Wredesche Karten?

Hallo Forumsteilnehmer,
wer wei� etwas �ber die sogen. alten preu�. Kriegskarten z. B. die
Wredschen Kriegskarten von Schlesien.
Gru�
Anton

Anton H. Beyer schrieb:

Anton H. Beyer schrieb:

"Sie erw�hnen auch noch die Urme�tischbl�tter von 1823-31. Sind diese identisch
mit den heute noch erh�ltlichen und f�r jedermann bestellbaren
Me�tischbl�ttern?"

Nein! [s. u.]

"Kennen Sie auch den Artikel: 'Das Kataster Friedrichs des Gro�en und seine
Bedeutung f�r die schles. Agrargeschichte' von Friedrich Eschrich in:
Zeitschrift des Vereins f. Geschichte Schlesiens, Bd. 59, S. 29-73?"

Ich kenne ihn, habe ihn aber (als, wie mir schien, f�r meine Zwecke nicht so
wichtig) damals leider nicht kopiert.

"Wissen Sie, ob diese Klassifikation (�hnlich wie f�r die Neumark) auch f�r
Schlesien gedruckt vorliegen oder wo ggf. diese Unterlagen einzusehen oder
Ausz�ge zu bestellen sind?"

Diese Frage kann ich beantworten, sobald ich Eschrichs Aufsatz nochmals (und
nicht nur oberfl�chlich) gelesen habe.

Zur Unterscheidung der Me�tischbl�tter zitiere ich der Einfachheit halber aus
dem Ausstellungskatalog "Kostbare Handschriften und Drucke" der Stiftung
Preu�ischer Kulturbesitz, Wiesbaden 1978, S. 179:

"Nach Beendigung der Befreiungskriege (1815) sollte in Preu�en eine einheitliche
Landesaufnahme durchgef�hrt werden. Die Arbeiten begannen 1816 und standen unter
der Leitung des Generalstabs, dazu wurde auch die Triangulierung auf die
�stlichen Teile der Monarchie ausgedehnt. Die neue Karte war als
Gradabteilungskarte angelegt. Die einzelnen Aufnahmesektionen im Ma�stab 1:25000
sind mit Hilfe von Me�tisch und Diopterlineal gezeichnet. Beteiligt an den
Aufnahmen waren zun�chst Offiziere w�hrend ihrer Ausbildung im Generalstab [...]

Obgleich einheitliche und verbindliche Richtlinien den Aufnahmen zugrundelagen,
jedoch die Bearbeiter mehrfach wechselten, besitzen die Originalaufnahmen, die
sogenannten Urme�tischbl�tter, keine einheitliche Ausf�hrung. Die Bl�tter dieser
ersten Aufnahme sind nicht ver�ffentlicht worden.

In den Jahren 1823 bis 1831 wurden die Aufnahmen in der Provinz Schlesien
durchgef�hrt. Hier war auch der sp�tere Generalfeldmarschall und Chef des Gro�en
Generalstabs Graf Helmut von Moltke (1800-1891) eingesetzt [...]

Verglichen mit einem modernen Me�tischblatt enth�lt die Gradabteilungskarte noch
einige Ungenauigkeiten, auch fehlen H�henangaben wichtiger Gel�ndepunkte..."

Die handkolorierten Karten der Uraufnahme sind �brigens auch h�bsch anzusehen.
Aufbewahrt werden sie unter Signatur Kart. N 729-[Blattnummer]. Bei Bestellung
von Negativen oder Diapositiven bitte Blattnummer und gew�nschten Ausschnitt
angeben!

Die bekannten, im Handel erh�ltlichen Me�tischbl�tter aus der Zeit um 1930 sind
eine (in Einzelheiten) korrigierte Neuauflage der Me�tischbl�tter aus dem
letzten Viertel des 19. Jahrhunderts (Signatur Kart. N 730; bei Angabe der
Me�tischblattnummer Kopien zu geringem Preis erh�ltlich). Im genannten
Ausstellungskatalog kann man nachlesen:

"Die Gr�ndung der K�niglich-Preu�ischen Landesaufnahme als einer selbst�ndigen
Abteilung des Gro�en Generalstabs [erfolgte im Jahre 1875]. Eine der wichtigsten
Aufgaben des neuen Instituts war die Neuaufnahme Preu�ens und der norddeutschen
Bundesstaaten im Ma�stab 1:25000. Die Kartenbl�tter waren f�r die
Ver�ffentlichung bestimmt und wurden im Steindruckverfahren vervielf�ltigt. Auf
Schlesien entfielen 362 Bl�tter [...]

Nach dem Ersten Weltkrieg ver�ffentlichte das inzwischen eingerichtete Reichsamt
f�r Landesaufnahme 1925 eine berichtigte Ausgabe. Der rechte Kartenrand enth�lt
die auf allen Me�tischbl�ttern wiederkehrenden Signaturen. Gegen�ber fr�heren
Karten f�llt die Verwendung von H�henlinien anstelle der Bergstriche f�r die
Terraindarstellung auf" [S. 180].

Die gro�e Exaktheit der Me�tischbl�tter seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist
dem zu dieser Zeit au�erordentlich verfeinerten (wenn auch schon zweihundert
Jahre zuvor entwickelten) Triangulationsverfahren zu verdanken, bei dem �ber das
ganze zu vermessende Gebiet ein (gleichsam virtuelles) Netz von Dreiecken gelegt
wird. Als bevorzugte Eck- und Vermessungspunkte dienen dabei hervorragende
Gel�ndemerkmale und hohe Bauwerke, insbesondere Kircht�rme. Jeweils zwei
benachbarte Dreiecke haben eine gemeinsame Seite. Die Winkel zwischen den
Dreiecksseiten werden gemessen; und wenn auch nur eine Seitenl�nge bekannt ist,
lassen sich mit Hilfe der bekannten trigonometrischen Lehrs�tze alle anderen
Werte genauestens berechnen.

Mit Hilfe solcher Lehrs�tze erh�lt man auch die genauen H�henunterschiede
zwischen verschiedenen hervorragenden Punkten [...]

[Auszugsweise aus: Das Dorfbild Klein Ellguths in den Karten des neunzehnten
Jahrhunderts; in: Klaus Kunze, Das schlesische Dorf Klein Ellguth
"Oel�nischen Creyses", K�ln 2000, S.157-162.]