Wir Ostpreußen, Juli 1949, Folge 11, Teil 2

Seite 8 Nur unter Tränen hat jeder seine Unterschrift abgegeben
07.04.1949
Liebe Frau und Herr Janello!
Schon im vorigen Brief habe ich Ihnen einiges über die Zustände, die bei uns herrschen, mitgeteilt. So schlimm, wie es bei uns zuging, werden Sie sich es bestimmt nicht gedacht haben. Schon Ende Januar (49) folgte eine Versammlung der anderen. Es wurde uns immer wieder gesagt, dass hir schon Polen ist und dass es daher hier auch keine Deutschen mehr gibt. Man drohte uns damit, dass jeder, der nicht für Polen durch seine Unterschrift optierte, für acht Jahre nach Warschau zur Aufbauarbeit kommen würde. Niemand fürchtete sich davor, denn jeder sagte sich, auch dort leben Menschen. In dieser zeit gab es auch für Deutsche hier nichts zu kaufen. Als die Herren sahen, dass sie auch damit nichts erreichten, wandten sie andere Mittel an. Am 14.02. war für uns Deutsche eine Versammlung in der Schule. Erst hat ein U.B.-Mann uns eine große Rede gehalten: Wer heute nicht unterschreibt, ist ein großer Nazi und auch ein Feind der jetzigen Regierung. Er wird danach seine Strafe bekommen. Nach kurzer Zeit erschien der Amtsvorsteher und auch die Polizei. Die Türen wurden verschlossen, und niemand wurde herausgelassen, der nicht seine Unterschrift gegeben hatte. Wir haben einen günstigen Augenblick abgepasst und sind ausgerückt. Die Unterschriften dauerten bis 1 Uhr nachts, und es kamen wohl über 280 Stimmen zusammen. Darunter waren von unserem Hause nur G.

Wir dachten nun, dass die polen nun genug Stimmen erhalten haben würden und wir den schweren Schritt zur Unterschrift nicht zu tun brauchten. Aber leider kam es anders. Am nächsten Tage wurden die restlichen Deutschen nach B. bestellt. Nur wenige sind dorthin gegangen. Wir wollten es darauf ankommen lassen und gingen auch nicht hin. Daher wurden wir zum 17.02. wieder bestellt und mussten uns wohl oder übel zu dem Gang entschließen. Als wir auf halbem Wege waren, kehrten wir wieder nach Hause um, da wir doch dachten, es würde sich alles beruhigen. Am 19.02. mussten wir wieder gehen. Ich hielt mich immer zusammen mit --- Wir kamen bis an das Grab meines Mannes, da kam uns der Gedanke, noch einmal umzukehren, um wenigstens noch für eine kurze Zeit deutsch zu blieben. Am 21.02. kam dann die letzte Aufforderung an uns. Als wir sahen, dass wir doch nichts durchsetzen konnten, mussten wir hingehen und die Unterschrift leisten, so schwer es uns auch fiel. Die ganze Zeit über quälten uns die Gedanken, dass wir jetzt unsere Angehörigen nie mehr wiedersehen würden, denn an eine Ausreisegenehmigung nach der Option für Polen ist nun nicht mehr zu denken. Ich kann diesen schweren Gedanken einfach nicht los werden und glaube, dass so eine Zeit noch nicht dagewesen ist, in der man einem Menschen eine Staatsangehörigkeit aufzwingt und dazu noch in solcher Weise, wie es hier geschehen ist.

Ich kann Ihnen nicht alles schreiben, was manche Menschen ausgehalten haben, weil sie standhaft bleiben wollten. So zum Beispiel auch Frau L. Da sie bereits die Zuzugsgenehmigung nach dem Westen von ihrem Mann erhalten hatte, wollte sie nicht ohne weiteres ihre Unterschrift abgeben. Sie wurde aus dem Hause geholt, musste des Nachts im Keller fast ohne Bekleidung sitzen und am Tage die gröbsten Arbeiten verrichten. Das hat sie nur drei Tage ausgehalten und musste dann doch unterschreiben. Sie kam mit einer schweren Erkältung zurück und lag vierzehn Tage lang zu Bett. So würde es auch uns ergangen sein, vielleicht sogar noch schlimmer, wenn wir an dem Tage nicht unterschrieben hätten. Viele wurden zu Krüppeln geschlagen, und manche mussten sogar ihren Widerstand mit dem Leben bezahlen. Jeder musste unterschreiben, auch wenn er schon im Sterben lag. Dazu schreiben die hier verbreiteten Zeitungen, dass die Deutschen händeringend zu den Polen kamen, um die polnische Staatsangehörigkeit zu erhalten. Soll wirklich eine so große Lüge irgendwo geglaubt werden? Nur unter Tränen hat hier jeder seine Unterschrift abgegeben und ist sich dabei darüber klar gewesen, dass diese erzwungene Unterschrift ein Wiedersehen mit den Angehörigen für immer ausschließt.

