebrauch zu verwenden oder
einen Namen wie Chszaszcz oder auch Madeja zu tragen. Wollte man jedoch
gesellschaftlich etwas aufsteigen, konnte es schon von Nutzen sein,
zumindest mal gut deutsch zu sprechen, sich halt der preußischen/deutschen
Gesellschaft etwas anzupassen. Und da die Oberschlesier, als ein
"Grenzvolk", schon immer von irgendwelcher Kultur (mährischer, polnischer,
böhmischer, ungarischer, deutscher) beeinflusst wurden, fiel es ihnen nicht
unbedingt schwer sich auch der preussichen Kultur/Ordnung anzupassen. Ja
freundeten sie sich mit dieser sogar so an, dass, als sie 1921 freundlich
gefragt wurden, ob sie jetzt zur Abwechslung etwas an der polnischen Kultur
schnuppern wollten, sagten "ach nee, lieber nischt...."
Wie überall, gab es nun aber auch in Oberschlesien solche, die gleich
übertreiben mussten, die sich sagten, "ich will nicht nur an der polnischen
Kultur schnuppern, das was mich mit der polnischen Kultur in Verbindung
bringen könnte zB. mein Nachname, rotte ich lieber gleich aus".

In meinen ca. 1000 Familien/Verwandtennamen habe auch ich 3 solche Fälle von
gravierenden Namensändeungen (also nicht nur Austausch von paar Buchstaben):

um 1430 von Friedrich auf Bedrzich (tja auch die Hussitten kannte schon
diese Technik)

um 1700 von König auf Król, um 1800 von Król auf Kroll, 1956 von Kroll auf
Król, 1990 von Król auf Kroll......(wie oft denn noch ?)

1867 heiratet eine Smarzly einen Karl Kamionka, 1872 heißt dieser Mensch
bereits "Carl Steiner"....auch eine schöne Übersetung = Kamien heißt ja
einfach Stein

seinen altschlesichen Namen nicht übersetzten sondern nur den ähnlichen
Klang behalten wollte Vincent Chszaszcz (tja soll das mal eine deutsche
Zunge aussprechen, übrigens unter dem "a" muss noch ein kleiner Strich, was
aus dem "a" einen hier nicht aufschreibbaren Laut ergibt), als er sich 1943
"Vincent Schanz" nannte....naja hätte er den Namen einfach übersetzt, würde
er "Vincent Käfer" heißen....und wer will schon Vincent Käfer heißen....

Es ist schon auffällig, dass im III Reich solche "Namenseindeutschungen"
öfter vorgenommen wurden
(siehe auch die Änderungen >1936/37< alter schlesicher Ortschaftsnamen in
"schöne" deusche Namen). Aber wie aufgezeigt, war es nicht unbedingt die
Erfindung der Braunen (die haben wirklich nicht alles in der Welt erfunden).

Und, um von Oppeln nach Düsseldorf zu fahren, brauchte man schon ganz sicher
nicht seinen Namen zu ändern......auch nicht in der braunen Zeit.

Gruß
Andreas Smarzly