Wappen im Siebmacher

auf dem mir vorliegenden Blatt Nr. 69 aus dem Siebmacher fallen mir

folgende

Einzelheiten auf, die ich nicht erklären kann:
- das V. vor dem Familiennamen ist von mehreren Punkten umfaßt, links und
rechts davon und unterscheidet sich von anderen Wappen dieser Seite durch
die Anzahl der Punkte. Außerdem ist über dem V ein Querstrich, der auch
unterschiedlich gezeichnet ist.
Weiß jemand eine Erklärung für diese Schreibweise? Ist es von Bedeutung?

Hallo Joachim Behnken,

ich vermute, Du beziehst Dich auf den Siebmacher 1605, Tafel 69:

Das V bedeutet VON und das DIE wie folgt:
Den Punkten messe ich keine besondere Bedeutung zu.

Das " Die vor dem Namen" im alten Siebmacher (Wappensammlung) bezeichnet
meist Angehörige der Ritterschaft im späten Mittelalter. Diese führten oft das
Prädikat vor dem Familiennamen, wie z.B. auch 'Die Beheim'! Da oft ein und
die selbe Ritterfamilie mehrere Sitze als Lehen (Lehen auf Zeit) hatte, die oft
wechselten, wäre ein "von" nicht angebracht gewesen. In der Ritterschaft
änderte sich das erst, als mehr und mehr Ritter Allodialbesitz erwarben,
also die Herrschaft über ein Gut oder Besitz erblich wurde. Dann verfestigte
sich oft auch das "von" vor dem Familiennamen bzw. vor dem Namen des
Besitzes, der Burg oder des Dorfes. Manchmal fiel dann der Familienname auch
ganz weg. Das Wappen war wichtiger als der Familienname.

Der Adel in früher Zeit war nie genau definiert. Man unterschied zwischen
Herren, Edelherren, Klerus und eben dem Rest der Menschheit. Das heutige
Adelsverständnis, mit den feinen Nuancen im Rang stammt aus weit späterer
Zeit. Im allgemeinen wurde alles nicht so eng gesehen und die Grenzen waren
fließend. Es wurde eher ein Lehen gegen ein freies Gut eingetauscht. Oder
wenn man Geld hatte kaufte man sich eins, auch wenn man dann vielleicht
nicht mehr der Ritterschaft oder dem Adel angehörte. Man starb als Adel aus,
lebte aber weiter. Besser war natürlich man hatte beides. Eine Bauerntochter
mit viel Landbesitz war sicherlich manchmal die Lösung. Ritterschaft und
Adel war ja sowieso ein zweifelhaftes Unternehmen, da die Einkünfte aus
Lehensbesitz oft nicht ausreichten um den Verpflichtungen im Kriegsdienst
nachzukommen. Deshalb waren die Ritterfamilien ja auch so weit verstreut
über Deutschland, jeder Sohn war auf der Jagd nach einem Lehen. Die meisten
schafften es nie, sondern blieben in Diensten eines anderen - als Verwalter
oder auch als Burgmann.

Siehe auch:
http://www.boehm-chronik.com/grundherrschaft.htm
http://www.boehm-chronik.com/grundherrschaft/verwandteinlandbuecher.htm

Herzliche Grüsse aus Upstate New York,
Guenter Boehm