Glücklich sind alle diejenigen, die damals rechtzeitig die Heimat verlassen konnten. Ich hatte auch die feste Hoffnung, in diesem Frühjahr bei meinen Kindern zu sein. Meine Tochter Frieda bemüht sich sehr um mich und hat mir auch wieder eine zweite Zuzugsgenehmigung geschickt --- Es bleibt mir oft der Verstand stehen, wenn ich daran denke, dass ich für die Dauer hier bleiben muss. Es wird mir schwer fallen, meinen Lebensunterhalt weiter zu erwerben, da ich schwere Arbeit nicht mehr leisten kann und andere nicht bekomme --- Vor der Option wurde uns versprochen, dass wir nach der Unterschrift in unseren alten Heimatort zurückkehren könnten, daraufhin sind G. und P, in H. gewesen. G. bekam gleich von dem Polen, der auf seinem Grundstück wirtschaftet, zu hören, dass zwei Hähen auf einem Hof sich nicht vertragen werden und dass er gar nicht daran denke, die Besitzung zu räumen. Q. aus B. hat schon vor längerer zeit für Polen optiert und sich bemüht, auf sein Grundstück zurückzukommen. Jetzt bekam er die Erlaubnis, dorthin zu fahren, doch muss er dort mit einem Polen zusammen leben --- Für heute habe ich alles berichtet und grüße Sie mit herzlichen Ostergrüßen Unterschrift

Seite 9 Nach fünf Tagen und fünf Nächten habe ich aus Angst unterschrieben

11.03.1949
Mein lieber guter Freund Fritz!
Nachdem sich die Postkontrolle und der Wirbelwind mutmaßlich gelegt haben, will ich Dir über unser Schicksal ausführlich berichten. Jesaias 50, V. 6 Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften, aber mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel!
In Ergänzung meiner letzten Postkarte will ich Dir folgendes mitteilen. Es war am Sonntag, dem 6. Februar 1949, zu 17 Uhr für uns Deutsche in N. eine Magistratsversammlung anberaumt, auf der ein ansässiger Lehrer (genannt Pan Professor), ein Oberförster, ein Parteimensch P.P.R. mit dem Bürgermeister uns folgende Nachricht mitteilten: Nach einem Abkommen mit den Besatzungsmächten werden jetzt von hier aus keine Deutschen mehr nach Westen hinter die Oder abtransportiert. Wir wollen euch daher im Guten raten, die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen, zumal ihr vier jahre Zeit dazu gehabt habt. Wir treten an euch mit diesem Vorschlag das letzte Mal heran, ohne jeden Zwang und ohne Schläge. Vollzieht noch heute eure Unterschrift. Da ber kein einziger der Anwesenden dieser Aufforderung nachkam, wurde eine weitere Versammlung auf Dienstag, den 8.2.1949, angesetzt. Zu dieser erschienen der Landrat, ein Poruznik (etwa Hauptmann) von der Geheimen Polizei (U.B. genannt) und der evangelische Pfarrer. Dieser führte zu Anfang etwa folgendes aus: Mich hat der Magistrat hierher geladen, um einige Sätze zu euch zu sprechen. Wenn jemand einen Hof besitzt, so sieht er auf Ordnung und fegt ihn sauber und rein. So muss auch der junge polnische Staat sein Reich säubern, was in den bisher vergangenen vier Jahren noch verabsäumt wurde. Sehet, Josef und Maria sind soweit gegangen, um sich auch eintragen zu lassen. Ihr müsst ebenso handeln. Der Starost (Landrat) sagte: Ich verlange, dass bis morgn 18 Uhr in N. kein Deutscher mehr vorhanden ist. Durch eure Unterschrift erlangt ihr dieselben Rechte, ja noch bessere, als jeder andere Pole. Ihr könnt euch Grundstücke hier im Kreise aussuchen und erhaltet ein Pferd, eine Kuh und Beihilfen. Unter Umständen könnt ihr auch eure eigenen Grundstücke zurückerhalten. Erwerbsunfähige erhalten Unterstützung, ebenso werden auch Renten gezahlt.

