Wie ins dar Schnaobel gewachsa ies

Hallo Listenteilnehmer,
einige von Euch interessieren sich f�r schlesische Redensarten. Ich sichte
zur Zeit alte Hefte der Heimatzeitschrift der "Schlesier" 1953 wurden
folgede Redewednungen ver�ffentlicht.

Ps: Ich hatte diese Redewednungen als Anlage verschickten wollen, leider kam
die e-mail mit einem Vermerk des Admin zur�ck.

Gru� Rudolf Kraus

Wie ins dar Schnaobel gewachsa ies
Sechzig schlesische Sprichw�rter, Scherzausdr�cke und Redewendungen. Ein
Beitrag zur Wesensart des Schlesiers.
Wie man aus den Spr�chen Salomos, den Sprichw�rtern des israelitischen
Volkes, auf den Charakter des Volkes bedeutsame Schl�sse ziehen kann, so
k�nnen wir mit den schlesischen Sprichw�rtern einen Beitrag zur
Kennzeichnung der Wesensart des Schlesiers geben. Wir nennen darum im
folgenden sechzig Sprichw�rter, Scherzausdr�cke und Redewendungen des
Schlesiers.
1 Ock nie verzaoga, solange noo a Kliessla eim Tuppe ies (Kliessla=Kl��el)
- sagt der Schlesier. Dies Sprichwort deutet schalkhaft die mit wenigem
zufriedene, geduldig ausharrende Art des Schlesiers an. Wir haben auch nicht
verzagt, als �kee Kliessla eim Tuppe" war, als wir in der Notzeit der
Nachkriegsjahre manchmal mittags nicht wu�ten, was wir abends essen sollten.
2 's kimmt, wies kimmt, 's kimmt immer (kimmt == kommt) � deutet scherzhalt
die mehr passive Haltung des Schlesiers an. Er ist mehr Ambo� als Hammer. In
�hnlicher Weise sagt er von der Medizin, und nicht nur von dieser.
3 Hilfts, dao hilits, hilfts nischt, dao schodt's wingstns nischt (wingsins
= wenigstens^.
4 Nu ja ja, nee nee � eine Verlegenheitslormel, die die etwas unbestimmte
Art des Schlesiers andeutet, der nicht ansto�en m�chte.
5 N�rnd giehts dr�hnder haar und zu wie uff dar Walt (N�rnd = nirgends,
dr�hnder == drehender, verdrehter, haar und zu: Tautologie) � sagt der
Schlesier, wenn er sich scherzhaft zu sonderbaren Dingen �u�ern will, die
ihn aber nicht aus der Fassung bringen k�nnen.
6 Mao mu� ulfs Beste hulla und ufis Schlimmste gefa�t sein � die Dinge
nehmen, wie sie kommen, sich nicht unterkriegen lassen.
7 Eim Menschenlabn giehts wie eim Stolle, daos timmste Viech pl��kt am
m�hrschtn (pl��kt = bl�kt, br�llt, m�hrschtn = meisten) � �ber einen Protz
macht sich der Schlesier in seinem schlichten Sinn nur lustig. Verleumdungen
bringen ihn nicht aus dem H�uschen. Daf�r hat er gleich mehrere Sprichw�rter
zur Hand:
8 'ch hao an breetn Pucki, dao hol viel Platz.
9 War sich �rgert, dar wird groo und hat zeitlabends nischt davoo.
10 Wenn �rger fett macht, 'ch w��g zwee Zentner.
Der gespr�chige Schlesier wei� in seiner redseligen schalkhaften Art mit
vielen Worten auszudr�cken, das man auch mit einem Worte wiedergeben k�nnte.
Statt �meinetwegen" sagt er z. B.
11 Wa-ign mir und und m�nnertholbn mag dar Junge Haosn kriegn (Wa-ign mir =
meinetwegen, m�nnertholbn == meinethalben, also dasselbe) oder:
12 's bleibt sich Jack wie Hoos und Strump wie Niederschuh.
13 'sis noo nie ei dam Tippi, ei dams kochn sull � meint, es ist noch nicht
so weit.
14 Wenn d" Schneckn weern biesein un d Reis-chgebindl werrn bliehn, waar'ch
kumm (biesein = �berst�rzt laufen, Reis-chgebindl = Bund Reisig)
� umschreibt redselig; ich komme gar nicht.
15 Ee Tippi eis andre und a Wischhaoder daozwischn (Wischhaoder ==
Autnehmelappen) � antwortet man einem Neugierigen, der fragt, was gibt es
denn fressen? �Gebratene L�mmerschw�nzel' meint dasselbe. Seinen Mitmenschen
kann der Schlesier scherzhaft, bildhaft in freundlichem Humor in vielfacher
Weise beschreiben:
16 Aar is su lang wie dar Tag vor Juhonns (Johanni der l�ngste Tag im Jahr),
oder
17 Aar is su gruus, ar kennt aus dar Dachrinne suppn, oder

