Unsere Verstorbenen in der sowj. bes. Zone (hwhansen)

Hallo Herr Hansen,

nachdem das Thema wieder aufgegriffen wurde, möchte auch ich nochmals darauf
eingehen. - Zumal mich Ihre Reaktion auf meine Nachricht (vom 30.05.13) doch
mehr als erstaunt hat. Deshalb möchte ich hier noch im Nachgang klarstellen,
dass Sie sich mit Ihrer Antwort vom 9.6. auf Inhalte bezogen und auch
zitiert haben, die ich zu keiner Zeit und auch inhaltlich nicht annähernd so
geäußert habe (u. a. "Mir will doch scheinen, hier wird etwas viel über
regierungsamtliche Regelungen und Stasi-Bedrohungen spekuliert" oder "Alles,
was zentral geregelt worden war, lässt sich anhand von Gesetzes- und
Verordnungsblättern nachverfolgen (man muss sie eben nur einsehen), selbst
"vertrauliche Regelungen" ließen sich in den Akten auch heute noch
finden."). Nachdem ich mich nun wieder von diesem "Hieb" erholt und etwas
recherchiert habe, ist mir klar geworden, dass hier eine Verwechslung mit
der eines anderen Listen-Teilnehmers an Sie gerichteten Nachricht (vom
29.05.) vorliegen muss. Denn keines dieser Zitate stammte von mir. Naja,
kann ja mal passieren...
   
Ich habe - in der Zusammenfassung - vielmehr zum Ausdruck gebracht, dass
allein die Repressalien, die angehörige DDR-Bürger von in der "SBZ"
Verstorbenen zu befürchten hatten, wenn deren Todesanzeigen in der
westdeutschen Presse, insbesondere in den Vertriebenenorganen, erschienen
sind, Anlass genug gewesen sein könnten, dass diese Organe zu deren Schutz
die Regelung getroffen haben, auf weitere Angaben zu verzichten. - Ohne
damit ausschließen zu wollen, dass der Einfluss der Stasi tatsächlich so
weit gereicht haben könnte. Denn was genau Russland mit den Westmächten
alles ausgehandelt hat, wissen wir sicherlich nicht.

"... wieso, weshalb, warum,
   wer nicht fragt bleibt dumm."

Genau! Denn das Thema, wie weit die Stasi-Arme damals wirklich reichten, ist
durchaus interessant. Und es wäre ja tatsächlich an der Zeit, auch diesen
Punkt der deutschen Geschichte aufzuarbeiten. Mit Spekulationen kommen wir
allerdings nicht weiter. Mit festgefahrenen Thesen, die zur Frontbildung
innerhalb unserer Gruppe führen, noch weniger. Warum nicht "den Stier an den
Hörnern packen"? und den Versuch der Aufklärung dann auch ganz konsequent
angehen?
Bin ich richtig informiert (durchaus als Frage in die "große Runde" gedacht)
dass die "Preußische Allgemeine Zeitung" als Nachfolge-Zeitung des damaligen
"Ostpreußenblatts" zu sehen ist? Ich möchte Sie hier ermutigen, doch
vielleicht mal eine eindeutige Anfrage an die dortige Redaktion zu richten,
ob und von wem es diesbezügliche Anordnungen gegeben haben könnte, durchaus
mit der Erklärung des Hintergrundes, dass der Verbleib der Verstorbenen für
die Leserschaft, insbesondere die betroffenen Angehörigen, somit trotz der
Veröffentlichung völlig im Dunkeln geblieben ist. Vielleicht sogar mit der
Anfrage, ob es noch eine Möglichkeit der nachträglichen Datenklärung gibt.
(Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie das gehen sollte.)
Es gibt so viele Journalisten, die sich mit geschichtlich aufklärenden
Themen befassen und nur nach "Futter" suchen. (Ein Telefonat vorab mit der
Redaktion dürfte vermutlich erfolgreicher sein als eine schriftliche
Erstanfrage.)
Vielleicht bin ich zu naiv, aber ist es nicht vielleicht doch einen Versuch
wert? - Zumal das durchaus ein Thema ist, das nicht nur uns Ahnenforscher,
sondern auch die breite Öffentlichkeit interessieren könnte.
Sie schrieben: "Ich möchte nicht alles schlucken wie ein Mülleimer, was mir
vorgesetzt wird. Es bleiben stets noch Fragen." Stellen Sie sie!