Auch diese Lockmittel zogen nicht. Am nächsten Tag um 14 Uhr erschien ein Kommandant und ein Beamter der Miliz in meiner Wohnung und nahmen mich und meine Frau zum Verhör durch den Hauptmann nach dem Magistrat. Auch hier verweigerten wir die Unterschrift mit der Begründung, dass wir vier erwachsene Kinder in Westdeutschland haben und unsere alten Tage bei diesen verleben wollen. Inzwischen war ein kleines Lastauto vorgefahren, das ich besteigen musste, während meine Frau nach Haus entlassen wurde. Nach mir kamen auf den Kraftwagen noch ---
Gegen 16 Uhr kamen wir in Sensburg an und wurden im Gebäude der G.B. im Keller eingesperrt. Am nächsten Tage wurde der 78jährige B. verhört. Auch hier verweigerte er die Unterschrift. Da bekam er einige Schläge auf den Kopf und mit einem Lineal auf die Hände und wurde zurück in den Keller gebracht.

Die Behandlung aller Leidensgenossen kann ich Dir nicht schildern, weil ein solcher Bericht zu umfangreich werden würde, da wir vom 8. – 25. Februar dort eingesperrt waren. Ich will Dir daher nur über meine Erlebenisse erzählen. Als ich am zweiten Tage aus dem Keller geholt wurde, saßen im Zimmer drei in Zivil gut gekleidete Männer von etwa 22 – 30 Jahren. Man bot mir sogar einen Stuhl an. Ich wurde darauf gefragt, warum ich mich bisher noch nicht zu einer Option für Polen entschlossen habe. Ich antwortete darauf, mein Vater ist Deutscher gewesen und konnte kein Wort polnisch, so will auch ich immer Deutscher bleiben. Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen, wenn ich meine Unterschrift für Polen abgäbe. Ich will zu meinen Kindern nach Westdeutschland, wo ich nicht so schwer zu arbeiten brauche wie hier. Darauf erhielt ich ein paar Backpfeifen, musste die Finger der beiden Hände zusammenballen und einer der beiden Männer schlug mir mit dem Lineal auf die Fingerspitzen und auf meinen kahlen Kopf. Danach forderte man mich wieder auf, zu unterschreiben, und ich antwortete nun erst recht nicht. Dann wurde ich wieder eingesperrt. So erhielt ich die Prügel dreimal. Beim zweiten Mal war es aber schlimmer. Da musste ich zuerst die Stiefel und Strümpfe ausziehen und dann die nackten Füße auf einen Fußstuhl aufstellen. Zwei Polen schlugen dann mit Gummischläuchen auf die Schlen, bis sie schwarz waren. Dann musste ich die Hosen und Unterhosen runterlassen, und es gab Schläge auf den nackten Hintern. Du kannst Dir denken, welche Wirkung das hatte, wenn zwei Männer auf mich einschlugen, als ich über dem Stuhl lag. Damit aber noch nicht genug. Ich musste mich auf die Dielen hinsetzen, man fasste mich an den Schläfenhaaren und zog mich in die Höhe, bis aich auf den Beinen stand. Dann schlugen sie mich auf die Halssehnen mit den Fäusten und stellten mich zuletzt mit dem Rücken an die Wand, fassten mich am Kinn und schlugen mir den Hinterkopf gegen die Wand, etwa 10 – 12 Mal. Diese Behandlung dauerte über eine Stunde, so dass ich fast besinnungslos war. Als ich mich trotzdem weigerte, zu unterschreiben, sagte man mir, daßß ich nach einer Stunde wieder rankäme. Beim vierten Mal habe ich aus Angst davor, zum Krüppel geschlagen oder zu Tode gemartert zu werden, nach fünf Tagen und fünf Nächten unterschrieben. Von dieser Misshandlung bekam ich einen Herzanfall, der mich zwang zum polnischen Arzt zu gehen, der mich gleich fragte, ob ich auch eine, Wucht, erhalten habe. Er stellte mir ein Attest aus, dass ich nur leichte Arbeit verrichten kann.

Wir haben nur den einen Wunsch, die Nachrichten über diese menschenunwürdige Behandlung an die Öffentlichkeit zu bringen. Vielleicht können wir doch noch rauskommen, denn die Unterschriften, die auf diese Weise erpresst wurden, können doch keine Geltung haben.
Ebenso wie mir ist es 13 000 Deutschen im Kreise Sensburg ergangen. Viele Leidensgenossen haben Arm- und Beinbrüche durch diese Misshandlung davongetragen. Sorgt dafür, dass die Unterschriften, die uns abgezwungen wurden, nicht gültig sind. Warum sind so viele Transporte herausgegangen und nur wir letzten nicht? Wir wissen ja gar nicht, was eigentlich gespielt wird.
Nun seid alle recht herzlich gegrüßt von uns versklavten Deutschen. Dein Freund (folgt der Name). Bemerkung: Der Schreiber dieses Briefes wird jetzt 61 Jahre alt.

