Hallo Jörg und Anette,
ich lese seit Monaten von den Mormonen verfilmte Standesamtsunterlagen (ca.
1870 1880) aus dem Raum Lüben und Liegnitz und staune immer wieder, wie
enorm viele uneheliche Kinder geboren wurden. Was die Väter dieser Kinder
angeht, habe ich in den Geburtsurkunden der Standesämter eine große
Bandbreite gesehen:
- keine Angaben (das ist am häufigsten)
- Randbemerkung, dass ein Mann zum Standesbeamten gekommen ist und
die Vaterschaft anerkannt hat
- Randbemerkung, dass ein Mann nach Gerichtsverhandlung seine
Vaterschaft zugegeben hat
- Randbemerkung, dass die Mutter später geheiratet hat und der
Bräutigam anlässlich der Eheschließung die Vaterschaft anerkannt hat
- gelegentlich ist der Vater des unehelichen Kindes derjenige, der
die Geburt beim Standesamt meldet und unterschreibt, dass er bei der Geburt
anwesend war
- gelegentlich ist vermerkt, dass die unverheiratete Mutter das
Kind in der Wohnung des Kindesvaters zur Welt gebracht hat.
- Randbemerkung, dass und von wem das Kind später adoptiert wurde
(habe ich erst einmal gesehen).
Die Mütter der unehelichen Kinder waren längst nicht immer Jugendliche,
sondern teilweise Erwachsene, teilweise auch Wittwen.
Damals war die Kindersterblichkeit groß und natürlich auch die
Sterblichkeit bei unehelichen Kindern. Mag sein, dass sich manche Klärung
der Vaterschaft durch Tod des Säuglings erledigt hatte oder zumindest nicht
mehr aktenkundig wurde.
Da ich immer wieder auch Sterbeurkunden gelesen habe, wo Kleinkinder bei
Pflegeeltern gestorben sind, gehe ich davon aus, dass damals längst nicht
alle Mütter ihre unehelichen Kinder bei sich behalten haben oder bei sich
behalten konnten.
Seit 2 Wochen sichte ich erstmals von den Mormonen verfilmte Kirchenbücher
aus Liegnitz und zwar bisher nur Trauungen (1835 1870). Meine Erfahrungen
stützen sich daher nur auf die ev. KB einer einzigen Stadt und können nicht
repräsentativ sein. Dennoch ich staune immer wieder. Zum einen hat ein
eifriger (oder eifernder) Pfarrer bei fast jeder 2. Braut gefallene Person
vermerkt! Und dann staune ich, wie häufig uneheliche Kinder mit in die Ehe
gebracht wurden. Ich schätze, dass in den schon von mir durchgesehenen
Jahrgängen bei etwa 10 Prozent der Trauungen vom Pfarrer eine Bemerkung zu
unehelichen Kindern eingetragen wurde. (Bei meinem nächsten Filmlesetermin
werde ich mal zählen.) In der Mehrzahl der Fälle steht dann, dass der
Bräutigam erklärt, das von der Braut am soundsovielten Datum zur Welt
gebrachte Kindes namens Soundso erzeugt zu haben. Gelegentlich steht aber
auch, dass der Bräutigam erklärt, nicht der Erzeuger des mit in die Ehe
gebrachten Kindes zu sein.
Neben dem Original-Geburtseintrag des unehelich geborenen Kindes könnte also
auch der spätere Original-Heiratseintrag der Mutter Aufschlüsse geben.
Schöne Grüße
Gudrun auf der Suche nach MAIDORN
Jörg Mücke schrieb:
Liebe Forscherfreunde,
ich habe zu dem Thema "Uneheliche Kinder: Wer ist der Vater?" mich schon zu
Beginn meiner Forschungen belehren lassen müssen, dass kaum eine Aussicht
auf Erfolg besteht.
Es wäre schön, wenn es anders wäre.
Bei meinen Vorfahren war es 1856, als die Nähterin Emilie Bertha BECK in der
Evangelischen Hofkirche Breslau einen unehelichen Sohn Theodor Adolf Raimund
taufen ließ. Wenige Wochen vor der Hochzeit dieses Sohnes wurde die Adoption
des Schneidermeisters Wilhelm MÜCKE im Kirchenbuch nachgetragen. 1876 kurz
vor Vollendung seines 20. Lebensjahres ist die Adoption noch vollzogen
worden, aber erst 1885 zur Hochzeit
(Aufgebotsbestellung) ist aber in Kirchenbuch vermerkt worden.
Für mich steht die Frage:
Was war die Ursache für eine Adoption?
Hochzeit der Emilie Bertha BECK mit Wilhelm MÜCKE die letzten Jahre vor
1876?
Oder Tod der Emilie Bertha Beck ca. 1875?
Für beide Varianten habe ich noch keine Bestätigungen gefunden.
Im Taufregister ist noch die Wohnung Tannengasse 8 eingetragen, aber in
einem Breslauer Adressbuch jener Jahre ist sie auch nicht verzeichnet,
vermutlich war sie dort Untermieter.
Diese unehelichen Mütter hatten es ja damals sehr schwer, sie durften
sicherlich den Namen des Vaters nicht verraten.
Kann mir trotzdem jemand aus der Runde einen Tipp geben, wie man wenigstens
noch etwas über die Mutter herausbekommen kann?
Viele Grüße aus Dresden
Jörg (Mücke)
<mailto:anettenitschke@arcor.de> schrieb:
Liebe Liste,
ich habe diese Woche alle meine Problemfälle in Arbeit. Diesmal die
Thematik mit den unehelichen Kindern. Gibt es eine Möglichkeit den Vater von
unehelichen Kindern herauszufinden. Irgendein Amt, das sich Vermerke gemacht
hat? Meine Oma hat leider nie etwas darüber gesagt; sie wollte einfach
nicht. Auch von den Anderen ist nichts "rauszuholen". Sie lebten damals in
Fraustadt und m.W. gingen die jüngsten Töchter nach Glogau Tanzen. Wie
gesagt, bei diesem Thema kommt nur schweigen. Meine Mutter wurde Februar
1945 in Plauen geboren, auf der Flucht.