Vertreibungen

Liebe Schlesierfreunde,

auf der Seite <A HREF="http://www.schlesien.mattern-online.info/index/Schlesien/Flucht_Vertreibung/Zahlen/zahlen.HTM">Zahlen</A> habe ich einige Informationen zu den Vertreibungen aus
den Ostgebieten zusammengetragen.
Mich erstaunt, dass relativ viele Schlesier in ihrer Heimat verblieben sind
oder bleiben durften aber auch relativ wenige, ich sage extra relativ, Verluste
durch Kriegseinwirkung und Vertreibung zu beklagen waren.

Woran kann das gelegen haben? Lag es daran, das in Schlesien viel Industrie
war und die Besatzer die Fachkräfte brauchten oder könnte es noch andere Gründe
gegeben haben?

Auf Denkanstöße freuen ich mich.

Viele Grüße aus Wallenhorst
Roland

Hallo Roland,

ich zitiere mal folgende Passage von Preussenweb, darin sind einige Denkanstöße enthalten:

"Mit Beginn des sowjetrussischen Vormarsches setzte eine Fluchtbewegung der schlesischen Bevölkerung westwärts in die Lausitzen und nach Sachsen, nach dem Südwesten in die Gebirgsgegenden und über
das Gebirge hinweg nach Mähren und Böhmen ein. Sie hatte in den einzelnen Teilen Schlesiens eine unterschiedliche Intensität, weil sie vielfach von den Behörden zu spät gestattet wurde, so daß bei
raschem Vordringen des Feindes eine Flucht für viele nicht mehr möglich war, aber auch, weil manche Bevölkerungsteile gar nicht ihre Heimat verlassen wollten; das gilt etwa für die Mehrzahl der der
polnischen Sprache mächtigen Oberschlesier."

( Quelle: http://www.preussenweb.de/schlesien2.htm )

Gruss
SVEN
http://www.rossa.de.tf

Romattern@aol.com schrieb:

Mich erstaunt, dass relativ viele Schlesier in ihrer Heimat verblieben sind oder bleiben durften aber auch relativ wenige, ich sage extra relativ, Verluste durch Kriegseinwirkung und Vertreibung zu beklagen waren.

Lieber Roland,

das kann man doch so nicht schreiben - um Gottes Willen!
Man m��te noch untersuchen, warum der Prozentsatz in Ostbrandenburg
doppelt so gro� ist, vermutlich stellt diese Zahl Deine Relation dar,
aber wenn 18% der Bev�lkerung einer Provinz ermordet wurden, kann man
dies unter gar keinen Umst�nden als 'relativ wenig' bezeichnen.

Die K�mpfe in Schlesien dauerten ungef�hr 3 1/2 Monate. Am Schlu� waren
noch die Festung Breslau sowie ein gro�er Teil von S�dschlesien
(Grafschaft Glatz und weiter r�ber in Richtung Frankenstein) von dt.
Truppen besetzt. Massive Luftschl�ge wie in Westdeutschland gab es
praktisch nicht. Die Schlesier wurden also vor allem nach Einstellung
der jeweiligen Kampfhandlungen ermordet. Da die wehrt�chtigen M�nner von
Januar 1945 bis August 1945 an der Front waren oder sich in
Gefangenschaft befanden, waren es haupts�chlich die Frauen, Kinder und
Alte, die f�r den Nazi-Terror in Polen und der Sowjetunion b��en mu�ten.
Die Verh�ltnisse damals in Schlesien lassen sich eigentlich nur mit
denen aus dem 30j�hrigen Krieg vergleichen. Vor diesem Hintergrund ist
es also unm�glich, das Wort 'wenig' [Tote] zu gebrauchen.

Bei den 700 000 Schlesiern, die sp�ter in Polen geblieben sind, handelt
es sich vor allem um Bergleute, aber auch um mehrsprachige Autochtone.
Hier mu� zwischen OS und NS unterschieden werden. In OS hatten sich ja
etwa 40% damals (Abstimmung nach dem I.WK!) f�r Polen entschieden.
Einige dieser 'Deutschen' haben beim Einmarsch der Roten Armee in OS
schnell die polnische Fahne aufgezogen, damit ihr Hab und Gut verschont
blieb. Diese Leute haben ohne gr��ere Probleme sp�ter die poln.
Staatsangeh�rigkeit erhalten.

Das Thema ist nicht internettauglich. Weder in einer mailing-Liste noch
auf den paar Internetseiten, die es dar�ber gibt, erh�lt man gen�gend
Informationen in ausreichender Qualit�t. Zweifelsohne ist hier das Buch
dem neuen Medium noch immer haushoch �berlegen. Also, einfach mal wieder
eine gute Bibliothek besuchen.

Mit freundlichem Gru�
Klaus Liwowsky