Vorname Waldemar

Hallo liebe Listenteilnehmer, speziell auch Günther Böhm,

dessen Vornamen-Kommentare ich sehr interessant finde, wobei man natürlich
nicht außer Acht lassen darf, dass Kinder damals auch häufig nach Verwandten
oder Paten benannt wurden.

In dem Zusammenhang ist in unserer Familie immer über die 1882 vergebenen
Vornamen Friedrich Waldemar gerätselt worden. Friedrich war der Rufname,
allgemein verbreitet und in der Familie auch schon vorgekommen.

Aber wir haben keine Ahnung, wie mein Großvater an seinen 2. Vornamen
Waldemar bekommen ist. Das Taufregister mit Nennung der Paten existiert
leider nicht mehr. Die Familie war auf beiden Seiten evangelisch, der Vater
aus Niederschlesien, die Mutter deutsch aus der Provinz Posen.

Sehe ich das richtig, dass Waldemar für Schlesien untypisch ist? Hat da
jemand Erfahrung?

Schöne Grüße

Gudrun - auf der Suche nach MAIDORN

Günther Böhm schrieb:

Hallo Karsten,
diese Angabe liest sich sehr zweifelhaft.

   1. JUNG ist ein Allerweltsname, die Vornamen Friedrika Luisa Dorothea
      deuten auf eine Herkunft aus Preußen (Friederike nach Friedrich
      II.oder dem 1855 regierenden Preußenkönig Friedrich Wilhelm III.,
      Luisa nach Königin Luise, geb. Prinzessin v.MECKLENBURG-STRELITZ,
      der Gemahlin Friedrich Wilhelms III., und Dorothea nach Königin
      Sophie Dorothea in Preußen, geb. Herzogin v.BRAUNSCHWEIG-LÜNEBURG,
      der Mutter Friedrichs II.
   2. Der FN GÖRSCH stammt sicher nicht aus Böhmen sondern vermutlich
      aus Sachsen-Anhalt oder der südlichen Merk Brandenburg (aktuelle
      Konzentration in den jeweils aneinander grenzenden Kreisen
      Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark, Wittenberg,
      Anhalt-Zerbst, Köthen und Schönebeck). Die Vornamenkombination
      Wilhelm Otto passt eigentlich nicht zum Geburtsjahr 1852. Ich
      würde sie auf Kaiser Wilhelm I. und seinen Kanzler Otto Fürst
      BISMARCK beziehen, doch das kann nicht zutreffen. Eher ist wohl
      wieder Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. gemeint. Otto dürfte
      auf einen der mittelalterlichen, doch im Preußen des 19.
      Jahrhunderts äußerst populären Brandenburger
      Hohenzollern-Markgrafen verweisen.
   3. Die Namensschreibweise SPITZKATZ ist sehr selten und deshalb
      wahrscheinlich eine relativ neue Entstellung. Die Variante SPITZKA
      kommt öfter vor, auch in Österreich. Sie ist wahrscheinlich vom
      tschechischen Wort ?pi?ka = Stift, Spitze abgeleitet, das als FN
      in Böhmen und Mähren nicht selten ist (238 x im Telefonbuch) und
      im IGI bereits 1580 in Nimburg [Nymburk] in Mittelböhmen vorkommt.
      Die Vornamen sind eindeutig preußischen Ursprungs.
   4. Der FN WALTHER ist besonders im sächsischen Erzgebirge verbreitet
      und hat sich vermutlich von dort über Thüringen und Hessen bis in
      die Pfalz verbreitet. Auch ich habe einige (Erzgebirgler) unter
      meinen Verwandten. Die Vornamenkombination August Johann könnte
      auf Johann Wolfgang v.GOETHE und dessen Souverän und Gönner
      Großherzog Karl August v.SACHSEN-WEIMAR-EISENACH verweisen.

Alle Vornamen sind typisch evangelisch und deshalb sicher nicht in
Böhmen vergeben worden.

Grüße vom Niederrhein,
Günther Böhm

Gudrun!

Das fuenfte Kind Kaiser Wilhelm II wurde am 10.2.1868 geboren und auf
den schoenen Namen
WALDEMAR getauft... <grins>

Ernst

Es muss natuerlich 5. Kind Kaiser Friedrich III heissen <sorry>

Ernst

Gudrun Maydorn schrieb:

wobei man natürlich nicht außer Acht lassen darf, dass Kinder damals auch häufig nach Verwandten oder Paten benannt wurden.

In dem Zusammenhang ist in unserer Familie immer über die 1882 vergebenen Vornamen Friedrich Waldemar gerätselt worden. Friedrich war der Rufname, allgemein verbreitet und in der Familie auch schon vorgekommen.

