Uneheliches Kind vom eigenen (langjährigen) Ehemann

Hallo allerseits,

   mir ist neulich in meiner Ahnenforschung etwas aeusserst Seltsames
   untergekommen:
   ich hatte von einer Vorfahrin von mir, die 1826 in Mackenrode
   (Hohnstein) einen meiner Vorfahren geheiratet hatte, die Information,
   sie sei das uneheliche Kind einer Frau in Bliedungen gewesen, das diese
   mit einem ebenfalls angegebenen dortigen Mann gehabt habe.
   Nun bin ich endlich mal dazu gekommen, im Bliedunger Kirchenbuch
   nachzuforschen - und musste feststellen, dass sie bereits das sechste
   Kind ihrer Eltern und diese schon 19 Jahre vor ihrer Geburt miteinander
   verheiratet waren (und sie selbst ebenfalls ehelich geboren)...
   Wie kann das gehen?!!!

   Kennt jemand aehnliche Beispiele fuer solche Absurditaeten?
   Womoeglich erkannte der damalige Pfarrer in Mackenrode die
   Eheschliessungen seiner Kollegen einfach nicht an (ein Sektierer)? Ich
   meine, mal etwas gelesen zu haben, wonach er einige Eigenheiten
   hatte...

   Gruesse aus Hannover

   Giacomo-Marco (Sbriglione)

   Heute schon gelebt...?

Hallo Marco!

Hast Du in Bliedungen einmal nachgeschaut, wann der Mann bzw.angebliche Vater gestorben ist.
Ein Kind, 19 Jahre nach der Eheschlie�ung, ist etwas ungew�hnlich.

Ich habe einen derartigen Fall. Da bekommt eine Frau 7 Jahre nach dem Tode ihres Ehemannes und 13 Jahre nach der Heirat, eine Tochter von einem namentlich bekannten Mann, den sie aber nicht heiratet. Trotzdem bekommt das Kind den Familiennamen des verstorbenen Ehemannes.
Im Taufeintrag wird nicht auf die uneheliche Geburt hingewiesen und auch bei ihrer sp�teren Heirat nicht.

M�glicherweise hatte der Pastor in Mackenrode die Kenntnis von der unehelichen Geburt von der Braut selber, oder er ist stutzig geworden, als er die Daten ihrer Eltern, insbesondere das Sterbedatum ihres Vaters mit ihrem Geburtsdatum verglichen hat.

Es gibt aber noch eine andere Erkl�rung.Mackenrode liegt im Eichsfeld und dort ist man traditionell katholisch.

Bliedungen ist jetzt ein Ortsteil der Gemeinde Friedrichsthal im Landkreis Nordhausen in Th�ringen.Dort ist man evangelisch.

M�glicherweise hat der katholische Pastor von Mackenrode die evangelische Ehe der Eltern Deiner Vorfahrin aus irgendwelchen Gr�nden tats�chlich nicht anerkannt.

Viele Gr��e

J�rgen

HAllo Giacomo-Marco!

   Kennt jemand aehnliche Beispiele fuer solche Absurditaeten?

Ja, ich fand letztens im KB der Annenkirche Dresden:

~ 1823 Emilie Henrietta, 1stes Kind (NT: unehelich)
Johann Carl Gottfried Stäglich, Bürger und Lohnkutscher F.G.
Fr. Johanna Juliana, geb. Richter (dritter Ehe)

~ 1824 Heinrich Moritz, 2tes Kind (NT: unehelich)
Johann Carl Gottfried Stäglich, Bürger und Lohnkutscher F.G.
Fr. Johanna Juliana, geb. Richter (zweiter Ehe)

~ 1826 Friedrich Moritz, 3tes Kind (unehel.)
Carl Gottfried Steglich, Lohnkutscher, F.G.
Fr. Christiane Juliane geb. Richter (dritter Ehe)

~1827 Amalia Henrietta, 4tes Kind
Carl Steglich, Lohnkutscher, F.G.
Fr. Johanna Juliana geb. Richter (dritter Ehe)
[NT am Ende der Seite: Lt. Ephoralverordnung v. 12. October 61 wird anher bemerkt, daß die Mutter der unter No. 336 genannten, am 9. Decbr. 1827 geborenen Amelie Henriette/Steglich/ nicht „Johanna Juliana“ sondern „Christiana Juliana“ heißt, ingleichen, daß das genannte Kind nicht „ehelich“ sondern „außerehelich“ geboren ist. G. Böttger, Past.]

Bei der Nachforschung des Traueintrages scheiterte ich in der Annenkirche, fand aber die 2. Eheschließung der Frau (als Witwe) in der katholischen Kirche, ihr 2. Ehemann starb erst 1861, wahrscheinlich daher der Nachtrag beim 4. Kind.
Daher war die Eheschließung von der katholischen KIrche nicht anerkannt, auch wenn Sie offiziell geschieden wurden! Demnach wurden alle Kinder nachträglich als unehelich geboren gerechnet!

Ich glaube die Kinder selbst hat das 1861 nicht mehr gestört, sie waren alle schon selbst verheiratet bzw. verstorben und das Ehepaar war ebenfalls schon verstorben.

Ich hoffe es nutzt Dir was
GAbi Finke aus Dresden