AG Ahnenforschung in der Schule - Datenschutz?

Hallo ihr Lieben,

ich bin Lehrkraft an einer weiterführenden Schule und habe in diesem Schuljahr eine Arbeitsgemeinschaft Ahnenforschung ins Leben gerufen.
Da mit personenbezogenen Daten, auch lebender Personen gearbeitet wird, weiß ich nicht, wie man sich rechtssicher dem Thema „Datenschutz“ bei so einer AG stellt. Vielleicht kann mir jemand helfen.

Viele Grüße, Christian

Hallo Christian,

das Thema ist ja sehr interessant. Insbesondere auch an einer Schule.

Das Arbeiten mit personenbezogenen Daten noch lebender Personen ist heikel. Familienforschung bezieht sich ja in der Regel auf die Vergangenheit. Meistens sind die gesuchten Personen bereits verstorben. Und dennoch unterliegen auch die Daten der bereits verstorbenen Personen, insbesondere ihre Urkunden, noch sog. Schutzfristen. Siehe auch Schutzfrist – GenWiki.

Ich denke, man kann das Thema Familienforschung/Ahnenforschung viel besser mit Daten behandlen, die bereits verstorbene Personen betreffen. Ich würde die Arbeit mit noch lebenden Personen nicht empfehlen.

Viele Grüße.
Christian (Mette)

und noch etwas…

Wenn man nun den eigenen Stammbaum darstellen wollte, so gibt es die Möglichkeit, wie bei mancher Stammbaum-Software, die Geburtsdaten, Ehe- und Sterbedaten, die noch innerhalb der Schutzfristen liegen, einfach nicht anzuzeigen oder zu veröffentlichen. Somit kann man den Stammbaum ausbauen und präsentieren, die Schutzfristen bleiben aber gewahrt.

Hallo Christian, :slight_smile:

vielen Dank für diene Antwort!
Ich betreibe auch seit einigen Jahren Ahnenforschung, daher kommt auch die Motivation meine bisherigen Erfahrungen an meine Schüler weiterzugeben. Ist zwar eine recht kleine AG (= 7 Schüler) aber dafür sehr interessierte Schüler.
Meine Idee ist, dass die Schüler alleine an ihren Stammbäumen arbeiten und ich von unserer Datenschutzbeauftragten eine entsprechende Erklärung erstellen und die Schüler und deren Eltern unterschreiben lasse. Über allgemeine Verfahrensweisen kann man sich natürlich austauschen. Uns nur auf verstorbene Personen zu beschränken wird schwierig, da die Schüler wirklich bei Null anfangen und da gibt es naturgemäß lebende Personen als Bindeglieder zu den verstorbenen Vorfahren.
Viele Grüße, Christian

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Hallo Christian,

wenn man in so jungen Jahren schon mit der Familienforschung beginnt,
hat man ja einen unschätzbaren Vorteil, der genau die lebenden Personen
betrifft: Man kann sie noch fragen! Die schlichten Daten gibt es ja auch
in vielen Jahren noch. Aber was zwischen den Daten passierte, können nur
Menschen erzählen.

In einer Ahnentafel kann man ja Namen abkürzen (oder durch Bezeichnungen
wie „Großvater mütterlich“ ersetzen) und genaue Daten weglassen, wenn
das gewünscht wird.

Schöne Grüße
Renate

Hallo Renate,

da hast du vollkommen Recht!
Das fehlt mir selber auch etwas und diesen Vorteil haben aber die Schüler.

Wie sind eine kleine, feine Gruppe und arbeiten aber aufgrund des Datenschutzes überwiegend alleine. Dennoch freue ich mich sehr, dass sich junge Leute dafür interessieren und es spannend finden.
Ich habe im Geschichtsunterricht selber immer etwas von meinen Vorfahren erwähnt und das hat einige auch motiviert die AG zu wählen.

Viele Grüße
Christian

Sehr geehrtger Herr Knoll,

Nur eine kurze Anmerkung, da im bisherigen Beitragsfaden auch mehrfach das Wort „Stammbaum“ gefallen ist.

Der Unterschied zur Ahnentafel ist die Suchrichtung, also die Struktur. Einmal (bei der Ahnentafel) ist es die Vorfahrensforschung, also von heute immer weiter zurück in die Vergangenheit. Dabei kommt bei jeder Heirat eines Vorfahren ein neuer Familienname dazu (der der angeheirateten Frau), während es ja beim Stammbaum in die andere Richtung geht: vom Mittelalter Richtung heute, wobei es immer nur der Mannesname ist, der bleibt und erforscht wird.

