Das Archiv zu Lebensgeschichten von Sowjetdeutschen, erstellt von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), umfasst eine Sammlung von Lebensgeschichten von Sowjetdeutschen, die zwischen 1933 und 1953 in deutschen Familien auf dem Gebiet der Sowjetunion geboren wurden und gelebt haben.
Inhalt des Archivs
Das Archiv enthält 17 ausführliche Interviews mit Personen, die nun in Deutschland leben, und umfasst etwa 50 Stunden Audiomaterial, das transkribiert und in beide Sprachen übersetzt wurde. Die Interviewten berichten über ihr Aufwachsen in der Sowjetunion, ihre Arbeitserfahrungen, ihr familiäres Umfeld, ihre Ankunft in Deutschland sowie über aktuelle politische Themen wie den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Zusätzlich enthält das Archiv autobiografische Aufzeichnungen von zwei Personen, die in den 1920er Jahren geboren wurden, sowie Fotos, Behördendokumente, Zeichnungen und weitere persönliche Erinnerungsstücke der Zeitzeugen.
Zielgruppe und Zugang
Das Archiv richtet sich hauptsächlich an Forschende aus den Bereichen Geschichte, Soziologie, Linguistik und angrenzenden Disziplinen. Auch Medien, Museen und andere Kultureinrichtungen können auf die anonymisierten Interviewtranskripte und weiteren Materialien zugreifen. Die Materialien können über die Forschungsdatenplattform „RADAR“ des FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur abgerufen werden.
Bedeutung des Archivs
Die älteste Generation der Sowjetdeutschen, die den Zweiten Weltkrieg, die stalinistischen Deportationen und Zwangsarbeit in der Sowjetunion miterlebt hat, kam bisher öffentlich kaum zu Wort. Ihre Erfahrungen prägen jedoch ihre Identitäten und Einstellungen bis heute und damit einen Teil der deutschen Gesellschaft. Dieses Archiv leistet einen wichtigen Beitrag, um diese wenig bekannten Lebensgeschichten zu dokumentieren und für die Forschung zugänglich zu machen.
Sources:
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