GEDCOM: UIDs außerhalb der eigenen Datei

Noch einmal: Die UID wurde im GEDCOM Standard eingeführt, um eine Datenstruktur (z.B. einen Datensatz, oder auf Ebene 1 ein Ereignis, ein Fakt etc) zu identifizieren und verfolgen zu können. Und nicht ein Subjekt (also z.B. eine Person).

Wenn ich manuell eine vorhandene UID aus einem vorhandenen Datensatz in einen neuen Datensatz übertrage, dann breche ich mit der Logik, für die die UID eingeführt wurde. UIDs sind definitiv NICHT eingeführt worden, um weltweit Personen als gleich zu identifizieren.

Wenn ein Anwender in einem Programm einen Datensatz neu anlegt, dann darf bei Befolgung des GEDCOM Standards keine bereits vorhandene UID eingesetzt werden. UIDs sind laut Standard optional, aber wenn sie benutzt werden, muss bei einem Standard-konformen Anlegen eines neuen Datensatzes eine gemäß den Vorschriften zu UIDs zufällig erzeugte UID eingesetzt werden, die mit völlig ausreichender Sicherheit anders als alle anderen vorhandenen UIDs ist.

GEDBAS versucht jetzt diese Konstruktion für einen ursprünglich nicht vorgesehenen Zweck zu benutzen, nämlich für die Verfolgung von Personen. Das funktioniert zum Teil schon, aber auf keinen Fall sind gleiche Personen immer mit gleicher UID ausgestattet. Wenn zwei Forscher unabhängig voneinander dieselbe Primärquelle auswerten, haben sie verschiedene Datensätze und somit auch verschiedene UID. Das hochgeladen, finde ich mit der Suche nach der UID eben nicht alle Datensätze, die identische Personen beschreiben. Sondern nur die, die die Datensätze (oder UID) von anderen übernommen haben.

Ein System zu entwickeln, in dem zwei verschiedene Datensätze gekennzeichnet werden, weil sie dieselbe Person beschreiben, wäre eine ganz andere Aufgabe. Dafür müsste auch ein anderes Konzept verwendet werden als der Missbrauch der UID nach GEDCOM Standard. Und vor allen Dingen sind sich die Forscher ja längst nicht einig, welche Daten wirklich zu einer bestimmten Person gehören. Da werden in den “Weltstammbäumen” Personen und Familien mit abenteuerlichsten Verknüpfungen konstruiert, die einer genauen Überprüfung mittels Originalquellen dann sehr oft nicht standhalten. Wie in einem solchen Wirrwarr einer “tatsächlichen Person” eine eineindeutige ID zugeschrieben werden sollte, und diese ID dann allen Vorkommen dieser Person auch zugeordnet ist, hat wohl noch keiner lösen können.

Es kann sogar passieren, dass trotz identischer UID klar verschiedene Personen in den Datensätzen stecken. Das passiert insbesondere dann, wenn ein vorhandener Datensatz mit rudimentären Daten mehrfach kopiert wird (oder eine UID in einen weiteren Datensatz kopiert wird), und dann mit unterschiedlichen Quellen weiter Daten ergänzt werden. Da der ursprüngliche Datensatz mit geringem Inhalt auf sehr viele verschiedene Personen zutreffen kann, entwickelt sich das schnell auseinander. Dabei ist also eine Übernahme einer UID in einen neuen Datensatz genauso kritisch - auch der könnte mit Daten zu anderen Personen weiterentwickelt werden. Jesper Zedlitz hat diesen Effekt in GEDBAS durchaus bemerkt und berichtet…

Deswegen sollte das “Kopieren” bereits vorhandener UID in neue Datensätze auf jeden Fall unterbleiben.

Und es ist auch der Grund, warum ich Datensätze mit derselben UID nicht ohne ausführliche Prüfung verschmelze. Das hat mich schon vor manchem gravierenden Arbeitsfehler bewahrt!