Sehr geehrtger Herr Knoll,
Nur eine kurze Anmerkung, da im bisherigen Beitragsfaden auch mehrfach das Wort „Stammbaum“ gefallen ist.
Der Unterschied zur Ahnentafel ist die Suchrichtung, also die Struktur. Einmal (bei der Ahnentafel) ist es die Vorfahrensforschung, also von heute immer weiter zurück in die Vergangenheit. Dabei kommt bei jeder Heirat eines Vorfahren ein neuer Familienname dazu (der der angeheirateten Frau), während es ja beim Stammbaum in die andere Richtung geht: vom Mittelalter Richtung heute, wobei es immer nur der Mannesname ist, der bleibt und erforscht wird.
Der Vorteil der Vorfahrensforschung ist, dass es biologische Gesetze gibt, wonach jeder Mensch genau einen Vater und genau eine Mutter hat. Nicht mehr und nicht weniger. Dadurch verdoppelt sich auch pro Generation die Anzahl der Vorfahren und für die Nomenklatur hat sich bewährt und durchgesetzt das System Kekule, welches nach mathematischen Regeln funktioniert und über welches genau definiert ist, welche Nummer welcher Vorfahre hat. Ferner kann man ja anhand der Nummer sofort sehen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, in welcher Generation sich dieser Vorfahre findet und die Gesamtzahl der Vorfahren in dieser Generation, mit welcher Nummer diese Generation beginnt und endet. Also nichts als Mathematik. 2 hoch 0 (= 1), 2 hoch 1 (= 2; Eltern), 2 hoch 2 (= 4; Großeltern), 2 hoch 3 (= 8; Urgroßeltern) 2 hoch 4, 2 hoch 5, 2 hoch 6 etc. Die Hochzahl ist jeweils die Generation der Vorfahren, 2 hoch 8 ist somit die 8. Vorfahrensgeneration, das Ergebnis der 2 hoch x ist die Anzahl der Vorfahren in dieser Generation, gleichzeitig ist die Hochzahl die kleinste Vorfahrensnummer der jeweiligen Generation (also 8 ist die kleinste Vorfahrenszahl der dritten Vorfahrensgeneration, die größte Zahl ist die 2 hoch nächsthöhere Generation minus 1) etc. Mit jeder Generation verdoppeln sich die Familiennamen. Nur bei der Nachfahrensforschung gibt es den bekannten Ahnenschwund.
Anders als bei der Nachfahrensforschung: es ist völlig unklar, wieviele Kinder jemand hatte und wohin sie - sollten sie erwachsen geworden sein - gegangen sind, Dadurch ist die Nachfahrensforschung (Stammbaum) um ein Vielfaches schwieriger als die Vorfahrensforschung. Auch hat sich meines Wissens bei der Nachfahrensforschung bisher kein System zur Nummerierung durchsetzen können, mir sind verschiedene Systeme bekannt. Hier zählen auch ausschließlich die Männer, die Frauen gehen durch Heirat (anderer Name) verloren.
Interessant wird es eigentlich erst, wenn man für eine Generation X (z.B. die Urgroßeltern) die Vorfahrensforschung mit der Nachfahrensforschung kombiniert: Also Meine Urgroßeltern hatten welche Geschwister? Diese Geschwister hatten welche Kinder und Enkel und Urenkel - runter bis heute. Gleichzeitig wird es dann auch hochinteressant, graphische Darstellungen und Nummerierungen zu entwickeln, so dass es übersichtlich und klar ist/wird wer mit wem wie verwandt ist. Dabei sind die Bezeichnungen (z.B. Cousin 5. Grades, Klein-Groß-Cousine oder wie auch immer) in meinen Augen völlig zweitrangig, da so was in der Alltagssprache sowieso nicht verwendet wird, da nicht eingebürgert und somit nicht allgemeinverständlich.
Aber auch ich finde es äußerst spannend, dieses Thema mit Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten.
Daran anschließend könnte man natürlich noch einen Schritt weiter gehen: Jeder von uns hat einen Familiennamen. Was bedeutet er? Warum heißt man so wie man heißt? Nicht jeder Herr Müller ist ein Müller, Nicht jeder „Schwab“ ist Schwabe, nicht jeder „Fröhlich“ ist fröhlich. Etc. Kurz: Wann sind warum wo und wie die Familiennamen entstanden so wie wir sie heute kennen? Warum scheinen manche völlig klar (obwohl sie es eigentlich gar nicht sind) und andere völlig komisch und mysteriös, obwohl sie eigentlich ganz einfach sind (Mozart hat nichts mit „zart“ zu tun, sondern war ein alter Vorname, der in Mozart etwas „modernisiert“ wurde).
Jedenfalls finde ich Ihre Idee toll und ich würde mich sehr freuen, von Zeit zu Zeit mal ein „Update“ zu Ihrem Projekt zu lesen.
Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Weihnachtsfest
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Peren