Liebe Mitforscher,
in der letzten Bunzlauer Heimatzeitung war ein Artikel abgedruckt,
den ich für evtl. Interessierte nachstehend auszugsweise wiedergeben
möchte:
Magister Floeßel, der Chronist von Siegersdorf
Von Artur Schiller - Aus dem Bunzlauer Stadtblatt vom 10. März 1928
Die Stadt Bunzlau besitzt eine ungewöhnlich gute Handschrift des
Magister holstenius, die eine Chronik der Stadt darstellt und aus
dem Ausgange des 16. Jahrhunderts stammt. Ebenso besitzt sie ein
"Fassionstabelle" genanntes, handschriftliches Steuerkataster, das
alle Landbesitzer der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer, zu denen
Bunzlau damals gehörte, mit Vor- und Zuname und der Größe ihres
Besitztums im Jahre 1577 darstellt. Von großem Werte für die Reli-
gionsgeschichte, besonders die Gegenreformation, ist auch die im
Besitze der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften befindliche,
von dem Bunzlauer Bürgermeister Seiler verfaßte Chronik:
Abominatio desolationis Boleslaviensis, Greuel der Bunzlauer Ver-
wüstung; wir müssen uns damit trösten, daß sie von Wernicke, Chronik
von Bunzlau, Seite 322 sa., leider unter Weglassung der charakte-
ristischen Randbemerkungen, auszugsweise abgedruckt ist. Die drei
Urkunden wären nicht nur sowohl im Interesse von Stadt und Kreis
Bunzlau, sondern auch von ganz Schlesien einer Drucklegung würdig.
Die Verhältnisse gestatten es aber derzeit noch nicht.
Eine ähnliche Wichtigkeit für einen Teil des Kreises, für Siegers-
dorf, Neudorf, Bienitz, Neu-Gersdorf und Sophienwalde, hat die
freilich aus neuerer Zeit stammende, aber offenbar sehr zuverläs-
sige und besonders ungemein fleißige, handschriftliche Chronik von
Siegersdorf, verfaßt von dem Pastor Karl Rudolf August Flössel.
Sie umfaßt nicht weniger als 527 Folioseiten. In den Jahren 1828
bis 1830 hat Flössel als Ortspfarrer, der er in der Zeit von 1814
bis 1860 war, die Urschrift geschrieben. Diese wird als großer
Schatz von der Gemeinde Siegersdorf verwahrt. Im Jahre 1836 hat
Flössel durch einen gewissen During davon eine Abschrift herstellen
lassen, die er der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften
zu Görlitz einsandte. Wir konnten diese Abschrift in jüngster Zeit
durchsehen.
Dieser Auszug umfaßt etwa 1/3 des gesamten Textes.
Anscheinend tauchen doch noch ab und zu Unterlagen aus dem Gebiet
um Bunzlau auf, was möglicherweise zu der Hoffnung berechtigt, daß
einzelne Kirchenbücher evtl. doch noch aufgefunden werden.
Viele Grüße von Ingeborg Thaufelder geb. TZSCHOPPE
aus dem z. Z. sonnigen Bayreuth