Auswanderung aus Schlesien

Lieber Herr Fütterer,

vielen Dank für die interessanten Informationen über den Lebensweg von Marie geb. Kursawe. Ganz besonders interessant ist es für mich, dass sie und ihre Schwestern jeweils zur Erntezeit in die Umgebung von Helmstedt als Erntehelfer gegangen sind. Bisher waren mir nur die sogenannten "Sachsengänger" bekannt, die zur Arbeitssuche in das Königreich und die preußische Provinz Sachsen gingen. Gerade habe ich aber für das Nachbardorf Grandorf auch einen Hinweis auf das Königreich Hannover gefunden. Im Heimatbuch für den Kreis Ostrowo heißt es: "Dass die Grandorfer Wohnhäuser einigen Wohlstand zeigten, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Besitzer in jüngeren Jahren sich auf Außenarbeit in Sachsen oder in Hannover einigen Besitz erworben haben".
Nach Bremen und dem Ruhrgebiet hatte ich deswegen gefragt, weil viele der Bewohner, die endgültig auswanderten, in diese Regionen gegangen sind. Besonders die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Delmenhorst (kurz Nordwolle genannt), die Bremer Wollkämmerei Blumenthal und die Jute-Spinnerei und Weberei Bremen warben gezielt Arbeitskräfte aus der Region Adelnau/Neumittelwalde/Ostrowo an, da in Ostrowo traditionell die Tuchherstellung angesiedelt war, die sich zu dieser Zeit (etwa ab 1880) im Niedergang befand. Für das Ruhrgebiet warben wohl vor allem die Stahlwerke und Zechen Arbeitskräfte an, aber darüber weiß ich noch nichts Genaueres (welches Werk oder welche Zeche speziell in Neumittelwalde/Adelnau anwarb).
Ich bin sehr an den Auswanderungen und dem Lebensweg der Auswanderer interessiert, falls Sie zufällig noch etwas darüber lesen, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen.

Vielen Dank und viele Grüße von Peter Ebenfeld