Urkunden und Datenbanken

Hallo liebe Listenmitglieder!

Im Laufe der Beobachtung der verschiedenen Listen (als blutiger Anfänger staunt man nur über Wissen, Kompetenz und Hilfsbereitschaft der vielen aktiven, "alten Hasen", und hält sich meist bescheiden im Hintergrund) sind bei mir zwei Fragen entstanden. Vielleicht könnte mir der ein oder andere weiterhelfen:

1.) Urkunden:

Wie "lagert" man Originalurkunden bzw. Originaldokumente? (Ich meine nicht eingescannt im Computer, sondern die richtigen Paipiere) Gibt es eine Methode, die besonders vorteilhaft bzw. schädlich ist? Worauf sollte man achten? Welches Ordnungssystem eignet sich am besten, d.h. sollte man die Dokumente separat in einem Extra- Ordner zum Beispiel aufbewahren oder zusammen mit Personenstammblättern der einzelnen Personen.

Wäre sehr an Erfahrungen diesbezüglich interessiert.

2.) Datenbanken:

Habe in den verschiedensten Listen immer wieder von Datenbanken gelesen, welche sich zum Beispiel auf einen bestimmten Namen und all dessen Träger beziehen. Nun finde ich diese Idee sehr spannend und würde so etwas gerne in Bezug auf den Namen MÜNNICH beginnen, frage mich aber, wie fängt man so etwas an? Gibt es bestimmte Grundvoraussetzungen oder rechtliche Bestimmungen(z.B. hinsichtlich des Datenschutzes), die es zu beachten gilt?

Habe mittlerweile alle meine bekannten Vorfahren via Ahnen- Software auf dem Computer gespeichert. Inwiefern unterscheidet sich das von einer Datenbank??? (Sicherlich eine Dummie- Frage, aber wie gesagt, stecke ich in Sachen Genealogie noch in den Kinderschuhen.)

Vielen Dank schon im voraus an alle, die sich die Zeit genommen und Mühe gemacht haben, diese Mail zu studieren und mir bei meinen vielleicht etwas ungewöhnlichen Fragen weiterhelfen können.

Eine zauberhafte Woche wünscht

Stefan Münnich

*Student aus Berlin

Hallo Stefan,

da Du ja gleich einen 'Rundumschlag' an viele Listen geschickt
hast, will ich hier mal nur kurz dazu antworten:

ad 1) Mit 'Originalurkunden' (wenn auch nur in Kopie) sollte man immer
       so umgehen wie mit dem Hausschmuck. Immer nur eine Kopie mit sich
       tragen, ansonsten reichlich Fotos davon fuer die Versicherung :wink:

ad 2) Falls Du aus oeffentlich zugaenglichen Quellen sammelst, ist es
       evtl. sogar Dein eigenes Urheberrecht (auf die spaetere Sammlung -
       natuerlich nicht auf die Daten. Auf Lebensdaten kann es kein
       Urheberrecht geben - die Sammlung dagegen bleibt strittig - [auch
       wenn mich jetzt viele Juristen steinigen]). :slight_smile:
       Hierbei sollten die Quellen und ggfls. Standorte genau
       dokumentiert werden, um spaetere Rueckschluesse und Kausalitaeten
       nachvollziehen zu koennen. Es geht nichts ueber eine vernuenftige
       und zuverlaessige Quellenangabe. Und solange Du ueber 'public
       available documents' an Deine Daten kommst, ist es aus meiner
       Sicht nicht wirklich fraglich.

Vielleicht hilft das ein wenig weiter.
Gruesse
Ralf Stamporek

stefanmuennich@web.de wrote:

Hallo Stefan,

jeder von uns hat mal angefangen und mußte sich durchfragen, und muß es
zu bestimmten Themen meist heute noch. Nur wer fragt, kann hinzulernen.

