Hallo, Birgit und andere Interessierte,
falls es fahrende Händler gewesen sind: Es war natürlich für Leute, die z.B. etwas verkaufen wollten, damals nicht so einfach, am selben Tag wieder zurück nach Hause zu fahren oder zu laufen. Der Radius wäre sehr begrenzt gewesen. Autos und die Bahn gab es ja damals noch nicht. (Als es die ersten Eisenbahnen gab, führte dies unter den Politikern und sogar unter den Philosophen zu heftigen Kontroversen, wie schädlich das Reisen mit dem "Dampfross" sein konnte! Man befürchtete sogar gesundheitliche Schäden - nicht wegen der Technik, sondern wegen der Geschwindigkeit! - , aber das ist ein anderes Thema. Und plötzlich konnte jeder Mensch, egal ob reich oder arm, egal welche Stellung er hatte, ganz schnell an einen anderen Ort gelangen, da konnten sich viele Menschen politisch versammeln.)
Wieder zurück zu den fahrenden Händlern: Möglicherweise nahm man auf dem Rückweg wiederum andere Waren mit und verkaufte sie wiederum unterwegs. Es gab ja Handelsknotenpunkte. Nicht jede Hausfrau wollte ihre Holzlöffel selber schnitzen, sondern sie kaufte sie gerne auf dem Markt. Nicht jede (wenngleich viele) hatte einen eigenen Webstuhl auf dem Hof und webte ihre Stoffe selbst, sondern man kaufte sie auf dem Markt oder an der Tür. Die fahrenden Händler konnten meist gut rechnen und auch schreiben. Auf ihren Reisen bekamen sie viel zu hören und zu sehen. Die Kenntnisse und Informationen gaben sie auch untereinander weiter, denn es gab auch Treffpunkte. Oft gab es auch eine Art "Geheimsprache", mit der man sich schützte.
Ein fahrender Händler ist nicht immer ein Vagabund gewesen. Z.B. hatten die "Tödden" (Tüötten) ja auch ihren festen Stammsitz, wo Frau und Kinder auf sie warteten, oft wochenlang. Man denke nur an die C/undA-Brennin ckmeyer Brüder, die so ihren Handel mit Stoffen begründeten.
Also, das ist ein sehr weites Thema. Wenn man einmal ein Buch darüber liest und sich hinten im Buch die Quellenangaben durchliest, wo wiederum andere Bücher vermerkt sind, dann kann man sich monatelang mit dem Thema befassen (Fernleihe!). Das ist schon richtig spannend, wenngleich es nicht immer mit der eigenen Ahnenforschung zu tun haben muss. Das Thema ist vielleicht interessanter als jeder Roman.
Gründe für Ablehnung (vor allem der fahrenden oder umherziehenden Leute) kann es viele gegeben haben. Z.B. die Angst vor Krankheit (Pest, Malaria), die Angst, dass die einheimischen Handwerker wegen der "Konkurrenz" weniger verkaufen konnten. Vielleicht gab es in der Stadt auch Einfuhrbeschränkungen; aus diesem Grunde mussten die fahrenden Händler wohl außerhalb der Stadtmauern bleiben. Außerdem grundsätzliche Fremdenängstlichkeit. Angst bedeutet ja oft Ablehnung. Diebstahl mag hier und da auch vorgekommen sein, aber das muss man gelegentlich kritisch betrachten. Denn oft brauchte man auch nur Sündenböcke.
Einen Verbrecher wird man (sofern er im Ort ansässig war) ja aus dem Ort gejagt haben. Oder auch nicht.
Ein sehr interessantes Buch (allgemein zum Thema "Reisen") ist auch:
"Wege ins Ungewisse - Reisen in der frühen Neuzeit"
(Autor: Holger Thomas GRÄF, Ralf PRÖVE).
Das Buch ist wohl leider vergriffen, aber man bekommt es dennoch.
"Sorry", dass ich etwas vom Thema abgekommen bin, aber ich glaube, dass man hier und da das Thema auch einmal erweitern kann.
Korrekturen willkommen.
Viele Grüße,
Elke ( Spiech )