Seite 10 13.02.1949
Mein lieber Mann---
Es freut mich, dass Du uns durch das Rote Kreuz angefordert hast. Hoffentlich werden wir doch einmal Glück haben, es dauert aber sicher sehr, sehr lange. Bis jetzt sind nur zwei Familien aus der Umgebung durch das Rote Kreuz abtransportiert. Das war vor Weihnachten, und die Anforderungen der Männer lagen schon länger als ein Jahr zurück. Ich weiß auch nicht, wie es mir hier ergehen wird. Seit zwei Wochen wird hier alles sehr streng gehandhabt. Die Polen werben wieder für Unterschriften. Die Deutschen dürfen zu keiner Arbeit gehen und bekommen auch gar nichts zu kaufen. Nur einen halben Kilometer dürfen wir uns vom Haus entfernen. Also nicht einmal bis ans andere Ende des Dorfes darf man gehen. Die Polen ängstigen uns mit allerhand Drohungen. Es braucht niemand zu denken, dass er nach Deutschland herauskommt. Die Kinder werden sie von den Eltern fortnehmen, es sind auch schon viele hier, die jetzt ihre Unterschrift abgegeben haben. Nach P. ist am vergangenen Sonntag die O.B. (Kriminalpolizei) herausgefahren und hat alle Deutschen zum Optieren gezwungen, ungefähr 500 Personen. So soll es bis zum 28.02. gehen. Von diesem Zeitpunkt ab soll kein Deutscher mehr hier sein.
Nach K. ist bis jetzt noch niemand gekommen, aber uns werden sie sicher auch nicht vergessen ---
Die Herta hat zu schwer auf dem Sägewerk gehoben und sich dadurch wohl eine innere Krankheit zugezogen.
Unterschrift.

Lieber Onkel!
Wie Du vielleicht schon von anderer Seite erfahren haben wirst, hatten wir vom 15. – 20.02.1949 eine sehr kritische Zeit, die uns, wenn sie noch länger gedauert hätte, dem Wahnsinn nahe gebracht hätte. In diesen Tagen wurden mehr Tränen vergossen, als in der ganzen Zeit während der Besetzung durch die Russen. Am 18.02. wurde unser Schicksal durch eine Unterschrift besiegelt ---
Im kreis Sensburg waren noch etwa 13 000 Deutsche, jetzt sind sie durch die erzwungene Unterschrift alle Polen geworden. Im Kreise Rastenburg ist bis jetzt von solchen Maßnahmen noch nichts zu hören. Es wurde uns alles mögliche versprochen, auch dass wir jetzt nach Hause können. Aber daraus wird wohl nichts werden. So haben wir jetzt auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Euch aufgegeben, aber vielleicht bring die Zukunft doch noch eine Wendung. Eine solche Unterschrift kann ja auch gar nicht gelten, denn sie wurde ja nur durch Erpressung erreicht. Deine Nichte Anni.

Unsere geliebten Kinder!
Nach langer Zeit will ich Euch wiederum schreiben. Es ist leider kein erfreulicher Brief von uns. Wir sind noch alle gesund und hoffen von Euch Gleiches. Heute muss ich Euch schweren Herzens mitteilen, dass wir infolge des ausgeüten Zwanges für Polen optieren mussten. Wir waren bisher noch im Kreise Sensburg 13 – 14 000 Deutsche, und jetzt sind wir in einer Woche Polen geworden. Wer nicht unterschreiben wollte, wurde hier beim Magistrat oder bei der Polizei eingesperrt. In einem kalten Keller saßen bei offenem Fenster Frauen, Mädchen, Burschen und Männer, und wer sich dann noch weigerte, die Unterschrift zu leisten, wurde nach Sensburg zur U.B. gebracht und eingesperrt. Dort kam auch Euer Vater hin und wurde fünf Tage und fünf Nächte festgehalten. Als er nach Hause kam, war er vollständig entstellt von der dortigen Behandlung, hatte blaue Flecke am Körper und Beulen am Kopf. Hilde saß hier am Ort auch zwei Tage und kam mit drei anderen Frauen ebenfalls nach Sensburg. Da Vater schon dort fort war, wurde ihr seine Unterschrift gezeigt, und da hat sie auch gleich unterschrieben und kam nach Hause. Jetzt lagen sie beide einige Tage krank vor Erkältung und vor Gram. Daraus könnt ihr ersehen, wie es uns ergangen ist. Vielleicht werdet Ihr sogar sagen, dass wir jetzt nur noch halbe Menschen sind und dass Eure Eltern Euch Kinder vergessen haben. Jetzt wird uns immer wieder gesagt, dass diejenigen, die Verwandte in Westdeutschland haben, sich keine Sorgen machen sollen, denn die Verwandten würden auch hierher ausgewiesen werden. Ist Euch etwas davon bekannt? Viele haben schon Anträge für die Einreise ihrer Kinder eingereicht, denn man sagt, dass jeder, der in Ostpreußen geboren ist, hierher zurückkommen soll. So frage ich Euch daher an, wie Ihr darüber denkt. Wir wollen Euch ja nicht zwingen, denn Ihr seid großjährig und müsst das unter Euch einmal besprechen ---