Viele Grüße und viel Erfolg,
mit Interesse an den Ergebnissen
Carola Thieme-Fittkau

Message: 5

Hallo Carola Thieme-Fittkau,

es ist richtig, dass die Wochenzeitung 'Das Ostpreu�enblatt' in 'Preu�ische Allgemeine Zeitung' umbenannt wurde, um sich im Zuge des Hinwegsterbens der ostpreu�ischen Erlebnisgeneration die Reichweite (und damit die Auflagenh�he) der Zeitung in etwa zu erhalten. Allerdings ist der Name 'Ostpreu�enblatt' nicht ganz untergegangen, er wurde f�r einen Teil der Zeitung (gleichsam als Beilage) beibehalten.

Da ich die zur Diskussion stehende Zeit selbst miterlebt und mich an die Verh�ltnisse gut erinnern kann, kann ich best�tigen, dass es unter den - auch weiteren - Familienangeh�rigen, alten Freunden und Bekannten aus der Heimat in den F�nfziger Jahren allgemein gute Verbindungen gab, egal ob sie in Mittel- oder Westdeutschland lebten. Selbst mit den am Leben gebliebenen, die es nicht mehr geschafft hatten, aus dem polnisch verwalteten Teil der Ostgebiete zu fliehen, stand man in brieflicher Verbindung (ich besitze noch die alten polnischen Briefmarken, die ich als Kind von solchen Briefen abgel�st und gesammelt hatte).

Ich habe bereits ausgef�hrt, dass es sich bei der Wendung "verstorben in der SBZ" h�chstens um eine Sprachregelung der Vertriebenenorgane gehandelt haben kann, um durch zu genaue Angaben, nicht eventuell jemanden im sowjetischen Machtbereich zu gef�hrden. Denn klar ist, dass die Sicherheitsorgane jenseits der Zonengrenze alle Vertriebenenpublikationen mitlasen. Klar ist aber auch, dass die Sterbenachrichten selbst nur �ber die oben genannten pers�nlichen Verbindungen in den Westen gekommen sein konnten. Todesmitteilungen waren nicht verboten. Spekulationen, dass "die Stasi" hier im Westen h�tte etwas verbieten und sich dann auch noch der Alliierten h�tte bedienen k�nnen, sind abwegig, da sie die Geschichte au�er Acht lassen und die politisch gegebenen Verh�ltnisse des Ost-West-Gegensatzes nicht ber�cksichtigen.

Gru�
Rolf-Peter

Carola, wie ich sehe, beschäftigst Du Dich recht intensiv mit der Thematik
der Vertriebenen. Das ist gut so, und ich möchte deshalb Dein Interesse hier
auf die Bestände an Akten im Bundesarchiv lenken. Vielleicht hast Du - oder
andere jüngere "Wissbegierige" - ja Zeit, Dich noch ausführlicher in die
Sache zu vertiefen (ich bin zu alt dafür, allerdings als Betroffener weiß
ich ja sowieso, was damals Sache war).
Im Bundesarchiv hat man viel Material zu den Heimatvertriebenen gesammelt,
neben der Ost-Dokumentation auch die diesbezüglichen Aktenbestände aus der
DDR von allen möglichen Institutionen. Dafür hat man im vorigen Jahr -
zusammen mit dem Oblast-Archiv in Königsberg - ein "Sachthematisches
Inventar" erstellt, siehe
http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/bundesarchiv_de/oeffentlichkei
tsarbeit/aktuelle_meldungen/kaliningradtextfassungdtrussvi.pdf .
Auf den Seiten etwa von 60 bis 80 findet man diverses an Material aus der
SBZ bzw. DDR. Ich bin sicher, dort in den Archivbeständen wird man auch
fündig bei den Fragen, die die Liste derzeit so bewegt.
Gruß - Martin Kunst (geboren in Kermuschienen Kr. Pillkallen)