WEIHNACHTEN in Norddeutschland

Liebe Listenmitglieder,

für meine Buchprojekte bitte ich nochmals um Hilfe. Für die, die mich noch nicht kennen: Ich schreibe in meiner Freizeit Bücher über Frauen im ausgehenden Mittelalter; meine Geschichten spielen in Nordfriesland und Dithmarschen, weil die Familie meiner Mutter von dort stammt; ein Roman spielt in Lübeck. Dazu habe ich folgende Fragen:

Kann mir jemand sagen, wie man im späten Mittelalter Weihnachten in Norddeutschland gefeiert hat? Hat man sein Haus mit Tannengrün geschmückt und Geschenke ausgetauscht? Glaubte man damals an den Weihnachtsmann oder an das Christkind? Hat man zu Hause Weihnachtslieder gesungen? Hat die Reformation die privaten Weihnachtsbräuche verändert? Meine verstorbene Mutter, die in Friedrichstadt geboren wurde, hatte mir vom Rummelpott-Singen erzählt - wie alt ist dieser Brauch?

Kann mir jemand diese Fragen beantworten oder Lektüre empfehlen? Ich bin für jeden Tipp dankbar.

Herzliche Grüße aus Solingen und vielen Dank im voraus

Susanne (Nitsch)

hallo Susanne,

Hallo Susanne,
Du findest was im Abendblatt - Archiv

und hier
http://www.kaleidoskopajanis
de/5_kinderwelt/-brauch-rummelpott/start-rummelpott1.htm

Gruß Barbara

Guten Tag Susanne (Nitsch),

Weihnachten war ein kirchliches Fest am 25. Dez. , nicht 24. 12. wie
heute;
die Formen des Feierns waren regional außerordentlich unterschiedlich;
der Weihnachtsbaum ist eine bürgerliche Erfindung des 18. Jahrh.
vermutlich mit der Heimindustrie des Kinderspielzeuges aus dem
Erzgebirge
und Böhmen im 18. Jahrh. auch aus dieser Gegend in die bürgerlichen
Städte
eingewandert.
Zwischen den kath. und ev. Regionen gibt es erhebl. Unterschiede.
In Bezug auf Norddeutschland ist lohnend, die Romantiker, Literatur,
des 19. Jahrh. zu lesen, Storm, Rücker, Clausius etc..
Diese haben das Bürgerliche "Fest" in Norddeutschland in "Mode"
gebracht.

Das Fest der Kinderbeschenkung war urspr. der 6. Dez. St. Nikolaustag,
siehe
Legende zum St. Nikolaus.

Im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde aus Anlass
des Festgottesdienstes zu Mitternacht 24. zu 25. Dezember vor den
Kirchen
eine Weihnachtsmarkt abgehalten, Grund dafür: Zum Fest kamen alle, auch
die
Bewohner weitentfernt liegender Gehöfte, Dörfer ohne Kirchen. Das war
immer auch eine
Gelegenheit für Handel und Wndel, für Schwätzchen halten und sich
begegnen.

Der Zauber mit den Krippen und Krippenfiguren ist eine Moder der
kath. Gegenreformation.

Literatur dazu gibt es bergeweise.

Mit freundlichen Grüßen

Krafft-Aretin

Hallo Susanne !
Ich kannn Deine Frage zwar nicht beantworten,doch habe ich, weil meine Vorfahren auf Fresenburg bei Lathen /Emssa�en,dort bei der Gr�ndung eines Heimatverein mitgewirkt und erlebt, das die Frauen im Ort sich sehr um die Geschichte und Pflege der Traditionen bem�hen.Es sind auch einige Ver�ffentlichungen entstanden.Ich w�rde sagen daS die Mitglieder des Heimatverein Dir sehr helfen k�nnen, zum einem sind es geborene Emsl�nder aus eingesessenen H�fen und auch sehr intelligent.
Eine f�hrende Rolle besetzt da Frau Meyer, Lehrerin und Ehefrau des Ortsschulmeister.
Frau Luzia Meyer wohnt in Fresenburg/Ems in der Emsstra�e.Es w�rdeauch reichen an den Heimatverein zu H�nden Frau Meyer zu schreiben.Ich bin gerade unterwegs und habe die volle Anschrift nicht zur Hand.�ch habe auch nicht ihre eMail zur Hand.
Wenn es nicht reicht,bitte noch mal r�ckfragen. �brigens ist Frau Meyer eine geborene R�schen , die Schwester des Heimatforscher und Autoren vieler heimatkundlicher Schriften Johannes R�schen, der derzeit in K�ln lebt.
Paul Schwenke vom Schwenke Archiv

