Liebe Listenleser,
im Taufbuch 09.04.1852 von Rostock St. Jacobi sind hintereinander 2 Taufen
unehelich geborener Kinder eingetragen (eines davon ist mein Urgroßvater).
Obwohl die Mütter nicht miteinander verwandt sind, haben die Kinder
dieselben Taufzeugen. Die erste Mutter stammt aus Pastow, meine
Ururgroßmutter aus Güstrow. Zwischen den Geburten und der Taufe lagen 14
bzw. 8 Tage.
Meine Frage: Warum waren die Taufzeugen (Paten?) keine Verwandten? Wurden
bei unehelichen Kindern seinerzeit "amtliche" Taufzeugen berufen? Mir ist
der soziale Stand unehelicher Mütter in Rostock Mitte des 19. Jahrhunderts
nicht bekannt.
Vielen Dank für nachvollziehbare Hinweise.
Herzliche Grüße
Brigitte (Schymura)
Hallo Brigitte,
bei unehelichen Geburten auf dem Land habe ich festgestellt, dass sehr oft keine engen Verwandten Paten waren (gelegentlich j�ngere unverheiratete Geschwister), sondern junge ledige Leute aus dem Dorf und oft die Kirchenjuraten. Vielleicht sollten die Juraten daf�r sorgen, dass die unehelichen "Hurkinder" wenigstens anst�ndigem geistlichen Einfluss ausgesetzt waren.
Aber es kamen nat�rlich auch Verwandte als Paten vor, vor allem, wenn das Paar sp�ter geheiratet hat. Dann waren die beiden Eltern wohl schon verlobt gewesen oder die Verbindung schon geplant, als die Zuk�nftige schwanger wurde.
Wenn also bei den von Dir genannten Taufen an einem Tag die gleichen Paten auftreten, werden es m�glicherweise ehrenhafte Leute wir die erw�hnten Kirchenjuraten gewesen sein, die sich als Paten zur Verf�gung stellten. Warum der Abstand zwischen Geburt und Taufe recht gro� war, wei� ich nicht genau. Manchmal wurden gerade uneheliche Kinder sofort getauft, manchmal (vielleicht wenn die Mutter versucht hat, die Geburt zu verheimlichen?) war der Abstand bis zur Taufe recht gro�. Aber im 19. Jhd. nahm der Abstand sowieso allm�hlich zu. Vielleicht mussten auch erst geeignete und gewillte Paten aufgetrieben werden, besonders wenn die M�tter keine Verwandten in Rostock hatten (Dienstm�dchen?).
Viele Gr��e
Anne (Schwarm)
-----Urspr�ngliche Nachricht-----
Hallo Anne,
Deine Erklärungen erscheinen plausibel. Vielleicht war aber bei der Taufe
meines Urgroßvaters auch deswegen kein Verwandter anwesend, weil der
Großvater des Täuflings, wie ich inzwischen weiß, ein Abdecker- bzw.
Scharfrichterknecht war. Das hat die uneheliche Geburt sicherlich nicht
aufgewertet.
Meine Ururgroßmutter scheint den Vater ihres Kindes nicht geheiratet zu
haben. Der Sohn trug zeitlebens den FN der Mutter, Riebe. Ihre eventuelle
spätere Heirat muss ich noch erforschen.
Vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Herzliche Grüße
Brigitte