Wir Ostpreußen
Chronologisches Archiv Wir Ostpreußen Jahr 1949
Februar
Folge 01 vom 01.02.1949
Seite 7 Und wieder sehen wir die Heimat: Aus Königsberg wurde Kaliningrad
Neuester Bericht über das heutie Leben in der früheren Hauptstadt Ostpreußens
Das neue Gesicht der ehemaligen Hauptstadt Ostpreußens schildert ein Königsberger, der erst im Januar die Stadt verlassen hat. Königsberg, im Januar 1949
Ein kiesbestreuter Bahnsteig, drei baufällige Baracken, ein Triumphbogen aus grüner Pappe, mit den Bildern Lenins und Stalins geschmückt. Kaliningrad empfängt seine Besucher in Ponarth, auf dem ehemaligen Güterbahnhof, weit draußen im Süden der Stadt. Hellblau, ledergepolstert, mit blinkenden Scheiben die Straßenbahn, die mich zum Stadtkern bringt. Sie ist frisch aus Moskau importiert und kündet stolz von der Kultura im Vaterland der Werktätigen.
Durch zerstörte und völlig verödete Stadtteile geht es zum Platz der Befreiung, auf dem noch heute das Denkmal Kaiser Wilhelm I. steht. Rund 80 v. H. aller Bauten in Königsberg sind durch Kriegseinwirkungen zerstört. Von der Innenstadt ist außer kleinen Oasen am Hansaplatz und am Rosengarten nichts stehen geblieben. Der Schlossturm, das alte Wahrzeichen der Stadt, ist auf der einen Seite völlig aufgerissen. Von der Universität steht nichts mehr. Fast der gesamte Nordwesten der Stadt aber, Juditten, Ratshof, Amalienau, die Hufen und Charlottenburg, sind zum größten Teil erhalten geblieben.
Auf den Hufen haben sich die Reierungsstellen niedergelassen. Der Oberste Sowjt des Gebiets residiert im ehemaligen Raiffeisenhochhaus, im Amtsgericht am Nordbahnhof sitzt die NKWD, deren Kommissare auch in Kaliningrad zu den meistbeschäftigsten Leuten gehören. Das frühere Finanzpräsidium ist das Hauptquartier des Oberkammandierenden, die Mädchengewerbeschule, das Haus der Roten Armee geworden. Die Handelsschule ist jetzt Technikum. Die ehemalige Staatsbibliothek wurde nach Wilna abtransportiert.
Etwa 20 000 Deutsche leben heute in Königsberg. Nur langsam und zögernd kam die russische Zivilbevölkerung in das eroberte Gebiet. Erst als das Gebiet am 1. Januar 1946 in die Russische Föderative Sowjetrepublik eingegliedert wurde, siedelte man die Einwohnerschaft ganzer Dörfer von der Ukraine und Westsibirien nach Nordostpreußen um. Etwa 100 000 davon ließen sich in Königsberg nieder.
Im September 1946 wurden Nichtrussische Volksschulen zugelassen. Deutsche Lehrer müssen hier die ihnen anvertrauten Kinder zu Kommunisten erziehen. Die deutsche Intellienz ist in dem sogenannten Deutschen Club zusammengefasst, wo sie von KP-Funktionären geistig ausgerichtet wird.
Die Deutschen, die in der ersten Zeit willkommene Arbeitskräfte gewesen waren, sind jetzt mehr und mehr durch Russen, die sie selbst einarbeiten mussten, verdrängt worden. Nur wer das Glück hat, arbeiten zu dürfen, erhält Geld und Lebensmittelkarten.
Viele Wohnhäuser in Amalienau und auf den Hufen sind zu Staatsläden umgebaut worden, in denen es seit dem Ende der Rationierung in der Sowjetunion, Dezember 1947, alles zu kaufen gibt. Die Preise sind sehr hoch und stehen in keinem Verhältnis zu den Einkommen, vor allem dem der Intelligenzberufe. Ein Buchhalter oder Arzt müsste für ein Paar Schuhe oder vier Pfund Butter sein halbes Monatsgehalt opfern, ein Betriebsführer oder Professor ein Siebentel. Ein Anzug westeuropäischer Qualität würde den Professor anderthalb Monatseinkommen kosten.
Zur kulturellen Betreuung der russischen Bevölkerung stehen das Theater der Roten Armee und vier Kinos zur Verfügung, die meist schlecht synchronisierte deutsche Filme zeigen. Wenn Propagandastreifen der russischen Regierung vorgeführt werden, sind die Filmtheater leer.
Sämtliche Industriewerke Königsbergs wurden 1945 zerstört, der Rest, soweit noch brauchbar, demontiert und nach dem Osten geschafft. 1946 begann sehr langsam der Wiederaufbau der Industrie. Die sogenannte Leichtindustrie arbeitet ausschließlich für die Rote Armee.
