Ein sonniges Hallo in die Runde,
bei meinen Forschungen bin ich an einen Punkt gestossen, an dem ich nicht weiß, wie ich weitermachen soll.
Ich besitze die Geburtsurkunde meiner Urgroßmutter mit den üblichen Daten, auch mit den Namen und Berufen der Eltern. Ich habe nun in der Volkszählungsliste von Mecklenburg 1900 meine Urgroßmutter gefunden. Nun komme ich zum Problem: Das Geburtsdatum stimmt überein - aber das Jahr variiert um 1 Jahr. Der Beruf des Vaters, auf der Geb.-Urkunde noch mit Schneider angegeben, lautet bei der Zählung Bergwerksarbeiter.
Ist es trotzdem meine Urgroßmutter? Unter welchem Namen steht ihre Mutter in den Volkszählregistern, Mädchenname, Ehename oder gibt es andere Bemerkungen? Und wenn sie unter keinem Namen steht, heißt das, dass sie schon verstorben war?
Wie wurde bei diesen Zählungen vorgegangen? Bestimmt hat der Erfasser sich nicht die ganzen amtlichen Papiere zeigen lassen, sondern nur auf mündliche Auskunft schriftlich niedergeschrieben oder gar selbst das Geburtsjahr errechnet?
Wer kennt sich aus und kann mir einen Rat geben?
LG S. Hegermann
Hallo Sabine,
eine Abweichung des Geburtsjahres in einer Volkszählung z. B. des 19.
Jahrhunderts von 1 Jahr ist durchaus nicht ungewöhnlich, wenn es sich um
Erwachsene handelte. Was den Beruf des Vaters anbetrifft, war er vermutlich
bei der Geburt seines Kindes Schneider, zum Zeitpunkt der VZ
Bergwerksarbeiter.
Der Nachname der Mutter kann sowohl ihr Geburtsname als (manchmal) auch der
Ehename sein. Dies ist relativ einfach daran zu erkennen, wenn bei ihr
wohnende Kinder (falls sie schon verwitwet war), denselben oder einen
anderen Familiennamen trugen als die Mutter. Lebten beide Ehepartner noch
und in der VZ sind unterschiedliche Nachnamen eingetragen, ist der Nachname
der Frau ihr Geburtsname. Verstorbene wurden in Volkszählungen naturgemäß
nicht erfasst.
Einige Zähler nahmen ihre Aufgabe sehr genau, andere eher weniger.
Ausschlaggebend ist auf jeden Fall der Eintrag ins Kirchenbuch.
Dies ist meine Erfahrung, die ich bei der Digitalisierung von Volkszählungen
gemacht habe.
Gruß
Brigitte (Schymura)
Hallo Sabine,
ich kann den Ausf�hrungen von Brigitte nur beipflichten, wobei sich die
Verzeichnungspraxis hinsichtlich des Familiennamens der Ehefrauen
anscheinend von Z�hlung zu Z�hlung ge�ndert hat oder insgesamt uneinheitlich
war.
Beim Geburtsalter hatte ich unl�ngst eine Dame mit ziemlichem Familienname,
die (auch) deshalb eindeutig auffindbar war. Bei der ZVL 1867, 1890 und 1900
wurde die Gute immer j�nger (wie's bei Damen mitunter bis heute der Fall
sein soll). Anscheinend basierten die Ang. f�r die VZL auf Selbstausk�nften
der "Z�hllinge".
Gru�, Peter (Starsy)
-----Urspr�ngliche Nachricht-----
Allgemeine Hinweise:
zu den Volkszahl-Registern und zur Suche in der Datenbank des AKVZ
1. Die Durchf�hrung der Volksz�hlungen
Die Beauftragten gingen bei der Z�hlung von 1768 und auch noch 1803 von Haus zu Haus und notierten die Stra�en, die H�user, die Namen, das Alter, teilweise (soweit die Personen "aussagefreudig" waren) die Verwandtschaftlichen Verh�ltnisse und die Besitzverh�ltnisse, die Berufe und die soziale Stellung (arm, Altenteiler etc.). Manchmal hei�t es aber auch nur lapidar: Wilhelm, ein Knecht, wei� seinen Namen nicht!
Diese erste (dorf- und stra�enweise) Erfassung wurde sp�ter in Reinschrift in vorgedruckte Formulare �bertragen - gut erkennbar an der gleichen Handschrift eines ganzen Kirchspiels (mit vielleicht 2500 Personen) und eines ganzen Amtes (auch mal mehr als 10.000 Personen), deren "Z�hlung" nat�rlich nicht an einem Stichtag von dieser einen Person durchgef�hrt werden konnte.
In sp�teren Jahren (1835, 1840 etc.) wurden zumindest in den St�dten sogenannte Haushaltsb�gen verteilt, welche der Hauseigent�mer selbst ausf�llen mu�te.
...
2. "Fehlerquellen"
2.a) Schreibweisen
Bei der ersten Befragung, die ja nach Geh�r und nicht nach vorzulegenden Papieren erfolgte, konnten sich "Fehler" ergeben, die bei der sp�teren �bertragung dann auch wiederum und m�glicherweise erneut fehlerhaft fortgeschrieben wurden. Hinzu kommt sicherlich auch eine unterschiedliche Ausbildung der "Z�hler" und somit eine entsprechende Unsicherheiten in der Orthographie.
...
2.d) die gleiche Person in verschiedenen Volksz�hlungs-Jahrg�ngen
Bei der �berpr�fung einer Person, aufsteigend von Volksz�hlung zu Volksz�hlung, wird man feststellen, da� sich Namen manchmal und Altersangaben h�ufiger ver�ndern:
Aus Anna Dorothea Catharina wird Dorothea Anna Katarina oder auch mal Anna Christina Doretea oder nur Anna Catharina.
Entsprechend �ndern sich manchmal auch die Familiennamen in der Schreibweise, s.o.
Die Altersangaben der gleichen Person schwanken von VZ zu VZ durchaus h�ufig zwischen 1 und 3, manchmal auch bis zu 4 und 5 Jahren!
...
Ausf�hlich unter:
Gru� Peter Vo�
Hallo ihr Lieben, die ihr auf meine Fragen geantwortet habt,
vielen Dank für eure Antworten und Tipps. Ich glaube nun, dass meine Unsicherheit doch beseite geschoben werden kann, denn eure Aussagen bekräftigen meine Vermutungen hinsichtlich der Erfassungen und auch der Fehlerquote bei Rechtschreibung und Errechnung des Geburtsjahres. Ich verstehe jetzt auch die VZL mehr als Hinweis für weitere Recherchen und kann nun gezielter in KBs nachschauen und muß nicht mehr blind suchen. Nur mit der Mutter bin ich noch nicht klar gekommen, weil es verschiedene Schreibweisen gibt und sie 1900 nicht mehr erfasst ist, also wahrscheinlich tot. Ich freue mich schon auf meine nächsten Suchaktionen, denn endlich geht es mal voran.
Bis dann und LG S. Hegermann