Was ist ein Frohnknecht? - FN RIEBE aus Güstrow

Liebe Listenleser,

im Taufeintrag meines 1852 in Rostock unehelich geborenen Urgroßvaters wird
seine Mutter eingetragen als "Frohnknechtstocher Elisabeth Riebe aus
Güstrow".
Wer weiß, welche Arbeit ein Frohnknecht 1852 in Güstrow erledigte? Im
Krünitz online wird z. B. ein Frohn-Bote = Gerichtsdiener beschrieben, ein
Frohnknecht ist nicht dabei.

Wenn zufällig jemand mehr über diesen Frohnknecht RIEBE aus Güstrow weiß,
würde ich mich über einen Kontakt freuen. Mit der Erforschung dieser
Vorfahrenlinie habe ich gerade erst begonnen.

Vielen Dank und

herzliche Grüße
Brigitte (Schymura)

Frohnknechte waren Gehilfen des Scharfrichters.
Peter

Hallo Brigitte,
ich meine mich aus dem Geschichtsunterricht daran zu erinnern, in dem es in
früheren Zeiten bis in die Neuzeit Freie (Bürger) und Unfreie gab, eben
solche, die dem Herren bzw. Adligen Frohndienste leisten mussten. Das konnte
eine Abgabe aus der Ernte oder dem Handwerk, das Ableisten von
Dienstleistungen verschiedener Form, z.B. das unentgeltliche Bestellen der
herrschaftlichen vor der Bestellung der eigenen Felder, die persönliche
Bewachung der Herren, der Einsatz als Soldaten für Beutezüge der
Herrschenden, die (unbezahlte) Arbeit für sie als Knecht, Magd oder DienerIn
und noch vieles anderes sein. Vermutlich stammt aus diesem Zusammenhang
auch das frühere Recht der ersten Nacht bei der Heirat von jungen Frauen
/Töchtern der zu Frohn- oder Frondiensten verpflichteten Familien. Insgesamt
handelt es sich dabei vermutlich um eine Zwischenform zwischen früherer und
moderner Sklaverei (heute Arbeiternehmer(ei)).

Herzliche Grüße
Julia Carmesin

Liebe Listenleser und -beantworter,

ich bin der Meinung, dass die Antworten zu Frohndiener zu buchstabengenau
ausgefallen sind. Wahrscheinlich kennen die viele von Euch das Wort
"Fronarbeit" anstelle von "Sklavenarbeit". Auch habt Ihr alle Euch schon den
verschiedenen Lüsten gefrönt (Euch diesen also hingegeben). Wenn ihr Euch
auf Eure eigene Spracherfahrung verlassen würdet, könntet ihr - auch ohne
auf den Geschichtsunterricht zurückzugreifen - darauf kommen, dass die Fron
etwas mit Hingabe zu tun hat, bei der also etwas hingegeben wird. Der
Fro(h)ndiener oder Fro(h)nknecht wird also den Dienst hingeben müssen, den
sein Fro(h)nherr gerade haben will. Das wird bestimmt für den
Fronleistenden nichts angenehmes sein, wohl aber für den Fr(o)nherrn. All
diese Überlegungen haben mich veranlasst, nun doch noch einmal Google zu
befragen etwas weitergehender zu quälen. Google bietet statt "Frohnknecht"
sofort "Fronknecht" an. Eine erste Quelle nennt tatsächlich den
"Frohnknecht" als Gehilfen des Scharfrichters. Wenn Ihr aber Google noch
weiter quält, findet ihr
unter bei Eingabe der Suchwörter "Frohnknecht" "Beruf" Stand reichliche
Information in alten Büchern oder Literatur zur Geschichte.

Wikipedia informiert unter "Frondienste" und stellt dabei dar, dass Fron und
Frohn nur verschiedene Schreibweisen sind.

Google gibt mit dem Begriff +Fronknecht + Beruf auch reichlich Informationen
(books.google.de):
1. Ursprung und Lage der Landarbeiter in Livland ... --- Adolf Agthe - 1909
- 159 Seiten - Snippet-Ansicht:
Die Taxen für die nunmehr gesetzlichen Hilfsarbeiten 5) zeigen, welche
Leistungen von einem Fronknecht oder einer ... Bei der Getreideernte wurde
eine Arbeiterfamilie (Fronknecht und Fronweib) auf eine halbe Lofstelle =
18^aa gerechnet. ...

2. Archiv für Lagerstättenforschung: Ausgaben 48-52 --- Germany. Reichsamt
für Bodenforschung, Preussische Geologische Landesanstalt - 1930 -
Snippet-Ansicht:
Fronknecht. Der Fronknechl oder Bergknecht (Art. 196) hat die Stellung eines
vorwiegend zu einfacheren Dienstleistungen bestimmten Beamten. Er besorgt
tue Ladungen vor das Berggericht, das Münstergericht und die Sechsmannen,
...

. Suomalais-ugrilaisen Seuran toimituksia: Bände 16-17 ---
Suomalais-ugrilainen Seura - 1901 - Snippet-Ansicht:
„Müde kommt der Fronknecht zur Arbeit, bittet sich ein leichtes Stück Land
aus, ihm zum Trotz giebt ihm der Vogt das ... Die Periode ist psychologisch
durchaus nötig zur Vorbereitung auf den Kulminationspunkt des „Ta:
Fronknecht und ...

4. Die widerholungslieder der estnischen volkspoesie: --- Oskar Kallas -
1901 - 398 Seiten - Snippet-Ansicht:
„Müde kommt der Fronknecht zur Arbeit, bittet sich ein leichtes Stück Land
aus, ihm zum Trotz giebt ihm der Vogt das ... Die Periode ist psychologisch
durchaus nötig zur Vorbereitung auf den Kulminationspunkt des „T.":
Fronknecht und ...
5. Die Familiennamen der Stadtbewohner in den Kreisen Oschatz, Riesa ... ---
Keine Cover-Abbildung 1981 - 341 Seiten - Keine Vorschau

6. Asien, Afrika, Lateinamerika: Zeitschrift des Zentralen Rates für ...:
Band 8,Ausgaben 1-6 --- Zentraler Rat für Asien-, Afrika- und
Lateinamerikawissenschaften in der DDR. - 1980 - Snippet-Ansicht
Zunächst bildete sich als grundlegendes und typisches Verhältnis die feudale
Pacht heraus und der GEBBAR wurde zur allgemeinen sozialen Erscheinung, sei
es in der "reinen" Form des Pächters auf nunmehr fremdem Boden oder als
Fronknecht ...

7. FF communications: Band 32,Ausgabe 90 -Band 35,Ausgabe 99 --- Johannes
Bolte, Kaarle Krohn, Axel Olrik - 1930 - Snippet-Ansicht:
Ich kaufte einen Fronknecht, ich kaufte einen Ochsen ( <v> Pferde, einen
Hanfrock). Der Fronknecht ging in den Wald pflugen Und zerbrach den Pflug —
kaaksti ! 24 Var. (Hio + E8 + A3 + ERA 3) = Vi i (E i): Nrv i. ...

8. Herr und Knecht: Figurenpaare in der Geschichte --- Hartmut Zwahr - 1990
- 295 Seiten - Snippet-Ansicht:
Eine zweite Form der Geburt des grundhörigen Bauern war die Landleihe des
freien Bauern, eine dritte die Vergabe von Salland an den servus-*
Fronknecht. Diese führte in der Konsequenz zum Verschwinden des Sallandes.
...

drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/ --- Im Deutschen Rechtswörterbuch finden
sich ab Seite 965 bis 1014 reichliche Begriffe im Zusammenhang mit Fron:
Fronknecht
Gerichtsdiener
vgl. Fronbote (I), Frone (I)
lest man den fronknecht aber zum andern mal außrufen, ob jemands von den
gehegten peinlichen rechten mehre zu thun, der magk fürtretten
1571 Fischel,Komotau 159
dem scharfrichter das wartgeld, dem frohnknecht das sitzgeld
1753 ÖstVerordn. I 410

Mit zufriedenen (weil ich mich wohl doch nicht geirrt habe) Grüßen
Julia Carmesin

Man mag in anderen dt. Landschaften den Begriff anders gebraucht haben, aber f�r Meckl. trifft in der Tat zu, was Peter und J�rgen schrieben:

Die Frohnerei war in OldMeck Sitz und Wirtschaftsort des Scharfrichters. Und der war nicht nur f�r den Strafvollzug zust�ndig, sondern auch f�r die Beseitigung von Tierkadavern, letzteres um so mehr, wenn es im Henker-Job nicht so viel zu tun gab. Ein "Frohnknecht" war dessen Geselle oder Bediensteter. Wenn ich nicht irre, z�hlte diese Branche (wie auch z.B. die Schauspieler) in alter Zeit zu den sgn. "unehrlichen" (d.h. unehrenhaften) Berufen, was eine Sonderstellung innerhalb der feudalen Gesellschaft zur Folge hatte.

Es gibt �brigens sehr ausgedehnte Forschungen sowie etliche Lit. zu dt. Scharfrichtergeschlechtern, wohl auch eine Namenskartei.

Gru�, Peter Starsy

----- B e z u g: Empfangene Nachricht -----

Liebe Listenleser,

meine Frage nach dem "Frohnknecht" ist beantwortet. Es handelt sich um einen
Abdecker-Gehilfen, der auch dem Scharfrichter zur Hand ging. Meinen Dank an
alle, die mir mit Lösungsvorschlägen geholfen haben.

Herzliche Grüße
Brigitte (Schymura)