Im Zuge der Eingliederung in die Sowjetunion wurden alle deutschen Bauern von ihren Höfen vertrieben und ihr Land russischen Siedlern zur Verfügung gestellt. Nur etwa die Hälfte des zur Verfügung stehenden Bodens wird bebaut. Nordostpreußen, früher die Kornkammer Deutschlands, muss heute die Hälfte seines Bedarfs an Getreide und Fleisch einführen.
Kaliningrad ist heute eine durchaus russische Stadt geworden. Ihr äußeres Bild gleicht dem eines der vielen russischen Provinzstädtchen. Mit Königsberg hat es nur noch die geographische Lage gemeinsam. (Die Welt, 15.01.1949)
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Nach langen, sehr schwierigen Vorarbeiten hat die erste Nummer unseres Mitteilungsblattes das Licht der Welt erblickt. Möge es das Bindeglied zwischen unseren Landsleuten werden und ihnen neue Kraft geben für den schweren Existenzkampf und den unerschütterlichen Glauben an die ferne Heimat. Allen Landsleuten, die mich bei den Vorarbeiten zur Herausgabe dieses Mitteilungsblattes unterstützt haben, sage ich meinen besten Dank. Besonders danke ich aber unseren in Hannover lebenden Landsleuten, die mir uneiennützig bei der Versendung geholfen haben. Horst Frischmuth
Seite 8 Familienanzeigen
Nachträglich geben wir bekannt, dass unser am 26.01.1947 geborener Wolfram am 26.09.1948 ein Schwesterchen Irmingard erhielt. Gerhard und Walheide Bednarski, geb. Junklaass. Königsberg/Heiligenbeil, jetzt: (20a) Thüste über Elze (Hannover).
Dr. med. dent. Arnold Pfeiffer (Schlesien), Isolde Pfeiffer, geb. Lack (Ragnit). Vermählte. Weihnachten 1948. Meine/Hannover
Harry Janzen (Königsberg), Erika Janzen, geb. Rock (Memel). Vermählte. 18. Dezember 1948. Hamburg 36, Alsterdorfer Straße 26, Gartenhaus
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Wer weiß etwas über den Verbleib von Hans-Joachim Graf von Finckenstein aus Gablauken, Kreis Mohrungen, geb. 06.11.1879 in Jaeskendorf, Kreis Mohrungen. Er wurde am 03.03.1945 von seinem Gut Gablauken von polnischen Soldaten fortgeholt. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen. Nachricht erb. Frau Hildegard Gräfin von Finckenstein, (20a) Clauen über Lehrte.
Wer kann Auskunft geben über die Eltern des Franz Hildebrand (etwa 8 Jahre)? Der Vater war Schreiner in Insterburg, zuletzt Soldat in Russland, die Mutter soll in Insterburg geblieben sein. Mitteilungen erbittet die Landsmannschaft.
Gesucht wird: Max Hasler, Selterfabrikant, geb. 10.12.1890 in Böttcherhof, zuletzt Ragnit, Windheimstraße 38, von Ida Haler, (20a) Letter bei Hannover, Bahnhofstraße 305
Gesucht wird: Friedrich Lindner, zuletzt wohnhaft in Emilienhof bei Rosenberg, Ostpreußen. Lindner kam mit einem Treck noch bis Pr. Stargard. Seitdem verschollen. Nachricht erbeten an Frau Martha Mielke, (20a) Hannover, Höfestraße 56
Einwohner ostpreußischer Gemeinden gesucht. Frühere Einwohner der folgenden ostpreußischen Gemeinden werden gesucht: Albrechtswiesen, Angerthal, Birkenhöh, Borkenwalde, Butschen, Gembalken, Griesgirren, Grieslck, Gronden, Gr. Strengeln, Gurren, Hartenstein, Hochsee, Janellen, Jorken, Kehlen, Kerschken, Knobbenort, Kulsen, Neufreudenthal, Paulswalde, Priemsdorf, Schwenten, Soldahnen, Soltmahnen, Wensen, Wiesenthal, Tiergarten. Zuschr. an: Alfred Weiß, (22a) Kempen (Niederrhein), Krefelder Weg
Wer weiß etwas über den Verbleib des Betriebsdirektors der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein, Abt. Königsberg, Erich Bednarski? Wer von den ehemaligen Betriebsanehörigen war mit ihm bis zur Kapitulation zusammen? Nachr. erbet. An: Gerhard Bednarski, (20a) Thüste über Elze, Hannover
Wer kann Auskunft geben über das Kind Reante Sprengel (es soll in ein Insterburger Waisenhaus gekommen sein) oder über den Verbleib der Insterburger Waisenhäuser nach dem Zusammenbruch? Mitteilungen erbittet die Landsmannschaft
Ostdeutsche Plisseeanstalt Tilsit: Ehemalige Angehörige der Firma Ostdeutsche Plisseeanstalt Tilsit, Langgasse 7, melden sich bei dem ehemaligen Inhaber Max Kramp, Hannover-Buchholz, Schierholzstraße 51