[AK-Mueller] Bahnbrückenmühle bei Windheim / Hafenlohr

Guten Tag miteinander und herzlichen Dank für die Aufnahme!

Ich heisse Jutta Kirchberg und bin dabei, die Spuren meiner recht reisefreudigen Verwandtschaft zu erforschen.

Ich habe im Rahmen dieser Spurensuche herausgefunden, dass mein Urgroßvater Gustav Anton Maximilian Stauch Verwalter von /bei (?) der Bahnbrückenmühle in Windheim war. So wird er auf der Geburtsurkunde meiner Großmutter von 1887 genannt.

Per Google habe ich dies gefunden: http://wachengrund.1.vg/hubertus.htm
Interessant für mich ist der Abschnitt:

‚Ursprung des kleinen Weilers sind aber die Bahnbrückenmühlen. Die Mühlen waren nach der Brücke benannt. Diese wiederum hatte ihren Namen von den sogenannten Schmierbahnen, auf denen mit Schmierschlitten Scheit- und Prügelholz an die Hafenlohr zum Flößen gebracht wurden. Die erste Bahnbrückenmühle wurde im Jahr 1718 vom Windheimer Hermannus Köhler errichtet. Deshalb nannte man sie anfangs auch „Hermannsmühle“. Später klapperten hier sogar zwei Körnermühlen. Von den letzten Müllern erwarb die Löwensteiner Standesherrschaft die Anwesen in den Jahren 1839 und 1845. Von den neuen Besitzern wurden die Mühlen verpachtet.
1885 wurden sie vom damaligen Pächter, einer Firma aus Wörth, in eine Holzschneidemühle umgewandelt. Weitergeführt wurde das Sägewerk seit 1902 von den Familien Schall-Gegenwarth aus Windheim, die dort auch die frühere Papiermühle erwarben.‘

Recherchen in Windheim ergaben, dass meine Familie dort nicht ansässig geworden ist. Ich glaube, sie sind im Rahmen der Umwandlung1885 dort hin gekommen und beim erneuten Besitzerwechsel wieder fortgezogen sind. Ich hoffe noch auf genauere Auskünfte vom Archiv in Marktheidenfeld.

Weiss jemand von euch genaueres über diese Mühle? Was waren die Aufgaben eines Verwalters dort? Wohl eher technischer Art, denn mein Urgroßvater hatte später ein Patent auf eine Maschine und wurde als ‚Fabrikant‘ bezeichnet. (Emmerich/ Niederrhein)
Leider wird auch nirgendwo die ‚Firma aus Wörth‘ genauer benannt.

Es würde mich freuen, wenn ich ein bisschen mehr über all das erfahren könnte.

Mit liebem Gruß
Jutta Kirchberg

Hallo Jutta,

der Text, den du zitierst, entstammt einer früheren Homepage von mir. Er ist nach wie vor aktuell.
Ich bin in Windheim aufgewachsen. Zu diesem Ortsteil von Hafenlohr gehört die Bahnbrückenmühle heute.

Die Firma aus vermutlich Wörth am Main, die die frühere Getreidemühle in ein Sägewerk umwandelte und die Mühle zu diesem Zweck vom Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg von 1885 bis 1901 pachtete, hieß Cäsar Fuchs u. Cie, damals Amorbach (ebenfalls im Landkreis Miltenberg). Möglicherweise kam der Kontakt über diese Herkunft aus dem Landkreis Miltenberg zustande. Das Fürstenhaus hat seinen Sitz dort in Kleinheubach, Wörth am Main liegt ebenfalls in diesem Landkreis.

Den Namen Stauch gab es vor der Gründung der Sägemühle nicht. Nach dem Wegzug deines Urgroßvaters ist der Name in Windheim auch nicht mehr nachweisbar. Er ist ziemlich sicher weggezogen, ohne dass Familienmitglieder im Spessart geblieben sind. Vermutlich ist Stauch 1885 mit der Übernahme durch die Firma gekommen und mit ihr 1901 gegangen.

Die Verwalter hießen später Werksleiter. In Windheim weiß ich von zweien, den beiden letzten, Vater und Sohn mit Nachnamen Schwab. Robert Schwab war das bis 1963, als die Fassdaubenfabrik der Familie Schall-Gegenwarth aufgelöst wurde. Der Begriff „Verwalter“ wurde aber nach wie vor von den Arbeitern im Werk gebraucht.
Ernst A. Englert schreibt in „Die Leute der Windheimer Dorf-Familie“ über Robert Schwab:
„Seine Griffe und Handhabungen an der Gattersäge saßen genauso wie an der Nut- und Federmaschine, an der Faßbodenabdrehmaschine, an der Kreissäge, an der Pendelsäge, beim Dübeln der Bodenbretter,beim Binden der Daubenbündel mit Draht, wie beim Verladen der Bretter und Dauben, wie im Maschinenhaus beim Bedienen der Dampfmaschine. Er war ein technischer Allroundman.“
Schwabs Frau war die Kantinenwirtin, was einen Schankstube einschloss.
In „Ostspessart“ schreibt Englert:
Die Daubenbündel und Fassböden werden an Fassfabriken und Großküfereien geliefert,wo sie zu Fässern Herings-, Hefe-, Farben- und andere Packfässer zusammengesetzt werden".

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Informationen etwas helfen.
Ernst Dürr
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