Meines Wissens hat der Tannenbaum seinen Ursprung im Elsass. Dort wurde am 24. Dezember ein Tannenbaum in den Kirchen aufgestellt, wo er anl�sslich des Adam und Eva-Spiels den Paradiesbaum darstellte, der mit �pfeln beh�ngt war, die Frucht der Versuchung. Danach kamen Hostien als Symbol der Eucharistie und der Bu�e hinzu. F�r das Jahr 1521 ist dort bereits der Verkauf von Weihnachtsb�umen belegt. Kerzen waren zu dieser Zeit nicht gerade billig und die Brandgefahr naturgem�� hoch. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass die fr�hen B�ume mit Kerzen geschhm�ckt waren. Bereits im 14. Jh. war es Sitte, gr�ne Tannenzweige, oder Mistelzweige ("Weihnachtsmaien") ins Haus zu stellen und 1509 zeigt ein Kupferstich den ersten mit Lichtern und Sternen geschm�ckten Tannenbaum von Lucas Cranach dem �lteren. 1597, so ist �berliefert, soll die Handwerkerzunft der Stadt Bremen einen Tannenbaum geschm�ckt haben, jedoch ohne Kerzen. Wann genau der Brauch in Schleswig-Holstein Einzug gehalten hat, wei� ich nicht, aber im 19. Jahrhundert d�rfte der Tannenbaum bereits allgemein verbreitet gewesen sein und der Brauch wurde nach England (Victoria von Preussen) und in die USA (deutsche Auswanderer!) transportiert.

Weihnachtslieder gab es schon im Mittelalter. Zun�chst in Latein wurden sie schnell ins Deutsche und Niederdeutsche und in andere im Heiligen R�mischen Reich deutscher Nationen gebr�uchlichen Sprachen �bersetzt. Sp�testens im 17. Jh. d�rften Advents- und Weihnachtslieder allgemein gebr�uchlich gewesen sein. Beispiele sind "In dulci iubilo" (Nun singet und seid froh), "Es kommt ein Schiff geladen" oder "Quem pastores laudavere" (Kommt und la�t uns Christum ehren).

Geschenke wurden bis ins fr�he 16. Jh. hinein in Abh�ngigkeit von der Gegend am 06. Dezember (St. Nikolaustag) oder am 28. Dezember (Tag der unschuldigen Kindlein) verteilt. Als Martin Luther die Heiligenverehrung abschaffte, fiel auch Nikolaus dieser Reformation zum Opfer. Und der Gabentag, der 6. Dezember, wurde gestrichen, wenngleich nicht ersatzlos: In protestantischen Familien erhielten die Kinder ihre Geschenke nunmehr am 25. Dezember, zu Weihnachten, und zwar durch den "Heiligen Christ". Oder, in Anklang an die biblische Geschichte, das "Christkind". Die Abschaffung des Nikolaustages hat sich aber in den lutherischen Gebieten nicht durchsetzen k�nnen. Auch der Tag der Geschenke zu Weihnachten wird unterschiedlich gehandhabt. Vielfach gab es die Geschenke am Heiligabend (24.) nach Einbruch der Dunkelheit bzw. nach dem Kirchgang, in einigen Gegenden aber auch erst am Weihnachtsmorgen (25.). Interessanterweise ist das in den D�rfern �ber die Jahrhunderte tradiert worden. Wenn�s bei den Alteingesessenen am 24.12. die Geschenke gibt, war das auch in den Jahrhunderten zuvor so.

Hoffe, es hilft.

Ulrich Schr�der

Krafft-Aretin Eggert schrieb:

Hallo, Susanne,

eine kleine Anmerkung zu Friedrichstadt:
Traditionell wurde dort in der Vorweihnachtszeit auch das " Hei�e-Wecken-Drehen" (Hedeweggndrein) durch die B�cker veranstaltet, ein Brauch, der meines Wissens auch schon sehr lange zur�ckreicht,
dann weiter n�rdlich in den D�rfern an der K�ste die Tradition des "Kinckenzeug"-Backens, Figuren (Tannenbaum, Weihnachtsmann, Kuh, Ziege usw.) aus einem hellen s��en Teig, die dann bemalt und (auch) in den Friesenbaum (als Ersatz/Vorl�ufer f�r den Tannenbaum) geh�ngt wurden.
Mit Gr��en aus der grauen Stadt am Meer
Jan (Bartels)