Wir Ostpreußen, November 1949, Folge 19, Teil 1

November
Folge 19 vom 01.11.1949

Seite 4 De oal Prachersch singt
Nu kann eck nich mehr goane
un mächt so gärn noa Hus,
eck hebb keen Stoaw tom Wohne,
huck bute bi Storm un Brus.

Nun hebb eck säß Kinner jeboare
un si doch ganz alleen,
eck kann all nich mehr roare,
un helpe deit mi keen.

Nun mot eck stoaneu n prachre
un wer een stolzet Wief,
von all miene Koddre un Sache
mi ook keen beetke blef.

So will eck prachre un singe
von ons Heimat un dem, wat vorbie.
Vleicht kann eck foorts eenem finde,
de secht eenmoal Modder to mi.
Heinrich G. Kuhn

Seite 5 Aus der Geschichte Ostpreußens
Von Professor Dr. Bruno Schumacher, früher Königsberg
Zweite Fortsetzung
III
In einem über fünfzigjährigen Ringen war der Deusche Orden unter der Anteilnahme Europas des Preußenlandes Herr geworden. Manches Blut war auf beiden Seiten geflossen, aber das Prussenvolk war in diesen Kämpfen keineswegs auserottet oder vertrieben worden, wie immer wieder von mancher Seite irrtümlich behauptet wird. Wohl traf für einige Teile der eingeborenen Bevölkerung, soweit sie sich an dem großen Aufstand beteiligt hatten, eine gewisse Minderung ihrer Rechtsstellung und ihres Besitzes ein, aber im großen und gnzen blieb die bisherige soziale Schichtung von Grundherren, Bauern und Unfreien bestehen. Aus zahlreichen Verleihungsurkunden des 13. bis 15. Jahrhunderts (sog. Handfesten) ersieht man, dass auch die Besitzverhältnisse von Prussen aller Stände, denen der orden vertrauen konnte, von ihm rechtlich geschützt wurden. Besonders das Samland war reich an solchen Preußischen Freien. Eine Vermischung der Urbevölkerung mit deutschen Ansiedlern, also eine planmäßige Germanisierungspolitik, hat der Orden dagegen bewusst vermieden. Diese hat sich erst gegen Ende und nach Schluss der Ordenszeit stillschweigend vollzogen, teilweise im Zusammenhang mit einer sozialen Verschlechterung der deutschen Bauern. Wo Prussen geschlossen siedelten, wurden überhaupt keine deutschen Einwanderer angesetzt. Bis in die Gegenwart hinein ließ sich das an der Tatsache erkennen, dass manche Ortsnamen unseres Landes den Vorsatz Preußisch-, andere wieder Deutsch- trugen. Das Land war, besonders in seinen waldreichen Gegenden, noch so dünn besiedelt, dass beide Bevölkerungsteile nebeneinander Platz hatten. Die Städte allerdings waren von Anfang an rein deutsche Neusiedlungen.

Wie kam es überhaupt zu einer deutschen Einwanderung? Als der Deutsche Orden das Prussenland betrat, war die Ausbreitung des deutschen Menschentums aus den übervölkerten westlichen Gebieten nach dem dünner besiedelten Osten schon über ein Jahrhundert im Gange, ja, der bayrische Stamm hatte schon seit dem 9. Jahrhundert zu dieser Bewegung südostwärts begonnen und damit den Grund zu dem deutschen Österreich gelegt. Jene nördlichere deutsche Ostbewegung aber hatte seit etwa 1150 Pommern, Brandenburg, Sachsen-Meißen, Schlesien und das Sudentenland erfüllt und war um 1200 auch in das links der Weichsel gelegene Pommerellen vorgestoßen, wo besonders das Kloster Oliva einen kolonisatorischen Mittelpunkt bildete. Überall waren diese deutschen Landedelleute, Bauern und Bürger nicht als kriegerische Eroberer gekommen, sondern zu friedlicher Arbeit, vielfach sogar von den slawischen Landesherren gerufen, die den Fleiß und die Überlegenheit wirtschaftlichen, besonders landwirtschaftlichen Könnens dieser Deutschen im wohlverstandenen Interesse ihres Landes zu würdigen wussten. Zur See aber begannen seit etwa 1200, von Lübeck ausgehend, unternehmende und weitblickende Fernkaufleute die Küste der Ostsee mit einem Kranz städtischer Siedlungen zu umziehen. Schon 1201 entsteht Riga als deutsche Stadt, und nicht viel später liegen die Anfänge einer deutschen Stadtgemeinde in Danzig.

Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, dass der Kreuzzug des Deutschen Ordens nach dem Prussenlande fast naturgemäß der deutschen Ostbewegung ein neues Ziel eröffnete. Nur darf man sich darunter nicht eine sofortige Massenansiedlung, besonders bäuerlicher Kreise, vorstellen. Dazu waren die Jahre des Kampfes ohnehin nicht angetan. Der Orden hat vielmehr, wahrscheinlich durch seine mittelmeerischen Erfahrungen belehrt, zunächst die Gründung von Städten ins Auge gefasst und zwar an solchen Stellen, die günstige Stützpunkte eines Fernhandels zu werden versprachen. Schon in den ersten Kreuzfahrerheeren, die ihm zu Hilfe kamen, müssen sich solche burgenses (Burgmannen, Bürger) befunden haben. Denn schon 1233 konnte der Orden den beiden städtischen Siedlungen, die sich rasch um seine ersten Burgen Thorn und Kulm gebildet hatten, in der berühmten Kulmischen Handfeste ihre Verfassung verbriefen, deren Bestimmungen für spätere Stadtgründungen vorbildlich wurden unt mit entsprechenden Abwandlungen auch auf das ländliche Siedlungsrecht Anwendung fanden. Dass bei solcher Städtegründungspolitik, sobald erst einmal der Zugang zur Ostsee erreicht war, die Verbindung mit den Lübeckern geradezu selbstverständlich wurde, zeigt das Beispiel Elbings, das unmittelbar nach der Anlegung der dortigen Burg 1237 als Stadt von Siedlern aus Meißen und Lübeck begründet wurde und darum auch nicht das kulmische, sondern das lübische Stadtrecht erhielt; das Gleiche geschah übrigens in Memel 1257 und etwas später in Braunsberg. Auch in Königsberg erhob sich gleich nach der Erbauung der ersten Burg (1255) eine westwärts von ihr gelegene, etwa von der Steindammer Kirche bis zur Laak reichende Stadt, die allerdings 1262 dem Aufstand der prussen zum Opfer fiel, bald danach südlich der Burg neu aufgebaut wurde (die spätere Altstadt), ihre kulmische Stadtverfassung allerdings erst 1286 erhielt. Die beiden Schwesterstädte Löbenicht und Kneiphof folgten erst 1300 und 1327 nach.

Seite 5 Ansiedlungen von Bauern
Von vornherein aber fasste der Orden auch die ländliche Besiedlung ins Auge. Zunächst behalf er sich mit umfangreichen Landverleihungen an ritterbürtige Unternehmer, jedoch nicht um Riesengüter zu schaffen (die hätten sich damals auch gar nicht bewirtschaften lassen), sondern mit dem Ziel, dass diese Herren zu gegebener Zeit selbst kolonisieren sollten. Schon 1236 fand eine solche Großverleihung im pomesanischen Gebiet von Marienwerder statt. Aber erst nach der völligen Bezwingung des Prussenlandes (1283) begann die Ansiedlung von deutschen Bauern, und zwar allmählich von Weichsel und Haffküste nach Osten und Südosten vorschreitend. Das geschah planmäßig in der Weise, dass in den einzelnen Komtureien (Verwaltungsbezirken) bestimmte Teilgebiete, meist auf Waldboden und Ödländereien gelegen (also nicht auf dem von der eingeborenen Bevölkerung bebauten Land), gleichzeitig mit einem Kranz von deutschen Dörfern besetzt wurden. Den Mittelpunkt eines solchen Dorfsiedlungsgebietes bildete dann jedes Mal eine kleine Stadt, die nicht Fernhandelszwecken, sondern dem inneren Marktverkehr und dem Bedarf der dörflichen Siedlungen zu dienen hatte (z. B. Pr. Holland, Landsberg, Saalfeld, Deutsch-Eylau u. v. a.). Die deutschen Bauern waren freie Leute; vom Kriegsdienst waren sie so gut wie ganz befreit, ihre Leistung bestand vor allem in der Zahlung von Geldzins und Natualabgaben von ihrem erblichen Besitz, ihr Ackermaß betrug zwei bis vier Hufen, war also recht auskömmlich. War so das kulmische (später kölmische) Bauernrecht günstiger als ihr einstiges heimatliches, auch als das der prussischen Bevölkerung, so war dafür aber auch die von ihnen zu leistende Rodearbeit höher. Neben den Dörfern vergab die Landesherrschaft auch Güter von beschränktem Umfang (10 bis 40 Hufen), deren Besitzer (Freie genannt), nicht sowohl Geldzins als Kriegsdienst zu leisten hatten. Sie waren (beritten und schwer gerüstet) das eigentliche Landesaufgebot im Kriege.

Geburtsmäßig von einander abgegrenzte Stände zu schaffen, vermied der Orden geflissentlich; die Gliederung der Bevölkerung in Freie,Bürger und Bauern beruhte lediglich auf der Abstufung der Leistungen für das ganze. Insofern zeigt der Staat dieser ritterlichern Körperschaft geradezu ein demokratisches Gepräge. Die deutschen Siedler der Anfangszeit stammten aus dem alten deutschen Kernland Niedersachsen, ferner aus den östlichen Randlandschaften Thüringen-Meißen, Schlesien und dem Lübecker Gebiet, die selbst noch junger Kolonialboden waren. Nach holländischen Einwanderern hat die Stadt Pr.-Holland ihren Namen; Schlesier ließen sich vielfach im Ermland, auch in Pomesanien nieder.

Seite 6 Sachliche, formschöne Ordensbauten
Es entsprach dem Interesse des Papstes an der Christianisierung der Prussen und der geistlichen Versorgung der Gesamtbevölkerung, dass er schon im Anfang der Eroberungszeit, als kaum der äußerste Westen bezwungen war, auf die kirchliche Organisation des ganzen Landes bedacht war. Der päpstliche Legat, Bischof Wilhelm von Modena, teilte 1243 Preußen in vier Bistümer: Kulm, Ermland, Pomesanien, Samland. Jeder Bischof erhielt ein Drittel seines geistlichen Spengels als Herrschaftsgebiet, in dem er zusammen mit seinem Domkapitel als Landesherr wirkte. Da aber Bischöfe und Domkapitel aus den Priesterbrüdern des Ordens hervorgingen, so blieben die Grundsätze der Ordensregierung auch für ihre Landesverwaltung maßgebend, selbst im Ermland, das schon früh eine gewisse Sonderstellung einnahm.

Diese Übereinstimmung zeigte sich u. a. auch in den Bauten. Denn etwa seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ging der Orden allmählich dazu über, die behelfsmäßigen Wehranlagen seiner Anfangszeit in massive Bauten umzuwandeln. Mit der Einwanderung deutscher Stadtbürger hing das insofern zusammen, als durch sie die Technik des Ziegelbaus, der am Niederrhein und in Holstein schon seit über hundert Jahren geübt wurde, in das Preußenland kam. Vom Kulmerland ausgehend erhoben sich bald überalle jene stattlichen Backsteinbauten, die dem Ordensland bis zur Gegenwart ihren Charakter geben, nicht nur die Ordensburgen, die eine eigenartige Vereinigung von Festung, Kloster, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden darstellten, sondern auch die großen und kleinen Kirchen des Landes und die öffentlichen Bauten der Städte, wie Mauern, Tore und Rathäuser. In allen diesen Beziehungen unterschieden sich die bischöflichen Herrschaftsgebiete gar nicht von dem eigentlichen Ordensgebiet. Nichts machte und macht bis heute den deutschen Charakter des Prussenlandes so deutlich sichtbar, wie diese Bauten, die in ihrer soliden, strengen Sachlichkeit doch einer gewissen Formenschönheit nicht entbehren und sich übrigens im Laufe der Ordenszeit zunehmend der ernsten und herben Natur des Landes anzupassen wussten.

