Liebe Listenteilnehmer!
So langsam geht mir der Hut hoch. Da leben wir in einer Welt in der Toleranz
und Meinungsfreiheit so gro� geschrieben wird und was erlebt man da?! Die hochgepriesene Toleranz reicht nicht mal f�r einen Blick �ber den eigenen Tellerrand.
Ich verstehe die �u�erungen, bzw. das Verhalten einiger Listenteilnehmer nicht. Wieso ist es nicht m�glich sich normal �ber geschichtliche Ereignisse und die damit verbundene Politik zu unterhalten!?
Ich bin 34 Jahre alt und besch�ftige mich seit rund 10 Jahren mit der
Ahnenforschung. Dabei musste ich feststellen, da� gerade die Zusammenh�nge in der Familiengeschichts- und Ahnenforschung nun mal nicht ohne Kenntnisse �ber die geschichtlichen Ereignisse geht. Wohl keiner hier r�hmt sich mit den Ereignissen der Vergangenheit und ist stolz darauf und nicht jeder der hier auch mal eine politische Bemerkung im Zusammenhang abgibt ist doch gleich neonazistisch veranlagt oder will einen anderen Teilnehmer in eine politische oder religi�se Richtung zwingen. Wie war das mit der Meinungsfreiheit?
Da ich leider keine Verwandten mehr habe, die mir vom damaligen
Zeitgeschehen berichten k�nnen, fehlen mir viele Kenntnisse. Oft �berlege ich warum meine Angeh�rigen ihre Heimat verlassen haben, m�chte Fakten und Hintergr�nde kennen lernen. Was ich zu meiner Schulzeit im Geschichtsunterricht gelernt habe, ist mir dabei keine gro�e Hilfe. In B�chern wird mir auch nicht das geboten, was ich in Erfahrung bringen m�chte. Das was ich suche erhalte ich nur aus Gespr�chen, mit Zeitzeugen! Da ich beruflich sehr viel mit �lteren Leuten zu tun habe, habe ich f�r mich pers�nlich so viele interessante Informationen bekommen, die ich in keinem Buch wiederfinde.
Oder wo steht geschrieben, da� es "h�heren T�chtern" verboten war arbeiten zu gehen? Eine junge Frau, die sich nichts mehr gew�nscht hat, als Lebensmittelchemie zu studieren. Dieselbe junge Frau, die sich als Kind gew�nscht hatte Holzpantinen tragen zu d�rfen, statt Lederschuhe, weil es viel einfacher war die Holzpantinen ihren Spielkameraden hinterherzuwerfen.
Und auch diese Frau war es, die �ber Umwege erfahren hatte, da� sie ihre Heimat verlassen mu�, weil die Russen einmarschieren. Bei Nacht und Nebel legte sie ihren 9 Monate alten Sohn in einen viel zu kleinen Kinderwagen um sich mit ihm auf den Weg zu machen. N�hte Geld in die Kissen, Windeln und Kleidungsst�cke des Babies ein und versteckte Schmuck, Besteck und Briefmarken unter den Matratzen des Kinderwagens. Dieselbe Frau war es auch,die ein zweites Kind bekam, eine Tochter die zu fr�h geboren wurde. Das Kind musste sterben, weil es ein M�dchen war und es sich lt. Hitler nicht "lohnte" ein M�dchen aufzup�ppeln , weil sie f�r sp�tere Kriegseins�tze nicht brauchbar waren.
Dann war da noch der Mann, der im Krieg Erfrierungen an den F��en erlitten hatte, der erst vor 8 Jahren anfing, die Sp�tfolgen zu bemerken. Nachts immer noch schreiend aufwachte, weil er dachte er w�re immer noch im Krieg.
Mein Gro�vater, der im Krieg an Malaria erkrankte und in russische
Gefangenschaft geriet. Und als er vor 10 Jahren starb in den letzten
Lebenstagen in die Vergangenheit zur�ckversetzt wurde und von
Kriegserlebnissen fantasierte. Meine Oma, die in ihrer Angst vor den Russen ihre Wertsachen unter der Treppe im Haus versteckte in der Hoffnung, sie w�rde einmal wieder in das Haus der Schwiegereltern zur�ckkommen. Sie war es auch, die mit 28 Jahren �ber Nacht schneewei�e Haare bekam, weil sie erfuhr, da� ihr Mann in den letzten Kriegstagen gefallen war. Ohne je seinen Sohn kennen gelernt zu haben.
Aber es gibt auch noch den Mann, der bei der Marine war und noch heute
voller Stolz das Foto "seines" Kapit�ns auf dem Schreibtisch stehen hat und mir jedesmal berichtet, da� er einen dicken Fu�nagel hat, weil w�hrend eines Einsatzes ein Matrose draufgesprungen ist.
Der Mann, der mit verschmitztem Grinsen und leuchtenden Augen von seiner gro�en Liebe "Mary Belle" erz�hlt, die er kennen lernte als er sich w�hrend des Krieges in Australien aufhielt, die ihm einen Bumerang schenkte in der Hoffnung er w�rde eines Tages zur�ckkommen.
Das alles sind Erlebnisse von Menschen, die am Zeitgeschehen teilgenommen haben und trotz der harten Kriegswirren und der vielen �ngste, N�te und Sorgen nie die Hoffnung verloren haben. Die der ganzen Negativit�t auch noch positive Seiten abgewinnen konnten. Die Leute, die von sich aus niemals einen Krieg angefangen h�tten, trotzdem mitgemacht haben, weil sie Angst um ihre Familie und ihr eigenes Leben hatten. Geschichten, die f�r mich erst die Geschichte interessant gemacht haben, die in keinem Buch stehen und von
denen kein Geschichtslehrer erz�hlt hat.
Dazu geh�ren auch die politischen Ereignisse, ich m�chte die Hintergr�nde wissen, um zu erfahren, warum viele �ltere Menschen verstockt und vergr�mt sind, immer wieder an den selben Krankheiten erkranken, die selben Alptr�ume haben. Was sie gegessen haben, wie sie lebten, wie sie ihre Freizeit verbracht haben, was sie f�r Kleidung getragen oder was f�r Musik sie geh�rt haben. Ich m�chte wissen, warum sie sich nicht wehren konnten. Was die Hintergr�nde waren, da� sie sich politisch organisiert haben.
Kurzum, es gab gute und schlechte Zeiten! Es gibt sie immer noch und es wird sie auch immer geben! Es st�rt mich auch, wenn wir als junge Menschen noch heute f�r die Ereignisse der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden.
Aber das alles hat es gegeben, und man mu� es verarbeiten und den Leuten die dar�ber reden m�chten die M�glichkeit geben ihnen zuzuh�ren. Es ist nicht eine Wand, die einfach mit neuer Farbe gestrichen, eine Mauer die einfach abgerissen oder eine Seuche die einfach ausgerottet wird! Durch Ignoranz wird doch die Wahrheit nur verdr�ngt und die Handlung diverser Menschen provoziert!!!
Also, ich bitte doch sehr um mehr Toleranz dem Mitmenschen gegen�ber!
Wer dazu nicht in der Lage ist, dem empfehle ich statt der Teilnahme an dieser Liste doch eher einen H�kelclub im Seniorenheim! Dann aber
Augenbinde, Oropax und Pflaster (f�r den Mund) nicht vergessen! Denn nur mit dem Verhalten der drei Affen kann man sich der Wirklichkeit vielleicht entziehen!
Mit freundlichen Gr��en
Sabine Schulz