Aber wir haben keine Ahnung, wie mein Großvater an seinen 2. Vornamen Waldemar gekommen ist. Das Taufregister mit Nennung der Paten existiert leider nicht mehr. Die Familie war auf beiden Seiten evangelisch, der Vater aus Niederschlesien, die Mutter deutsch aus der Provinz Posen.

Sehe ich das richtig, dass Waldemar für Schlesien untypisch ist? Hat da jemand Erfahrung?
  

Hallo Gudrun,
ja, wenn man an adlige Bezüge denkt, ist Waldemar untypisch für
Schlesien und in Ihrem Fall vielleicht anderswo begründet. Den dänischen
Bezug will ich ausschließen. In Brandenburg (auf das sich Preußen
bekanntlich zurückführte) würde man natürlich an den letzten
Askanier-Markgrafen denken - und an den ersten Hohenzoller, Markgraf
Friedrich I. von Brandenburg, den vormaligen Burggrafen Friedrich IV.
von Nürnberg. Dann würde er den Hohenzollernbezug allerdings
relativieren. Doch ist der Posener (d.h. vormals großpolnische) Bezug
interessant. Die Mutter des Markgrafen Waldemar war Constantia von
Polen, die älteste Tochter des Piastenherzogs Przemysław I. von
Großpolen (der seine Residenz in Posen hatte) und der Elisabeth von
Schlesien. Waldemar erwarb die Länder Züllichau und Schwiebus für
Brandenburg.

Haben Sie mal nachgeforscht, wie die adligen Herren am Ort hießen, zu
denen es einen Bezug gab? In der Familie meiner Frau ist der Vorname
Ernst ziemlich deutlich auf die v.WENTZKY u. PETERSHAIDE zurückzuführen,
denen die Dörfer Plohe und Chursangwitz gehörten. Am Ende des 19.
Jahrhunderts waren solche Manifestationen der Abhängigkeit allerdings
seltener.

Grüße vom Niederrhein,
Günther Böhm

Ernst Hoffmann schrieb:

Das fuenfte Kind Kaiser Wilhelm II wurde am 10.2.1868 geboren und auf
den schoenen Namen
WALDEMAR getauft... <grins>
Es muss natuerlich 5. Kind Kaiser Friedrich III heissen

Hallo Ernst,
ich nehme an, dass Gudruns Großvater frühestens um die Jahrhundertwende geboren ist, als dieser (schon mit 11 Jahren verstorbene) Prinz Waldemar v.PREUSSEN bereits seit 20 Jahren tot war. Zur Benennung nach ihm gab es also keinen Grund. Es gab da zwar noch zwei weitere Preußenprinzen dieses Namens, deren Herkunft aber nicht so herausgehoben war, dass man seine Kinder nach ihnen benannt hätte.

Grüße vom Niederrhein,
Günther Böhm

Günther Böhm schrieb:

ich nehme an, dass Gudruns Großvater frühestens um die Jahrhundertwende geboren ist

Gudrun Maydorn schrieb:

In dem Zusammenhang ist in unserer Familie immer über die 1882 vergebenen
Vornamen Friedrich Waldemar gerätselt worden.

sorry, da hatte ich die Zahl 1882 übersehen. Sie ändert aber nichts:

    der Sohn von Prinz Wilhelm v.PREUSSEN (* 2.8.1817, + 17.2.1849) war
    als Offizier und Indienreisender sicher nicht bedeutend genug,
    der Sohn von Kronprinz Friedrich Wilhelm, des späteren
    99-Tage-Kaisers Friedrich III.(* 10.2.1868, + 27.3.1879) bereits
    seit drei Jahren tot,
    der Sohn von Prinz Heinrich (20.3.1889, + 2.5.1945) noch nicht geboren.

Grüße vom Niederrhein,
Günther Böhm

Er hieß Waldemar weil es im Walde war. (;-))

Jawohl Harald,
sonst hieße er ja Heidi.

Waldemar-Heidi... oder vielleicht doch Bettina ?---
Nur der Vollständigkeit halber !
Monika E.

Liebe Listenmitglieder,
aus persönlichem interesse(ein Verwandter heißt so) habe ich habe einmal
gegoggelt und folgene Seite gefunden

http://www.onomastik.com/Vornamen-Lexikon/name_652_Waldemar.html

Da steht

  Waldemar

*männlicher Vorname
Deutsch*

Aus den Namengliedern "wald" (walten, herrschen) und "mar" (berühmt) ist
der zweigliedrige germanische Vorname Waldemar gebildet.
Namenvariante:
Woldemar <http://www.onomastik.com/Vornamen-Lexikon/name_653_Woldemar.html&gt;

Mit freundlichem Gruß
Waltraud (Turski)