Hatte so die Landmeisterzeit von Anfang an neben den Kampfhandlungen eine vielseitige Friedens- und Kulturarbeit getrieben, so steigerten sich diese Leistungen nach der völligen Befriedung des Landes (1283) in erheblichem Maße. Als Beispiel wäre etwa die erste Eindeichung der Nogat- und Weichselniederungen durch den Landmeister Meinhard von Querfurt 1288 – 1294 zu nennen. Erst dadurch entstanden aus einem wüsten Sumpfgebiet jene fruchtbaren Werderlandschaften, die in besonderem Maße durch die Arbeit niederdeutscher Bauern erschlossen und die eigentliche Kornkammer des Ordensstaates wurden.

Kein Wunder daher, dass der Orden nun auch zunehmend an dem Schicksal des links der Weichsel gelegenen slawischen (nicht polnischen), längst von der deutschen Ostwanderung erreichten Pommerellen interessiert war, nachdem dessen einheimisches Herzogshaus 1294 ausgestorben war. Widerspruchsvolle Erbverträge des letzten Herzogs mit Brandenburg und dem polnischen Herzog von Cujavien führten zu Streitigkeiten zwischen diesen beiden Staaten, in die der Orden hineingezogen wurde und in die sich auch Böhmen auf Grund gewisser Lehensansprüche einmischte. Diese Wirren endeten damit, dass der Orden 1308 Danzig besetzte und 1309 gegen eine Geldzahlung von Brandenburg unter Zustimmung Böhmens das ganze Pommerrellen abgetreten erhielt.

Seite 6 Marienburg, hochmeisterliche Residenz
Mit dieser für die Verbindung Ostpreußens zum Reiche so wichtigen, für die künftige außenpolitische Stellung des Ordensstaates zu Polen freilich recht folgenschwere Erwerbung eines Landes, das schon vor der slawischen Besiedlung jahrhundertelang Wohnsitz germanischer Stämme gewesen war, schloss die Landmeisterzeit. Im September 1309 hielt der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen seinen Einzug in Preußen. Das bisherige Komtursschloß Marienburg, recht in der Mitte zwischen Ost- und Westpreußen gelegen, wurde nun hochmeisterliche Residenz und Sitz der Ordensregierung, während bis dahin die preußischen Landmeister im Schloß Elbing residiert hatten.

Längst war ja das Preußenland, einst nur Außenposten, der wichtigste Besitz des Ordens geworden, je mehr die christliche Herrschaft im Heiligen Lande ihrem Ende entgegenging. Bereits während der Landmeisterzeit hatten mehrere Hochmeister längere oder kürzere Zeit im Preußenlande geweilt. Als 1291 auch der letzte Stützpunkt in Palästina, Akkon, gefallen war, hatten die Hochmeister ihre Residenz nach Venedig verlegt, um zunächst noch ihrem ursrprünglichen Aufgabenbereich näher zu bleiben. Aber die Rolle der Deutschen im Mittelmeer war ja seit dem Ende des hohenstaufischen Kaisergeschlechts ohnehin ausgespielt; so war es denn nur folgerichtig und entsprach der deutschen Volksbewegung nach Osten, dass 1309 ein neues deutsches Kräftezentrum an der Ostsee entstand.
Wird fortgesetzt

Liebe Mitleser,
habe vom Archiv in Otwock den Geburtseintrag von Emilie Ottilie NEUMANN als Scan erhalten.
Das Gebiet bei Warschau muss 1888 russisch gewesen sein.
Der Eintrag ist auf russisch.
Ob mir da jemand bitte beim Übersetzen helfen könnte???

Würde den Scan dann direkt senden.

Freundliche Grüße
und einen schönen Sonntag

Reinhard (Schade)