Wer kann sich erinnern? Eintrittalter bei den Jungmädel

Liebe Listenmitglieder,

bei einer Diskussion kamen wir auf eine Frage, die in der
Diskussionsrunde keiner beantworten konnte. Eine Bekannte ist
1934 in Neidenburg geboren, lebte aber seit 1941 in Soldau.
Es ging um die Frage, ab wann man (Jahr, Monat, Tag) zu den Jungmädel
gekommen sein könnte, inwieweit das Pflicht war, und wie das konkret
im Jahr 1944 in Soldau gewesen sein könnte. Die Bekannte meint
einerseits, so auch die Runde, dass das Eintrittsalter das vollendete
10. Lebensjahr gewesen sei und sie demnach 1944 hätte eintreten
müssen. Sie kann sich allerdings nicht daran erinnern, dass sie
tatsächlich dabei gewesen sei. Gibt es in der Listenmitgliederrunde
jemanden, der uns weiterhelfen kann?
Damit hier keine falschen Töne aufkommen, es handelt sich um eine
reine Sachfrage. Der Nationalsozialismus mit allen seinen Auswirkungen
wird von uns allen entschieden abgelehnt, schließlich ist er eine der
wesentlichsten Ursachen für die Flucht gewesen.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut (Bernert)
Mail: helmut.bernert@t-online.de

Hallo in die Runde.

Nach 2 Jahren Pause, lese ich seit etwa 4 Wochen hier und auf anderen
Listen wieder mit. Die Mitgliedschaft bei Compgend und AGoff hatte ich
aber beibehalten.
Meine alte Mailaresse war: <brauerjorg(a)compuserve.de>

Helmut Bernert schrieb:

Es ging um die Frage, ab wann man (Jahr, Monat, Tag) zu den Jungm�del gekommen sein k�nnte, inwieweit das Pflicht war,

Zu diesem Thema kann ich aus eigenem Erleben einiges erz�hlen:
Im Herbst 1944 war ich noch keine 10 Jahre alt (wurde es erst im Dez.)
doch ein eifriger Streiter bei der "HJ" wollte unbedingt das ich
mitmache. Ich habe mich geweigert. Es war mir einfach zu bl�d und zu
langweilig nach Komando zu maschieren und und sonstige M�tzchen
mitzumachen. (Wehrert�chtigung, usw.)
Ich war schon als Kind ein Einzelg�nger und bin es auch heute noch.

Als ich eines Tages verheult nach Hause kam, erz�hlte ich meiner
Mutter das man mich zur HJ zwingen will und einer der Anf�hrer mich
geschlagen hat. Meine Mutter hat das abgestellt, schlie�lich war ich
noch keine 10 Jahre alt.

Das war in Nieder�sterreich in Wienerbruck an der Bahnlinie St. P�lten Maria-Zell. Wir waren aus dem Ruhrgebiet dort hin evakuiert worden.

Ende Feb. Anfang M�rz 1945 kam ich in ein Erholungsheim (vermutlich in
W�rmla Nieder�sterreich ???) Dort bin ich dann richtig in die HJ
eingeweiht worden, mit allen zugeh�rigen Schikanen. Nach �berst�rzter
Flucht (April 1945), mit allen Heiminsassen, habe ich dann erlebt was
von den gro�en Worten der HJ und der Heimleitung zu halten war. Sie
verschwanden heimlich still und leise und haben uns Kinder im Stich
gelassen. Damals habe ich das alles nur als l�stig und dem�tigend
empfunden. Im Nachhinein sah ich die Sache noch etwas sch�rfer.

1946 wurden die Reichsdeutschen aus dem Kinderheim nach Deutschand
abgeschoben, von Stockerau nach Bad Reichenhall. In Bad Reichenhall in
der Villa Sch�nblick (Tivolistr. 1, das war um 1980 ein Hotel Garni)
wurden wir untergebracht. Dort gab es noch einen etwas �lteren Jungen
(hellblond und �lter als ich) aus dem Heim in W�rmla. Der war noch
Mitte/Ende 1946 �berzeugt, das Deutschland den Krieg durch Verrat
verloren hat und der Werwolf das �ndern w�rde.

Soviel zu den Erziehungsmethoden in der HJ, und dem was den Kindern
damals eingetrichtert wurde.
Ich habe schon damals (mit knapp 12 Jahren) diese Ansichten als dumm
und d�mlich empfunden und bin dem Jungen aus den Weg gegangen. Eines
Tages war er weg, vermutlich von seinen Eltern abgeholt.

Ich kam erst 1948 zu meiner Mutter zur�ck.

Gru� an die Listengemeinde
J�rg Brauer, Berlin

Hallo Helmut !

Ich habe folgendes im Lexikon Nationalsozialismus gefunden : Jungmädel wurden die 10- 14 jährigen Mädchen genannt , Mitglieder des Jungmädelbundes in der Hitlerjungend . Ab 1939 gesetzliche Pflicht zur Teilnahme . Es gibt auch noch ein sehr intressantes Buch : Chronik des weiblichen Arbeitsdienstes in Ostpreußen , habe ich vor mir liegen .
Für weitere Fragen stehe ich gerne bereit !
Mit freundlichen Grüssen
Peter Plischewski

"Helmut Bernert" <helmut.bernert@t-online.de> schrieb: