Wort zum Sonntag :-)

In einer eMail vom 25.03.2006 21:38:50 Westeuropäische Normalzeit schreibt
wdfeja@gmail.com:

Durch die Verbreitung von falscher Bildung (Unbildung) u.a. in den Schulen
ist die Mär von diesem "deutschen" Buchstaben entstanden, gefördert u.a.
durch die unseligste Nationalbewegung unserer Geschichte (ca. 1900-1945), in
deren Zeit die Grafik dieser Ligatur dann auch die Form dieser falschen
Buchstabenkombination "sz" erhielt.

Hallo,

so interessant dieser Exkurs war - selbst für mich als jemand, dem das
scharfe "s" oder "eszett" oder eben "ß" gut gefällt -, isses schon heiß, daß die
Nazis das "ß" gefördert haben, wo sie doch mit "SS" viel mehr zu tun hatten :slight_smile:
- hm, böser Scherz.

Bei uns zuhause deutet die Schreibweise "ss" auf eine Verkürzung des
vorgehenden Vokals hin, während das "ß" diesen Vokal verlängert:

"krass" hat ein kurzes "a", während "groß" ein langes hat. Würde ich "groß"
als "gross" schreiben, würd es hier bei uns wie das englische "cross"
ausgesprochen - und das wäre ziemlich kraß nee krass, oder? (ähm ... vermutlich mit
Ausnahmen).

Natürlich ham dann die Ausländer ihre Probleme damit, da sie diesen
Buchstaben nicht kennen. Aber wie halte ich es bei Transkriptionen, wenn ein Wort mit
"ß" geschrieben wird - übertrage ich dann "ss" oder "ß"?

Roland Geiger, St. Wendel

Hallo Roland u. alle ß-Betroffenen,

genau dasist das Problem der Konvention: Kürzen des Vokals durch
Verdoppelung eines folgenden Konsonanten ist in der neuen Rechtschreibung
berücksichtigt. Darum hat man im Nicht-Schweizer-Deutsch das "ß" als
(Halb-)Buchstaben behalten.

Bei der Transskription aus alten Handschriften würde ich immer ein Doppel-S
bevorzugen, denn bis ins 19.Jh. hinein gab es kein "SZ", sondern nur die
beiden verschiedenen Ausprägungen des (einen) "s" - auch in der Handschrift.
Historisch korrekt ist daher IMMER "ss"!