75. Deutscher Genealogentag - Tag 1

Originally published at: 75. Deutscher Genealogentag - Tag 1 • Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)

Am Freitag, 26. September 2025, startete in Frankfurt am Main der 75. Deutsche Genealogentag (DGT). Unter dem Motto „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam entdecken“ lud die Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e. V. (DAGV) gemeinsam mit FamilySearch Europe zu Vorträgen, Workshops, Ausstellung und Begegnungen ein. Wir hatten vor einigen Tagen hier im CompGen-Blog dazu eingeladen.

Der Tag begann mit dem Aufbau der Messestände in einer perfekt organisierten Umgebung. Wir wurden herzlich empfangen, beim Ausladen und Transport unterstützt und rundum versorgt. So startete der Tag in einer sehr harmonischen Stimmung. Ringsum freundliche und hilfsbereite Menschen. Der CompGen-Stand war schnell aufgebaut. Auch die Schautafeln zu unseren Freiwilligenprojekten wurden dank tatkräftiger Hilfe von FamilySearch-Mitarbeitern professionell aufgehängt.

Eröffnung und Verleihung des Nachwuchspreises

Um 14 Uhr eröffnete Dirk Weissleder (Vorsitzender DAGV) die Veranstaltung und hieß die Besucher herzlich willkommen. Hausherr Torsten Kux (Regional Manager FamilySearch, Europa) führte in seiner Keynote ins Thema ein: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam entdecken.

Danach erfolgte die Verleihung des DAGV Nachwuchspreises 2025 an Wolfgang Zehetner. Er betreibt das Projekt Haus und Hof – Hausgeschichte digital, sammelt und veröffentlicht dort historische Daten zu Häusern (Hausnamen, Besitzer, Grundherrschaften etc.) vor allem in der Region Mostviertel (Niederösterreich). Bislang umfasst das Projekt ca. 34.000 Datensätze.

Workshop zu Ortsdatenbanken

Danach startete das Vortrags- und Workshop-Programm. Patricia Mollemans und Georg Fertig stellten in ihrem Workshop „Wie finde ich Orte? – GOV, Places und andere Ortsdatenbanken“ das Geschichtliche Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie (CompGen) und die Ortsdatenbank von FamilySearch vor und demonstrierten ihre spezifischen Möglichkeiten. Beide haben versprochen, in einem künftigen Blog-Beitrag die jeweils etwas versteckten Suchmöglichkeiten genauer zu erklären. Besonders CompGen kann viel mehr als es zeigt – von der erweiterten Suche im GOV bis hin zur sehr leistungsfähigen, aber unaussprechlichen Toponymresolution.

Gespräche und Poster-Ausstellung

Viele Besucher am Stand von CompGen waren überrascht und begeistert von den Postern, die zuvor bereits in Halle gezeigt worden waren. Diese Projekt-Galerie zeigt die Vielfalt der Projektaktivitäten im Genealogienetz in eindrucksvoller und sehr ansprechender Weise. Eine neu erstellte Broschüre gibt einen Überblick. So konnte man schnell ins Gespräch kommen und die Anliegen der Besucher am Stand in einen größeren Zusammenhang einbetten. In einigen Gesprächen wurden Ideen zu neuen Projekten an uns herangetragen – mal sehen, was wir davon zukünftig auf neuen Postern werden präsentieren können.

Abgeschlossen wurde der erste Tag um 18:30 Uhr mit dem DAGV-Empfang für die Aussteller und Vortragenden. Das bot Gelegenheiten für weitere interessante Gespräche. Es brauchte keinen Alkohol – wir sind bei „Mormonen“ zu Gast! – für eine gute Stimmung!

Am Abend fand sich eine Runde von CompGen-Mitgliedern zu einem spontan über die Mitgliedermailingliste organisierten Gemütlichen Abend in einer nahegelegenen Pizzeria zusammen. Das persönliche Gespräch empfanden alle als den wichtigsten Aspekt des Genealogentags.

Wir freuen uns alle auf die nächsten Tage! Am Samstag ist das Programm und das Begleitprogramm prall gefüllt.

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Gratulation an Wolfgang Zehentner für den Preis!

Beim Lesen des Beitrags ist mir der Gedanke durch den Kopf gegangen, ob es nicht an der Zeit wäre, seinen Ansatz bei Haus & Hof zu „internationalisieren“. Ich verfüge zum Beispiel über Daten aus einer südostbayerischen Region, die an Österreich grenzt. Diese Daten sind in ihrer geografischen Detailtiefe äquivalent zu den Daten von Haus & Hof (in ihrer genealogischen und ethnologischen Detailtiefe gehen sie sogar deutlich darüber hinaus). Ich bin mir sicher, dass es jede Menge Forscher:innen gibt, die über vergleichbare Daten verfügen (z. B. eine bayernweite Mühlen-Datenbank).

Wäre es nicht ein interessantes und zukunftsweisendes Vorhaben, den Ansatz von Haus & Hof aufzugreifen und unter dem Dach der DAGV (oder wem auch immer) als Plattform anzubieten? Diese Plattform würde GOV weiter detaillieren und GEDBAS in die Dimension Geolokalisierung erweitern.

Hallo Ulrich,

Was stellst Du dir da vor?

Was bräuchte es, außer Menschen?

Bis denne…
Bernhard

Der wichtigste Punkt sind Menschen, das ist klar. Menschen, um so eine Plattform aufzubauen und zu betreiben, und Menschen, die sie mit ihren Daten füllen. Zumindest Letzteres funktioniert ja bei GEDBAS und GOV ganz gut, von all den internationalen Plattformen gar nicht zu reden. Insofern wäre ich, was das Füllen angeht, recht optimistisch, wenn erst das Angebot da ist, das gefüllt werden kann.

