Sehr geehrter Herr Hermann,
Offenbar liegt ein Missverständnis oder Verständnisproblem vor.
Sie erwähnen in Ihrer originären Anfrage den Sterbeort Hungerstorf.
Ich gehe davon aus, dass dieser Sterbeort und dieses Datum mit Primärquellen gesichert ist. Ebenso wie das 1778er Heiratsdatum (oder hatten Sie sich verschrieben und es meint das Sterbedatum) des Sohnes in Schloen.
Also sind diese beiden Orte die Basis für die Suche nach zivilen Unterlagen: Zu welcher Gerichts- und zu welcher Grundherrschaft haben die beiden Orte gehört? Wenn das klar ist: in welchen Archiven liegen diese entsprechenden Unterlagen? Wenn das klar ist: sind diese Unterlagen schon digitalisiert? Wenn nein = bleibt nur ein Besuch im entsprechenden Archiv, wenn ja, können Sie von zu Hause aus die Bände durchsuchen.
In den Erbverträgen, Heiratsverträgen steht dann viel mehr zu dieser Familie drin. In den Quittungen zu den bezahlten Erbauszahlungen finden sich nicht nur die Namen der noch lebenden Kinder und wievlel Erbmasse sie erhalten haben, sondern auch wohin sie verzogen sind und welche Berufe sie bei der Beurkundung ausüben. Dem weltlichen Heiratseintrag voraus geht oft ein Kaufvertrag, in dem eine Immobilie erworben wird (vom Bräutigam) und da steht dann auch dabei, woher der Bräutigam kommt und wer auf der Seite des Bräutigams für die Kaufsumme gerade steht (oft aber nicht immer der Vater), also der Bürge. Beurkundet wurde so was beim Grundherrn, der die Erlaubnis geben musste, dass ein Fremder in sein Territorium einzieht/einheiratet. Es geht hier natürlich auch um Geldfragen: Kann der Neue die Steuern bezahlen = Habe ich als Grundherr keinen Schaden vom „Neuen“? Etc. Etc.
Zum Stöpel noch ein kurzer Hinweis: Ja, er arbeitet mit modernen Unterlagen, richtig. Aber trotz aller Mobilität von heute sind die große Mehrzahl der Einwohner doch ziemlich ortstreu und begeben sich selten weiter als 100 km weg von jenem Ort, an dem der Familienname im 13. oder 14. Jh (je nach Familiennamen etwas unterschiedlich , die ältesten im deutschen Sprachraum finden sich in der Schweiz um das Jahr 1000 nach Chr. je weiter nach Norden um so später, je ländlicher um so später, die letzten Familiennamen im deutschen Sprachraum sind 1876 unter staatlichen Zwang in Ostfriesland entstanden). Die Mehrzahl der Familiennamen ist zwischen 1250 und 1400 entstanden, gemäß den damaligen Sprachregeln und der damaligen Sprache. Ich selbst habe schon mehrfach in diversen Volkshochschulen Vorträge über die Entstehung von deutschen Familiennamen gehalten und was man alles auf Familiennamen herauslesen kann (Herkunft süd/nord/ost/west, ländlich/städtisch, jünger/älter) mit zig Indiziennöglichkeiten, die man jeweils am spezifischen Familiennamen klären muss.
Ohne groß in die Tiefe einer Namensanalyse einzusteigen kann ich - ohne irgendwo nachschauen zu müssen aufgrund meiner Detailanalyse von über 2000 unterschiedlichen deutschen Familiennamen folgendes auf die Schnelle sagen:
Es handelt sich bei „Vogelsang“ um einen Herkunftsnamen nach der Örtlichkeit des Wohnortes, der Name hat als Ursache eine lokale Rodung (Niedersengen = -sang des Gebüsches mit einer Fackel (=Vogel)). Der Name kann nicht süddeutscher Herkunft sein, denn dann hieße er „Vogelsanger“ (Endung -er). Der Name muss nördlich einer Linie Lüttich (Belgien) - Monschau - Koblenz - Fulda - Leipzig - Berlin - Posen (Polen) entstanden sein. Vgl. Die Familiennamen „Steinbrück“, „Effenberg“ (norddeutsch) versus Schweinsteiger, Adenauer (süddeutsch). „Vogelsang“ ist ländlichen Ursprungs (mit Feuer roden) und kann nicht städtischen Ursprungs sein, dort war das Hantieren mit Feuer höchst problenatisch, auch war die städtische Umgebung ja ohnehin schon gerodet, da mach eine Rodung einfach keinen Sinn. Genealogen und Statistiker können weiter nachweisen, dass - sofern Wanderbewegungen überhaupt stattgefunden haben - Wanderbewegungen immer in Richtung der nächsten Stadt stattfanden und dabei die Kinderzahl im Laufe von zwei/drei Generationen stetig abnahm. Wenn dann diese Familie in einer großen Stadt angekommen ist, dauerte es meist nur noch 2 oder drei Generationen , bis dieser Familienzweig ausgestorben war. Nur in den wenigsten Fällen ist solch ein Zweig dann wieder aufs Land zurück und hat „überlebt“.
All das sind Aspekte, die als ursprüngliche Herkunft für Vogelsang die beiden Hauptnester des Stöpel wahrscheinlich machen,
Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Peren