Zweiter Weltkrieg - Polen in der Wehrmacht: Verräter oder Opfer NS-Deutschlands?

Die Ausstellung „Unsere Jungs“ im Rathaus von Danzig/Gdansk beleuchtet den Militärdienst von Polen in der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs, ein lange verschwiegenes Tabuthema. Die Ausstellung zeigt Porträts von Polen, die in der Wehrmacht dienen mussten.

Reaktionen auf die Ausstellung

Die Ausstellung stieß in Polen auf geteilte Reaktionen. Rechtskonservative Kreise reagierten mit Ablehnung und Empörung und bezeichneten die Darstellung von Soldaten des Dritten Reiches als „unsere“ als „historische Lüge“ und „moralische Provokation“. Der damalige Präsident Andrzej Duda betonte, dass Polen Opfer der deutschen Besatzung und des Terrors waren, nicht Täter.

Argumente der Ausstellungsmacher

Die Ausstellungsmacher argumentieren, dass die polnische Erinnerungspolitik oft nur Schwarz-Weiß-Schema kennt und sie die Zwischentöne zeigen wollen, die tragischen Schicksale von Menschen, die unter brutalen Druck gerieten. Nach der Besetzung Polens wurden weite Teile des Territoriums ins Deutsche Reich eingegliedert, und die polnische Führungsschicht wurde verfolgt.

Die „Germanisierung“ und ihre Folgen

Im Zuge der „Germanisierung“ wurden Menschen in die „Deutsche Volksliste“ (DVL) aufgenommen, was Privilegien, aber auch die Wehrpflicht bedeutete. Diejenigen, die sich weigerten, drohten Repressalien. Den Betroffenen blieb oft nur die Wahl zwischen Untertauchen oder dem Dienst in der Wehrmacht.

Nachkriegszeit und gesellschaftliche Reaktion

Nach Kriegsende galten Polen, die auf der DVL standen, als Landesverräter, und viele schwiegen über ihre Vergangenheit. Die Erfahrungen von Menschen aus Randgebieten wie Pommern oder Oberschlesien werden oft ignoriert. Die Ausstellung hat jedoch eine lebhafte gesellschaftliche Reaktion ausgelöst, und viele Menschen haben Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt.

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