18 Wenn daar schtienich stirbt, daan missns' mitn Uulh�kl immreissn
(schtienich eigenartige schlesische Konjugationsform statt stehend, vgl.
�sei kuchnich Wasser == kochend Wasser im Sdilesierlied, Uufh�kl =
Ofenhaken) � alles drei scherzhalt einen gro�en Mann andeutend.
19 Aar is suu stork, aar kinnt Kirchen feeltroin (feeltroin = feiltragen,
herumtragen).
20 Aar sitt aus, als wenn err zahne derwirgt und dan Elften ei dar Mache
h�tt (derwirgt = erw�rgt, ei dar Mache = in Arbeit).
21 Wenn ich verwirrt war, 'ch zerrei� aan' Laaberwurscht (verwirrt = b�se),
bildhaft, scherzhaft von einem starken, b�sen, w�tenden Menschen gesagt.
22 Aar hat noo d' Eierschaln hingern Uhrn � er ist unreif.
23 Aar pullt, als wenn ar am Spisse hing (prillt = br�llt).
24 Aar pl��kt wie a Feuerkolb (pl�kt = bl�kt, Feuerkalb ein H�rn, mit dem
bei Feuer alarmiert wird) � er schreit laut.
25 Aar fri�t wie a Scheundrescher (mit dem Flegel in der Scheune zu dreschen
galt als besonders schwere Arbeit) � hat guten Appetit.
26 Aar hott aane Wompe wie a Achtzigtaolerlaard (Wompe == Bauch,
Achtzigtalerpferd seinen Wert bezeichnend und seine Gr��e) � ist dick.
27 Mao kennt'n a Vaterunser durch'n Pitch bloosn, oder
28 Aar sitt aus wies Leidn Christi, oder
29 Aar kraobst (oder gr�tscht) rim wie die Fliege ei dar Puttermilch �
scherzhafte Bezeichnungen f�r einen leidenden Menschen.
30 Aar macht Schriete wie aan G�rtnerschkuh (G�rtner-Wirtschattsbesitzer, im
Westen �Kotier") gro�e und doch wieder unbeholfene Schritte.
31 Aar gl�nzt wie Schinders sei Insitsaak (Schinder = Fleischer, Insit =
Fett, Schm�r) � er ist fett, ge�lt.
32 Aar hott keene eenz'ge Laus im Gsicht und keene Schuhschmiere fri�t ar oh
nie � sagt man scherzhaft von einem Menschen, von dem nicht viel zu sagen
ist.
33 Aar sitt aus wie a junger Elitbiehmer (Biehm-B�hm. Die gangbarste M�nze
in Schlesien ist der �B�hm". Das Wort erinnert daran, da� die M�nzst�tte in
B�hmen war, �hnlich wie das in ganz Deutschland bekannte Wort �Taler" von
Joachimstal in B�hmen, den Ort der dortigen M�nze, herkam)
� er sieht vornehm aus.
34 Aar tutt, als wenn dar gr��e Hund sei Paote war � tut stolz.
35 Aar tutt, als err dan Heiligen die Zinn abgebissen h�tt (Zinn == Zehen)
� er tut scheinheilig.
36 Aar sitzt drin wie d' Maode eim Speck � er hat sich gut hereingesetzt, es
geht ihm gut.
37 Aar rennt rim wie d' Maus ei a Sechswuchn (nach der Geburt der Kleinen,
wenn sie viel zu beschaffen hat) oder
38 Aar is bewuschbert wie a Ihrwirmel (bewuschpert von wisbern, Ihr-wirmel =
Ohrwurm mit seinen vielen F��en) � Er ist emsig, umsichtig, betulich, wie
eben der Schlesier ist.
39 Aar hotfs weg wie Schmieds Kotz, wenn ses getressn hott � er v^/Steht
seine Sache.
In seinem k�stlichen echten Launen-Humor wei� der Schlesier freundlich ein
liebes Wort scherzhaft zu sagen. Ich habe es selbst erlebt, wie der Bauer
beim Schweineschlachten nach dem Tischgebet sagte:

40 Nao doo lu�t Euch ock besser schmeckn als es ies.
41 A Bi�l was mecht schunt sein (schunt = schon) � ist bald als Scherzwort,
bald als Antwort gedacht, wenn man das gute Essen des Gastes r�hmt, bald dst
es auch Begleitwort, wenn man etwas �mitbringt". Der Schlesier kommt nicht
gern mit leeren H�nden. � Er m�chte .immer Freude machen, ist mitteilsam.
42 De timmsten Bauern honn d' gri�tn Katuffln � kann er wohl sich selbst
verh�hnend bei gutem Essen sagen.
43 Uff daam kann man bis Bautzn reiten � sagt man von einem stumpfen Messer.
Ganz aus dem Lebensbe'reich des .Bauern sind auch die 'folgenden Scherzworte
genommen:
44 Uffs maogerschte Faard satzn sich d' m�rschtn Fliegn wir sagen gern
umgekehrt �Die schlechtesten Fr�chte sind es nicht, an denen die Wespen
nagen."
45 's hoot ieberall aan Hund, dar d' be�t � �berall gibt es b�se Menschen.
46 Kleene Kr��tn honn oo Gift � auch kleine Menschen sind gelegentlich
schlecht.
47 Daor Windmiller soit immer: 's kimmt rimm (soit = sagt, rim = herum). Wir
sagten in Schlesien 1946, wenn du ein Geheimnis zwei anderen sagst. dann
kannst du es gleich in der Zeitung der �Roten Armee" abdrucken.
In scherzhaften Ausdr�cken kann' sich der Schlesier nicht genug tun.
48 Zum Oderzuschittn � sagt er gewollt �bertrieben, wenn etwas in gro�er
F�lle vorhanden ist.
49 Mir in heute keene Fenggeige zu teuer (Plenniggeige, eine Geige, die nur
einen Pfennig kosten w�rde) � f�r scherzhaftes Protzen.
50 Udos nie zuviel wird, drei Biehm seins schunt � scherzhafter Ausdruck
gegen�ber einem kleinen Gernegro�.
51 Dao drin is ja mancher Mutter ihr Kind � hier liegt allerlei
durcheinander.
* Die Seite 69 mit den restlichen Spr�chen fehlt im Original-Dokument
Eingescannt aus: Der Schlesier, 1953, Wie ins dar Schnaobel gewachsa ies,
S. 65 �68