Zum Thema "Datenbanken":
Evtl. hast Du hier ja auf meine "FRIT(Z)SCH(E)-Datenbank" Bezug
genommen, in der ich deutschlandweit (in früheren Maximalgrenzen) alle
erreichbaren Namensträger sammle. Grundsätzlich beinhaltet jede
genealogische Software eine DB, in die über vorgefertigte Masken nach
und nach die erforschten Personen (als Datensätze, DS) eingegeben
werden.

Ich versuche es mal einfach zu erklären: Eine DB besteht also aus
mehreren DS (einem DS zu jeder einzelnen Person). Die DS wiederum
bestehen aus Datenfeldern, die in unserem Fall den Vornamen, den Namen,
das Geburtsdatum, Lebensort, Beruf, Paten, usw., aufnehmen. In
Listenform sieht das aus wie eine große Tabelle: als Überschriften der
einzelnen Spalten stehen dort "Vornamen", "Name", "Geburtsdatum", usw.,
und die einzelnen Zeilen der Tabelle beinhalten die DS der Personen, die
Zellen der Tabelle von links nach rechts die Datenfelder des DS. Es gibt
weitere typische, untereinander verknüpfte Strukturen innerhalb der DB,
auch verschiedene Arten von DB, aber das würde hier zu weit führen und
nur verwirren. Doch, halt, die Verknüpfungen sind sehr wichtig:
Hierdurch werden bestimmte Personen anderen bestimmten Personen fest
zugeordnet: Bspw. der Vater den Kindern aus 1. Ehe und der 1. Ehefrau,
die 2. Ehefrau den Kindern aus 2. Ehe und dem gleichen Vater, jeweils
die Ehefrauen ihren und der Vater seinen Eltern, usw. Ohne diese
Verknüpfungen wäre die DB nur eine Ansammlung von riesigen Mengen
einzelner Personen, die in keiner Beziehung untereinander stehen würden
- völlig wertlos also für unsere Zwecke.

So basiert auch mein "PC Ahnen 2003" auf mindestens einer DB. In "PCA
2003" kann ich außer der sog. Genealogie "Stammdaten" (nämlich die DB,
die alle Vorfahren unserer beiden Kinder und angeheiratete Personen
aufnimmt) aber auch noch beliebige weitere "Genealogien" (DB) anlegen.
Mir ist nicht bekannt, ob alle Ahnenforschungsprogramme diese
Möglichkeit bieten, evtl. bieten einige ja nur die Möglichkeit, eine
einzige Stammdaten-DB anzulegen.

Ich habe in "PCA 2003" bspw. eine weitere DB angelegt für den Namen
SALDARRIAGA, den Vaternamen meiner Frau; ihr Muttername lautet LINARES,
auch dafür habe ich eine DB angelegt. Diese DB dienen aber nicht der
Aufnahme der Vorfahren unserer Kinder mütterlicherseits, sondern hier
finden sämtliche Funde zu diesen beiden Familiennamen
spanisch-kolumbianischer Herkunft ihre Ablage, bis sie irgendwann mal zu
einem oder mehreren DS in der Stammdatenbank passen. Denn leider führten
uns die Angaben meiner Schwiegereltern nicht weit zurück, das Thema
"Genealogie" ist dort uninteressant (aber inzwischen langsam und sicher
im Kommen, wie ich feststellen kann), und bei recht alten Leuten wie der
Großmutter (92) meiner Frau ist das (landesübliche und i.d.R.
notwendige) Mißtrauen recht hoch, was man denn mit solchen Daten alles
anfangen könnte und wen denn so etwas Persönliches überhaupt anginge ...
OK, ich habe also in diesen beiden DB alle bisher wie auch immer
entdeckten Vorkommen dieser Namen gesammelt, in der Hoffnung, dadurch
irgendwann mal das "missing link" zu finden, mit dem ich die Stammdaten
um eine oder mehrere Generationen weiter zurück erweitern kann.