Ich habe in meinem Berufsleben viele IT-lastige Projekte gemacht oder begleitet und die erste Frage, die ich mir immer gestellt habe, war: was kann ich nutzen, das bereits vorhanden ist? Die technische Lösung von Haus & Hof ist bereits vorhanden, also wäre der erster Punkt, den ich versuchen würde zu klären, die Frage, ob diese technische Lösung (oder eine analoge) genutzt werden kann. In diesem Kontext muss man dann logischerweise die Frage diskutieren, wie die Daten in die Lösung hineinkommen (vulgo: Schnittstellen).

Ich denke, am sinnvollsten wäre es, wenn sich einfach verschiedene Leute, die an dem Thema und seinen verschiedenen Aspekten (z B Betriebskonzept, Schnittstellen, relevante IT-Technologie) interessiert sind, an einem (virtuellen) Tisch zusammensetzen würden, um das Thema abzuklopfen. Ein nächster Schritt könnte dann ein „proof of concept“ sein: wie würde es konkret aussehen, wenn man eine existierende IT-Lösung mit neuen Daten füllen würde?

Voraussetzung für das alles wäre natürlich, dass sich irgendeine Organisation bereit erklärt, das Thema ernsthaft anzugehen.

So wird das nicht funktionieren.

Ich teile mal meine Gedanken dazu mit.

Es geht darum, ob erst Strukturen entstehen müssen, bevor Menschen aktiv werden , oder ob Menschen aktiv werden müssen, um Strukturen zu schaffen .

Hier haben wir eine typische Startblokade.

Technische Möglichkeiten sind vorhanden, motivierte Menschen sind prinzipiell da, aber es fehlt eine tragfähige organisatorische Verankerung. Gleichzeitig wird als Voraussetzung formuliert, dass „irgendeine Organisation“ das Thema offiziell übernimmt – was wiederum oft erst passiert, wenn ein Projekt erfolgreich beginnt.

Funktioniert so Kollaboration? Eher eingeschränkt.

Denn echte Kollaboration – gerade in frühen Phasen – lebt davon, dass Menschen anfangen auch ohne fertige Institution erste Schritte zu gehen.
Wenn alle Beteiligten warten, bis jemand anders die Verantwortung oder den organisatorischen Rahmen stellt, entsteht eine Art kollektive Passivität, die Projekte blockieren kann.

Kurz gesagt: Kollaboration funktioniert am besten, wenn Menschen den Anfang machen und die Organisation im Prozess wächst .

Wolfgang Zehetner hat es so vorgemacht.

Ähnliche Ansätze werden hier verfolgt:

https://wiki.genealogy.net/Portal:Höfe_und_Bauern

https://wiki.genealogy.net/Portal:Müller_und_Mühlen

Ich könnte weiter aufzählen, möchte aber Deine Gedanken lenken. Ein Portal ist aktiv, das andere Portal leider verwaist.

Du bist hier bei CompGen schon richtig. Ernsthaft angehen aber müssen es Menschen.

Mir fällt jetzt noch ein Projekt ein, welches unter dem Dach von CompGen erfolgreich war und bis heute auch noch ist.

Hier der Werkraum
https://team.genealogy.net/project/deutschsprachiges-handbuch-fuer-das-open/microsite/

Und hier das Ergebnis
https://wiki.genealogy.net/Webtrees_Handbuch

Bleib am Ball…

Bernhard

Der Wolfgang Zehetner hat, soweit mir aus den Diskussionen mit ihm bekannt ist, in der Tat zunächst als „Einzelkämpfer“ begonnen und dann seine technische Lösung unter die „Obhut“ der ÖFR gestellt. Ich habe ebenfalls eine „Einzelkämpfer-Lösung“, die technisch eine ganz andere Basis als Haus & Hof hat. Die Mühlendatenbank, die ich oben verlinkt habe, ist ebenfalls eine Einzelkämpfer-Lösung und hat wieder eine ganz andere technische Basis. Ich bin mir sicher, dass diese Aufzählung noch lange fortgeschrieben werden könnte mit weiteren Einzelkämpfer-Lösungen, die im Internet existieren.

Alle diese Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile. Sie sind konzeptionell (nicht technisch) das Analogon zur lokalen Installation einer Genealogie-Software auf meinem privaten PC. GEDBAS ist das Angebot von CompGen, diese lokal gehaltenen Daten auf einer Internet-Plattform zu teilen, so einem großen Nutzerkreis zugänglich zu machen, und auf diesem Weg Erkenntnisse zu generieren, die auf der lokalen Festplatte halt nicht möglich sind. GEDBAS ist klassische Citizen Science mit allen Vor- und Nachteilen dieses Ansatzes und ein solcher Ansatz braucht immer eine organisatorische Hülle. Ohne diese Hülle ist Citizen Science nicht möglich und Einzelkämpfer bleiben Einzelkämpfer.

Das war meine Anregung: den Gedanken von GEDBAS aufzugreifen und mit einem geeigneten technischen Konzept zu koppeln, um GEDBAS um die Dimension der Geolokalisierung zu erweitern und gleichzeitig GOV um eine Detailebene anzureichern. Daher denke ich nicht, dass wir eine Startblockade haben (gestartet sind die vielen Einzelkämpfer ja schon), sondern es geht um den organisatorischen Rahmen für ein Citizen Science Projekt.

Und ja, ich denke, dass genau so Kollaboration funktioniert und funktionieren kann. Alle Beispiele, die du verlinkt hast, sind für mich Beispiele von Citizen Science, in denen CompGen die Hülle ist und eine Plattform anbietet, auf der dann die Erkenntnisse vieler „Einzelkämpfer“ konsolidiert werden.

Jetzt müssen wir, wir zwei Beide, nur noch den Beweis antreten.

Wir telefonieren.