Viele fahren jetzt in ihre alte Heimat zurück und wollen auf ihre Grundstücke, aber es sieht alles öde aus. Papa will auch einmal nachsehen, aber wir wollen noch warten und nicht drängen. Soweit der Brief der Mutter ohne Unterschrift.
Dazu folgender Zusatz des Vaters:
Vor der erzwungenen Unterschrift wurde uns die Rückgabe unseres alten Grundstücks versprochen. Inzwischen sind die aus dem Dorf R. nach Treuburg gefahren und haben dort folgende Neuigkeit gehört: Ihr solltet eure Wirtschaften 1948 verlangt haben, dann hättet ihr sie bekommen, jetzt ist es reichlich spät. Nach langem Zögern hat aber der betreffende Beamte die Anträge angenommen und nun wollen wir abwarten, was geschieht ---
Die Tatsachen über das, was hier bei uns geschehen ist, müssen an die Öffentlichkeit gelangen, vor allem, dass unsere Unterschriften durch solechen Zwang erpresst worden sind. Mit besten tiefbetrübten Grüßen Euer lieber Papa

Seite 12 und 13 Ostfrage im Spiegel der Welt. Hier nur ein Teil von dem gesamten Bericht

Wie der Berliner, Tagesspiegel, meldete, berichteten in Berlin eingetroffene, ostpreußische Flüchtlinge, dass die Tätigkeit von Partisanen in Ostpreußen zugenommen hat. Zu ihrer Bekämpfung werden polnische Truppen unter Führung von NKWD-Offizieren eingesetzt.

Über das polnische Vernichtungslager Potilitza bei Bromberg, das ein, Straflager, für Deutsche ist, berichteten drei Mann und ein Mädchen, die in die Westzonen fliehen konnten, nachdem sie wegen Verpflichtung zum Uranbergbau in Aue aus diesem Lager entlassen wurden. Gegen 45 000 Menschen haben in diesem Lager schreckliche Zeiten erlebt. Die meisten von ihnen sind dem Hunger, den Schlägen und den Folterungen erlegen. Noch jetzt befinden sich 15 000 Deutsche in diesem Lager. Am schlimmsten sei es den Kindern ergangen, die nicht einmal mit ihren Müttern sprechen durften. (Hannoverwsche Presse vom 04.06.)
Als die ersten Polentransporte im Juni und Juli (1945) in Oberschlesien eintrafen, waren wir Freiwild geworden. Jeder Pole konnte Deutsche töten ohne dafür bestraft zu werden, In meinem Heimatdorf Rasselwitz im Kreise Neustadt/OS. sind zum Beispiel sämtliche Volksschullehrer grausam zu Tode gequält worden, berichtet ein Ostvertriebener in einer Zuschrift an die Hamburger „Zeit“. (26.05.)

Über die entsetzlichen Verhältnisse in Königsberg (Kaliningrad) nach der Besetzung durch die sowjetischen Truppen berichtet Der Württemberger – Reutlingen (04.06.), Hunger, Mord, Raub, Gewalttat jeder Art sowie die Winterkälte führten dazu, dass beispielsweise 1947 allwöchentlich 3 Prozent der zurückgebliebenen Bevölkerung starben. Die Hungersnot führte zu grauenhaften Erscheinungen, mussten doch Ärzte feststellen, dass auf dem sogenannten Freien Markt sogar Menschenfleisch angeboten wurde. Vor allem herrschte auch ein furchtbares Kinderelend.

Wie die Deutsche Volkszeitung –Celle meldet, gab der Leiter des Kampfbund gegen Unmenschlichkeit, Dr. Rainer Hildebracht, auf einer Kundgebung in Berlin bekannt, dass nach zuverlässigen Ermittlungen in den Gebieten jenseits der Oder und Neiße drei Millionen Deutsche vernichtet oder deportiert worden sind.