So, und bei der "FRIT(Z)SCH(E)-Datenbank" bin ich aus fast demselben
Grund genauso vorgegangen. Meine Linie habe kpl. zurück bis ca. 1580,
suche aber bisher noch unbekannte Geschwisterlinien usw. Der Schwerpunkt
meiner Suche liegt daher im Großraum "Südliches Sachsne-Anhalt /
westliches Sachsen / östliches Thüringen". Der Vollständigkeit halber
und um ganz sicher zu gehen, habe ich mich entschlossen, einfach *alle*
Namensträger deutschlandweit aufzunehmen. Das kommt dann auch anderen
Forschern zugute. Ich sammle dort also alle von mir entdeckten und von
Euch zugesandten Vorkommen dieser Namensgruppe in allen denkbaren und
auftauchenden Schreibvarianten, von kompletten DS einzelner Personen
oder kpl. Linien über Nennungen in Steuer- und anderen Listen,
Erwähnungen in der Literatur bis hin zu Auflistungen in Adreßbüchern und
Inschriften auf Kriegerdenkmälern usw. usw. Jeder einzelne Hinweis,
jedes Datum, woher er/es auch stammen und wie knapp oder ausführlich
er/es auch sein mag, ist mir willkommen und wird in die DB aufgenommen.
Weiteres dazu findest Du unter
Familienarchiv Fritsche: Frit(z)sch(e)-Datenbank. Irgendwann - so meine
Hoffnung - rundet sich das Bild, treten Verbindungen zwischen einzelnen
Personen oder bisher nur inselartig bekannten Familien oder Linien zu
Tage. Dann werden die betreffenden / betroffenen Forscher von mir
benachrichtigt.

Weitere DB bei mir heißen bspw. "Vogelsang", "Gerbert", "Diverse". Hier
sammle ich DS aus Funden zu diesen konkreten oder zu diversen
Familiennamen, die später ebenfalls einer "Familienzusammenführung" in
den Stammdaten dienen sollen.

Wenn ich nun DS finden sollte, die in meine Stammdaten passen, dann
nutze ich z.B. die PCA-Funktion "DS kopieren", d.h. ich kopiere einen DS
(oder mit einer anderen Funktion eine kpl. Familie oder ganze Linie auf
oder abwärts) und füge sie mit einer anderen Funktion in meine
Stammdaten-DB ein. Dort werden die DS dann mit der passenden Person
entsprechend verknüpft, fertig.

Stelle also mal fest, ob Dein Programm es leistet, mehrere DB anzulegen,
und dann kannst Du außer Deiner Stammdaten-DB z.B. auch eine
deutschlandweite MÜNNICH-DB anlegen, analog meiner
"FRIT(Z)SCH(E)-Datenbank".

Zum Datenschutz: Einzelne Daten sind nicht geschützt, können es auch
nicht werden. Du darfst Einzelfunde, evtl. auch größere (Teil-)Auszüge
aus fremden DB, Büchern usw. frei in Deine DB übernehmen. Nur vollkommen
komplette Datensammlungen darfst Du nicht kopieren. An der von Dir mit
Deinen angesammelten Einzeldaten gefüllten DB als Ganzes hast Du dann
wiederum Schutzrechte, da es Dein Erzeugnis ist, aber jeder andere kann
daraus wieder Daten für sich abzweigen, usw.

Ich hoffe, ich konnte Dir so einiges beantworten.

Viele Grüße,

Jürgen

Moin Stefan,

Wie "lagert" man Originalurkunden bzw. Originaldokumente?

entweder in Kartons, Schubern oder dergl. aus SÄUREFREIER Pappe oder,
wenns vom Format her geht, in WEICHMACHERFREIEN Plastikhüllen. Beides
gibts im gut sortierten Fachhandel. So oder so aber bei möglichst
konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Plastikhüllen regelmäßig
belüften. Diese Tips stammen von einem Archivar des Hamburgischen
Staatsarchivs.

Gibt es bestimmte Grundvoraussetzungen
oder rechtliche Bestimmungen(z.B. hinsichtlich des
Datenschutzes), die es zu beachten gilt?

Sammeln darfst Du wohl, was Du willst. Interessant wirds beim
Veröffentlichen: Hier sind insbesondere die Schutzrechte Lebender zu
beachten. Genaues dazu weiß Dein Landesdatenschutzbeauftragter.