Der Vorteil der Vorfahrensforschung ist, dass es biologische Gesetze gibt, wonach jeder Mensch genau einen Vater und genau eine Mutter hat. Nicht mehr und nicht weniger. Dadurch verdoppelt sich auch pro Generation die Anzahl der Vorfahren und für die Nomenklatur hat sich bewährt und durchgesetzt das System Kekule, welches nach mathematischen Regeln funktioniert und über welches genau definiert ist, welche Nummer welcher Vorfahre hat. Ferner kann man ja anhand der Nummer sofort sehen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, in welcher Generation sich dieser Vorfahre findet und die Gesamtzahl der Vorfahren in dieser Generation, mit welcher Nummer diese Generation beginnt und endet. Also nichts als Mathematik. 2 hoch 0 (= 1), 2 hoch 1 (= 2; Eltern), 2 hoch 2 (= 4; Großeltern), 2 hoch 3 (= 8; Urgroßeltern) 2 hoch 4, 2 hoch 5, 2 hoch 6 etc. Die Hochzahl ist jeweils die Generation der Vorfahren, 2 hoch 8 ist somit die 8. Vorfahrensgeneration, das Ergebnis der 2 hoch x ist die Anzahl der Vorfahren in dieser Generation, gleichzeitig ist die Hochzahl die kleinste Vorfahrensnummer der jeweiligen Generation (also 8 ist die kleinste Vorfahrenszahl der dritten Vorfahrensgeneration, die größte Zahl ist die 2 hoch nächsthöhere Generation minus 1) etc. Mit jeder Generation verdoppeln sich die Familiennamen. Nur bei der Nachfahrensforschung gibt es den bekannten Ahnenschwund.

Anders als bei der Nachfahrensforschung: es ist völlig unklar, wieviele Kinder jemand hatte und wohin sie - sollten sie erwachsen geworden sein - gegangen sind, Dadurch ist die Nachfahrensforschung (Stammbaum) um ein Vielfaches schwieriger als die Vorfahrensforschung. Auch hat sich meines Wissens bei der Nachfahrensforschung bisher kein System zur Nummerierung durchsetzen können, mir sind verschiedene Systeme bekannt. Hier zählen auch ausschließlich die Männer, die Frauen gehen durch Heirat (anderer Name) verloren.

Interessant wird es eigentlich erst, wenn man für eine Generation X (z.B. die Urgroßeltern) die Vorfahrensforschung mit der Nachfahrensforschung kombiniert: Also Meine Urgroßeltern hatten welche Geschwister? Diese Geschwister hatten welche Kinder und Enkel und Urenkel - runter bis heute. Gleichzeitig wird es dann auch hochinteressant, graphische Darstellungen und Nummerierungen zu entwickeln, so dass es übersichtlich und klar ist/wird wer mit wem wie verwandt ist. Dabei sind die Bezeichnungen (z.B. Cousin 5. Grades, Klein-Groß-Cousine oder wie auch immer) in meinen Augen völlig zweitrangig, da so was in der Alltagssprache sowieso nicht verwendet wird, da nicht eingebürgert und somit nicht allgemeinverständlich.

Aber auch ich finde es äußerst spannend, dieses Thema mit Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten.

Daran anschließend könnte man natürlich noch einen Schritt weiter gehen: Jeder von uns hat einen Familiennamen. Was bedeutet er? Warum heißt man so wie man heißt? Nicht jeder Herr Müller ist ein Müller, Nicht jeder „Schwab“ ist Schwabe, nicht jeder „Fröhlich“ ist fröhlich. Etc. Kurz: Wann sind warum wo und wie die Familiennamen entstanden so wie wir sie heute kennen? Warum scheinen manche völlig klar (obwohl sie es eigentlich gar nicht sind) und andere völlig komisch und mysteriös, obwohl sie eigentlich ganz einfach sind (Mozart hat nichts mit „zart“ zu tun, sondern war ein alter Vorname, der in Mozart etwas „modernisiert“ wurde).

Jedenfalls finde ich Ihre Idee toll und ich würde mich sehr freuen, von Zeit zu Zeit mal ein „Update“ zu Ihrem Projekt zu lesen.

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Weihnachtsfest

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Hallo,
ich habe im Rahmen einer Projektwoche mal ein Projekt “Familiengeschichte” angeboten. Ich habe mich dabei auf den Standpunkt gestellt, dass ich die Schüler anleite, ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen - ohne dass ich deren erfasst oder verarbeitet oder gespeichert hätte (also nicht die von lebenden Personen). Den Schülern habe ich gezeigt, (a) wie sie auf Papier eine Ahnentafel erstellen und ausfüllen; (b) welche QUellen es gibt, wo man sie findet etc.; (c) wie man bei einem Archiv anfragt; und vor allem (d) wie man alte Schriften liest und Standesamtsregister und KB auswertet.
Zugänglich sind ja eh erst Daten / Digitalisate vor pi x Daumen 1920. Also habe ich gesagt, dass sie über Eltern und Großeltern selbst bis zu den Urgroßeltern oder Ururgroßeltern kommen müssen und deren Daten mitbringen sollen.
Dass dann einige mir ihre ganze Ahnentafel vorgelegt haben - ja mei: Ich bin Lehrer, ich erfahre in vertraulichen Gesprächen teilweise sehr viel heiklere Dinge, ich gebe Noten; ich habe keinen gezwungen; die Meldung zu der Arbeitsgruppe war freiwillig; ich gehe davon aus, dass die Eltern davon wissen; ich habe keine Daten erhoben, sondern allenfalls gesehen. Und wir haben über Datenschutz etc gesprochen und keine Daten Lebender veröffentlicht oder präsentiert.
Viele Grüße
tobias_k

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Klasse, Herr Tobias K, ein dickes Lob und ein Herzchen von mir für Ihr Engagement!

Allzeit viel forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren